Mittwoch, 31. August 2016

Die Vergesslichkeit der Börsianer

An den Märkten ging es zuletzt ungewöhnlich ruhig zu. Vielleicht sogar schläfrig. Ein Grund, sich Sorgen zu machen? Folgt auf die Ruhe der Sturm? Anleger sollten jedenfalls auf der Hut sein.

Ein Monat zum Vergessen war das, der August. Seien wir doch mal ehrlich: Langeweile pur. Außer Seitwärts-geschiebe war da wenig. Gut, an Europas Börsen ging es leicht nach oben, aber in den USA? Nichts gewonnen, nichts zerronnen. Seitwärts eben. Eingeschlafen.

Die Statistik beweist dies eindrücklich. Der marktbreite US-Aktienindex S & P 500 bewegte sich in den zurückliegenden 34 Handelssitzungen nicht ein einziges Mal um mehr als ein Prozent nach oben oder nach unten. So wenig Volatilität gab es in vergleichbaren Zeiträumen seit 20 Jahren nicht mehr. Und nicht nur am Aktienmarkt ging es so schläfrig zu, auch bei US-Staatsanleihen tat sich kaum etwas.

Vermutlich hatte dies etwas mit dem Treffen der wichtigsten Zentralbanker der Welt in Jackson Hole zu tun. Dieses fand am vergangenen Wochenende statt. Und vermutlich wollte sich im Vorfeld keiner so recht aus der Deckung wagen.

Jackson Hole ist inzwischen abgehakt. Weltbewegendes ist dort aber nicht passiert. Klar, es gibt immer noch Zinswende-Diskussionen in den USA. Man ist unsicher, wann es die nächste Erhöhung gibt. Aber wenn man die dürren Worte von US-Notenbank-Chefin Janet Yellen richtig deutet, dann dürfte vor Dezember nichts passieren. Zwar hat sie in Jackson Hole — zumindest verbal —  die Tür für eine Anhebung des Leitzinses weit aufgestoßen, den Zeitpunkt für einen solchen Schritt aber offengelassen. Aber schon dies bremste die Aktienmärkte dann doch ein.

Doch woran liegt es außerdem, dass es ...

Donnerstag, 25. August 2016

Die ungeschminkte Wahrheit

Die Börsen halten sich gut. Was unter anderem am Tun, am Nichttun und am vermeintlich kommenden Tun der Notenbanken liegt. Die wichtigsten Notenbanker treffen sich am Wochenende.

Die Notenbanker sind es, die an den Finanzmärkten den Ton angeben. Nichts Neues also, dies ist ja schon seit längerer Zeit der Fall. Allerdings ist die Tonalität diesseits des Atlantiks eine andere als jenseits. In den USA, wo die Notenbank Fed ja eigentlich auf Zinserhöhungskurs ist, tut selbige Institution jedoch alles, um die Wahrscheinlichkeit weiterer Erhöhungen kleinzureden.

Der Kurs innerhalb der Fed ist indes umstritten. So recht scheint man nicht zu wissen, wie man die Erholung am Arbeitsmarkt deuten soll. Und der Arbeitsmarkt ist schließlich entscheidend für den Kurs beim Leitzins. Klar, es gibt viele neue Jobs, allerdings sind die in den vergangenen Jahren überwiegend im Niedriglohnsegment entstanden. Gleichzeitig sind jedoch 1,5 Millionen hochwertige Arbeitsplätze in der Industrie seit 2007 verloren gegangen. Insofern ist der Aufschwung am Arbeitsmarkt tatsächlich fragwürdig und macht weitere Zinserhöhungen damit schwierig.

In Europa wiederum, da ist die Europäische Zentralbank (EZB) auf ganz anderem Kurs. Die EZB kauft seit einiger Zeit nun schon Anleihen, um für Liquidität zu sorgen. Durch den immer niedrigeren Zins sollen Anreize für Investitionen geschaffen werden. Das Problem daran: So richtig erfolgreich ist das alles noch nicht. Außerdem wird die Menge an Anleihen knapp. Darum ist es gar nicht mehr so unwahrscheinlich, dass die EZB irgendwann ihr Kaufprogramm auf Aktien ausdehnen wird. Vorbild: die japanische Notenbank, die inzwischen ...

Donnerstag, 18. August 2016

Ausdauer statt Aussetzer

Der August zeigt sich – bisher – für Aktionäre bisher von seiner besten Seite. Es geht nach oben, obwohl die Statistiker den August ja als eher schlechten Börsenmonat ausgemacht haben.

Die Börsen sind in den zurückliegenden Wochen gut gelaufen — was den einen oder anderen sicherlich überrascht hat. Doch es ist eben, wie es ist: Die Sorgen rund um die Folgen des Brexit-Votums sowie andere potenzielle Risiken für die Weltwirtschaft schwächen sich langsam ab. Trotzdem ist längst nicht alles in Butter. Die Fundamentaldaten fielen zuletzt so aus, dass weitere geldpolitische Maßnahmen der Notenbanken sehr wahrscheinlich sind.

Allerdings mit Ausnahme der wichtigsten Notenbank der Welt: Die US-Zentralbank Fed wird wohl an ihrem Kurs der schrittweisen Zinserhöhungen festhalten. Die Fed ist die einzige Notenbank in den entwickelten Ländern, die in Sachen Geldpolitik behutsam zur Normalität zurückkehrt. Mit dem Effekt, dass durch diese Abweichung eine immer größere Kluft zwischen den Vereinigten Staaten und dem Rest der entwickelten Länder entsteht.

Aber die USA können sich das durchaus erlauben, oder müssen dies vielleicht auch, um eventuellen Inflationsgefahren vorzubeugen. Zwar sind die US-Konjunkturdaten weiterhin eher ...

Mittwoch, 10. August 2016

Weiter, immer weiter!

Der August und der September gelten als eher schlechte Börsenmonate. Doch dieses Muster muss sich nicht jedes Jahr wiederholen. Das zeigt die Statistik. Und das zeigt auch die aktuelle Konjunkturlage.

Das sieht gar nicht mal so schlecht aus, die Stimmung an der Börse wird besser. Hauptgrund dafür sind die positiven Konjunkturdaten. Etwa das Plus in der deutschen Industrieproduktion. Dazu noch der bessere Sentix-Konjunkturindikator. Die Risikoaversion nach dem Brexit-Votum war also nur von kurzer Dauer — wir hatten es ja auch so kommen sehen. Die Wirtschaftserholung wird davon nicht nachhaltig gebremst.

Und in Großbritannien selbst, da linderte die Bank of England (BoE) mit ihrer Zinssenkung die Konjunktursorgen. Neben der japanischen und der europäischen Notenbank EZB trägt künftig also auch die BoE zur weltweiten Liquiditätsausweitung bei. Effekt: ein neues Jahreshoch an der Börse London. Und damit muss es noch nicht einmal getan sein. Ein Ratsmitglied der Bank of England, Ian McCafferty, hat eine weitere Lockerung der Geldpolitik auf der Insel bereits angedeutet.

Gute News auch aus den USA: Die Zahl der neu geschaffenen Stellen am Arbeitsmarkt ist im Juli stark gestiegen, was als Indikator für ein Anhalten der wirtschaftlichen Erholung gedeutet wird. Und auch die Unternehmen selbst überzeugen: Während sich die Berichtssaison dem Ende zuneigt, haben inzwischen etwa 85 Prozent der im S & P 500 gelisteten Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt. In Summe ergibt sich dabei ein Gewinnplus von acht Prozent gegenüber dem ersten Quartal des Jahres. Malus: Im Vorjahresvergleich ist der Gewinn um 1,5 Prozent gefallen. Allerdings — und dies beseitigt den Makel — sind die Umsätze deutlich gestiegen. Etwa im wichtigen Technologiebereich, wo bei  acht von zehn Unternehmen die Umsätze deutlich über den Erwartungen lagen.

Summa summarum scheint es also so, als ob ...