Mittwoch, 21. September 2016

Schluss mit dem Geplänkel

Die Börsen üben sich schon wieder in Langeweile. Allerdings stehen jetzt die traditionell 
besten Monate Oktober bis Dezember an. Eine Chance für wieder steigende Notierungen.

Es kommt, wie es kommen muss. Es gibt gleich zwei wichtige Weichenstellungen — nicht nur die US-Notenbank Fed gibt am Mittwoch ihre Zinsentscheidung bekannt, sondern auch die Bank of Japan (BoJ). Für Verunsicherung haben in den zurückliegenden Tagen und Wochen derweil beide Termine gesorgt.

Bisweilen konnte hier der Eindruck entstehen, die Fed wie die BoJ werden dabei verlieren, egal wie sie nun tatsächlich entscheiden. Beispiel Japan: Keine oder nur eine minimal dosierte Aktion könnte die Kritiker in ihrer Meinung bestärken, dass die Zentralbanken generell die Grenzen ihrer Geldpolitik erreicht haben. Gibt es jedoch weitere schrittweise Lockerungsmaßnahmen, könnte dies als ineffektiv interpretiert werden und — im Fall von negativen Zinsen — als schädlich für die Erträge der Banken.

Eine blöde Situation das. Vermutlich wird man in Japan die Niedrigzinspolitik energisch verteidigen, aber den Zinssatz nicht ändern, dafür aber das Wertpapierankaufprogramm noch einmal ausweiten. Und in den USA? Da ist es schwieriger mit dem Spekulieren. Tendenz: Zinserhöhung erst im Dezember. Aber wer weiß? Als ob es nicht genügend andere Unsicherheitsfaktoren auf diesem Planeten gäbe! Explodierende Bomben in New York, eine aufgekündigte Waffenruhe in Syrien, Flüchtlingsdramen und so weiter.

Und die Börse? Die ist offenbar ...
zurück im Langeweile-Modus. Seitwärts, immer seitwärts. Und (bisher) immer davon abhängig, wie sich die Notenbanken gerade äußern oder wie das Gesagte interpretiert wird. Aber dass es im August und September nicht recht vorwärtsgeht, ist ja auch nicht so ungewöhnlich. Das ist historisch gesehen bislang meist der Fall gewesen. Der Sommer ist indes nun offiziell vorbei, und im Herbst, das wissen wir, ist saisonal gesehen die Börse in der Regel relativ stark. Die besten Monate stehen also an: Oktober, November, Dezember.

Genau jetzt kommt ein wichtiger Faktor hinzu, der in den zurückliegenden Wochen noch durch das ständige Interpretieren diverser Notenbank-Statements entweder vergessen, ignoriert oder überlagert wurde: die US-Wahl. Die rückt nun zunehmend in den Vordergrund. Ab sofort dürften die Meinungsumfragen zur amerikanischen Präsidentschaftswahl wichtiger werden für das Auf und Ab an der Börse.

Im Moment sieht es danach aus, dass die Wall Street von einem Sieg Hillary Clintons ausgeht. Die Demokratin hat sich ja deutlich dazu geäußert, dass sie im Fall eines Wahlsiegs große Ausgaben für Infrastrukturprojekte machen wird (siehe auch unsere Titelgeschichte ab Seite 12). Clintons Kontrahent Donald Trump will allerdings auch den Geldhahn sprudeln lassen, sollte er die Wahl gewinnen. Man darf also so oder so mit ordentlichen Konjunkturprogrammen rechnen.

Wenn man so will, dann wird in den USA also das Zurückfahren der expansiven Notenbankpolitik kompensiert durch Geldausgeben im großen Stil seitens der Regierung. Na, wenn das keine Steilvorlage für die Börse ist. Gut möglich also, dass, je näher die Wahl rückt und je klarer die Prognosen werden, Infrastruktur-Aktien die Wall Street insgesamt nach oben ziehen. Und weil eben auch die anderen Weltbörsen sich gern von der Wall Street leiten lassen, dürfte dies für Aktien weltweit gelten. Insgesamt bleiben wir daher optimistisch für Aktien. Es gilt weiterhin: an schwachen Börsentagen nachkaufen.

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