Dienstag, 21. Juni 2016

Die Woche der Wahrheit

Jetzt gilt’s. Aktien sind günstig, daran gibt es kaum Zweifel. Politisch droht dagegen Ungemach. Eifrige Leser wissen warum, eifrige Anleger auch. Also besser abwarten, bis wieder mehr Klarheit herrscht.

Vielleicht eine gewagte Aussage: Aber es scheint doch, als ob es dem DAX besser geht, als es sein aktueller Punktestand und die wankelmütige Stimmung suggerieren. Angst vor dem Brexit, die Wahlgewinne europakritischer Politiker in Italien, Furcht vor dem China-Crash und Sorgen um die US-Zinswende hin oder her — die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals haben doch eigentlich gezeigt, dass auf Firmen-ebene gut verdient wird. Prompt haben ja auch die Analysten ihre Prognosen korrigieren müssen. Nach oben wohlgemerkt.

Für das laufende Jahr gehen sie nun davon aus, dass die Gewinne bei den DAX-Unternehmen um fünf Prozent höher ausfallen werden als 2015. Ähnliches gilt für 2017. Dies rechtfertigt eigentlich einen DAX-Stand, der eher bei 11000 bis 11500 als bei 9500 oder 10000 liegt. Das bestätigt auch eine Studie der LBBW: Wäre der deutsche Leitindex mit seinem historischen KGV-Median bewertet, also fair, wie das im Branchenjargon heißt, dann sollte er derzeit bei 11300 Punkten notieren.

Dies ist bekanntlich nicht der Fall, man kann also von einer aktuell doch sehr starken Risikoaversion der Anleger ausgehen. Momentan liegt das Forward-KGV, also die Bewertung anhand der künftig erwarteten Gewinne für den DAX, bei gerade mal 11,2. Zum Vergleich: Laut Berechnungen der LBBW verläuft die Grenze zu den 20 Prozent günstigsten DAX-Bewertungen seit Indexstart im Jahr 1988 bei einem KGV von 11,5. Aktuell liegt man also darunter.

Klar lässt sich jetzt argumentieren, dass Aktien ...

Dienstag, 14. Juni 2016

Alles ordentlich unter Wasser

Die Unsicherheiten machen den europäischen Börsen zu schaffen. Besser hält sich die Wall Street. Hier ist sogar das Allzeithoch noch in Reichweite. Worauf Anleger die kommenden Tage achten müssen.

Das nennt man volatil! Der DAX kann sein Niveau von 10 350 Punkten nicht halten, rutscht wieder ab auf 9500. In nur wenigen Tagen. In den USA indes lassen die Kurse zwar auch nach, aber der Rückgang bleibt im Rahmen. Der Dow Jones fällt von 18 000 Punkten auf 17 700 (Stand Redaktionsschluss Dienstag). Was ist da los? An der deutschen Börse ein Minus von acht Prozent, in New York dagegen nur zwei Prozent. Übertreibt man da wieder mal auf dem alten Kontinent?

Fakt ist: Der Juni könnte spannender kaum sein. Da ist die US-Notenbank, die zum Erscheinungstag dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE ihre neuesten Ideen zum Fortgang ihrer Leitzinspolitik verlauten lässt. Dann ist da das Bundesverfassungsgericht, das in der kommenden Woche am 21. Juni darüber befindet, ob die umfangreichen Anleiheaufkäufe der Bundesbank überhaupt rechtmäßig waren. Je nach Befund, könnte es zu einem Kursrutsch bei Euro-Staatsanleihen kommen. Und dann ist da der Entscheid in Großbritannien, ob man noch Teil der Europäischen Union sein will oder doch lieber der Splendid Isolation frönt und den Brexit tatsächlich durchzieht. Wagen die Briten das, dann dürfte die beschriebene Volatilität noch zu keinem Ende kommen.

Ach ja, und als ob all dies nicht reichte, macht man sich inzwischen erneut Sorgen um China und darum, ob denn das verhaltene Wachstum dort sich nicht doch schlimmer auf das globale Gefüge auswirkt als bisher angenommen.

Doch wie schlimm ist die Situation wirklich? Weder Inflations- noch Konjunkturdaten ...

Dienstag, 7. Juni 2016

Guter Rat, gute Tat

Es läuft. DAX und Dow steigen – trotz Brexit-, Zins-, China- und anderer Sorgen. Denn es gibt auch gute Nachrichten. Die Aktienkurse steigen nicht ohne Grund. Eine Zusammenfassung.

Vergangene Woche starteten wir hier mit der Aussage: „Das sieht doch gar nicht so schlecht aus.“ Diese Woche könnten wir das erneut tun. Denn allen Unkenrufen zum Trotz geht es an den Märkten nach oben. Unser seit Wochen wiederholter Rat, an schwächeren Tagen nachzukaufen, war und ist also gültig.

Und das, obwohl — oder eben vielleicht gerade, weil — derzeit noch viele grundlegende politische Entscheidungen getroffen werden, die auch Auswirkungen auf Wirtschaft und Finanzmarkt haben. Am 21. Juni beispielsweise gibt das Bundesverfassungsgericht bekannt, ob denn der Anleiheaufkauf durch die Bundesbank rechtmäßig ist. Wenn nicht, dann hätte die Europäische Zentralbank EZB ein Problem und müsste bei der Unterstützung kriselnder Eurostaaten ohne Deutschland auskommen. Man kann sich kaum vorstellen, dass dies funktioniert. Die Eurokrise würde wohl wieder aufflammen.

Zwei Tage später dann die Abstimmung  bei unseren britischen Nachbarn, ob man nun im EU-Klub bleiben will oder nicht. Käme es zum Brexit, wäre wohl ordentlich was los an den Märkten. Die Folgen sind kaum abzuschätzen und die Kurse dürften heftig schwanken. Und last, not least der Zinsentscheid in den USA, der schon kommende Woche ansteht. Geht es weiter rauf mit dem Leitzins oder nicht? Und wenn ja, wie geht es danach weiter?

Die Börse indes scheint sich darum nicht zu kümmern. Seit Aschermittwoch — wie sinnig — geht es nach oben. Beim DAX wie auch beim Dow. Letzterer ist sogar schon in Reichweite seines Allzeithochs. Auch der VDAX, also der Volatilitätsindex, der die erwarteten Schwankungen der Kurse misst, liegt mit derzeit ...

Mittwoch, 1. Juni 2016

Da wird ein Schuh draus

Gute Stimmung. Der DAX ist zuletzt wieder gestiegen. Der Dow Jones steht sogar kurz vor einem neuen Rekordhoch. Und es gibt einige gute Gründe, dass die Kursrally noch eine Weile dauern wird.

Das sieht doch gar nicht so schlecht aus. Der Rat der vergangenen Wochen, an schwächeren Börsentagen zuzukaufen, hat sich als richtig erwiesen. Von wegen: „Sell in May!“ Wohl eher: „Buy in May!“ Sowohl die europäischen wie auch die amerikanischen Börsen sind gestiegen  — Dow Jones und S & P 500 sind sogar nicht mehr weit von ihren Rekordhochs entfernt. Technisch gesehen läuft der Laden also. Und auch fundamental gibt es gute Gründe, investiert zu bleiben.

Fast scheint es so, als ob die Brexit-Ängste zumindest bei den Anlegern nachließen — obwohl der Ausgang der Abstimmung weiterhin höchst ungewiss ist. Hinzu kamen in den zurückliegenden Wochen erfreulich robuste Konjunkturdaten. Mitte Februar war das noch ganz anders, da war die Stimmung schlecht wie selten. Seither jedoch sind immer weniger wichtige Wirtschaftsdaten hinter den Erwartungen  zurückgeblieben.

Die Kurserholung könnte also weiterhin dauern. Denn teuer ist der Markt nicht  — egal ob das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Dividendenrendite herangezogen wird. DAX-Aktien etwa sind im langfristigen Vergleich durchschnittlich bewertet. Und im Vergleich zu Zinspapieren kann man nur zu einem Schluss kommen: Aktien sind derzeit billig.

Wenn man jetzt noch davon ausgeht, dass viele ...