Mittwoch, 30. November 2016

Trump und das Sahnehäubchen

Die Börse läuft. Zumindest die amerikanische. Ob das jetzt am neuen US-Präsidenten liegt, ist dabei sekundär. Viel wichtiger sind die ohnehin gute Konjunkturentwicklung und der Trend beim Leitzins.

Jetzt also die Trump-Rally. Ein neuer Trend. Zumindest ist davon gerade überall die Rede. Vor allem im US-Börsenfernsehen: Trump-Rally hier, Trump-Rally da. Klar, die Aktienkurse sind seit der US-Präsidentschaftswahl stark gestiegen, und es scheint allzu naheliegend, dies mit dem Sieger zu begründen oder mindestens damit, dass durch die Wahl endlich die lange Unsicherheit ein Ende gefunden hat. Aber im Ernst: Die Gründe für den Anstieg sind fundamentalerer Natur. Dass die Wirtschaft stärker wächst als angenommen, war doch schon vor der Wahl bekannt.

Und so nehmen die Dinge jetzt ihren Lauf: Besseres Wachstum führt zu steigenden Inflationserwartungen, dies wiederum zu einer Zinserhöhung, dann zu noch einer und noch mal einer. Und dann eventuell zu einem Kurssturz am Aktienmarkt, weil ab einem gewissen Grad höhere Zinsen eben einfach Gift sind für die Börse. „Three steps and a stumble“, nennen das die Amerikaner. Schön anschaulich.

Der erste Step scheint jedenfalls schon anzustehen, die Inflationserwartungen klettern schließlich nicht erst seit gestern. Sehr wahrscheinlich also, dass die US-Notenbank Fed im Dezember dann das erste Mal die Zinsen erhöhen wird. Die Trump-Rally, wenn man sie denn wirklich so nennen will, hätte also tatsächlich noch Zeit und Raum, sich zu entfalten.

Die Bewertungen am Aktienmarkt sind jedenfalls noch nicht aus dem Ruder gelaufen. Dazu kommt die bessere ...

Dienstag, 22. November 2016

Kommen und Gehen

Die Rally läuft. Seit der Wahl Donald Trumps geht es nach oben. Ob dieser Börsenaufschwung nachhaltig ist, wird man wohl erst im kommenden Jahr sehen. Anleger sollten wachsam bleiben.

Vielleicht muss man Jim Jarmuschs neuen Film „Paterson“ gesehen haben, um zu verstehen, was die USA der Jetztzeit ausmacht. Statt der üblichen, grell überzeichneten Bilder einer Nation, die auseinanderdriftet, die aggressiv wirkt, in der es scheinbar keine Zwischentöne mehr gibt, zeichnet Jarmusch ein anderes Bild, ein melancholischeres. Stellvertretend dafür steht Paterson in New Jersey, eine etwas heruntergekommene Kleinstadt, die ihre beste Zeit längst hinter sich hat. Die Textilindustrie hat diesen Ort und dessen Leben einst geprägt. Jetzt wird nur noch die Erinnerung daran gepflegt, und die Bewohner geben sich gezwungenermaßen mit viel weniger zufrieden.

Orte wie Paterson gibt es zuhauf in den USA, und sie erklären vielleicht zu einem gewissen Grad, warum Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Mit ihm verbindet man die Hoffnung auf ein Wiederaufleben von Städten wie Paterson in New Jersey. Ob zu Recht, sei einmal dahingestellt.

Die Politik wird es aber wohl versuchen. Zumindest wurde es angekündigt. Es soll sehr viel Geld in die Hand genommen werden, um die Konjunktur anzukurbeln. Weit mehr Geld, als einst Ronald Reagan in den 80er-Jahren aufgewendet hat. Und schon das waren fantastische Summen. Ob das gut gehen kann? Die Kurse an der Wall Street sind seit der Wahl jedenfalls schnell und steil gestiegen. Dow Jones, S & P 500 und Nasdaq Composite: Alle wichtigen US-Indizes notieren auf Rekordniveau. Das zeugt von Optimismus.

Man scheint an den Märkten alles hinzunehmen, auch wenn es eigentlich marktfeindlich klingt. In den Plänen für ...

Dienstag, 8. November 2016

Zurück zum Wesentlichen

Die USA haben gewählt. Höchste Zeit also, sich wieder auf das zu konzentrieren, was die Börse voranbringt: Fundamentaldaten! Und hier sieht es gar nicht mal so schlecht aus.

Ach ja, die US-Wahl. Die hat ja die Börsianer länger beschäftigt, als einem lieb sein kann. Je näher die Abstimmung rückte, desto nervöser die Anleger und desto negativer die Berichte in jenem Teil der Medienwelt, der sich mit dem Thema Geld beschäftigt. An der Wall Street war die Stimmung kurz vor der Wahl so mies, dass man im Jargon von einem deutlich überverkauften Zustand sprach. Vergleiche mit dem Börsengeschehen vor und nach dem Brexit machten die Runde — mit dem allerdings entscheidenden Unterschied, dass man vor der Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU positiv gestimmt war, um dann unangenehm überrascht zu werden.

Doch wie auch immer, die US-Wahl ist nun Geschichte (auch wenn das Ergebnis bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE noch nicht feststand). Und daher ist es an der Zeit, sich wieder mehr jenen Fakten zuzuwenden, die das Auf und Ab einer Börse in einem entwickelten Land wie den USA eigentlich mehr bestimmen sollten als politisches Getöse. Wir reden von fundamentalen Daten! Von ökonomischen Kennziffern, von Unternehmensergebnissen. Ist es denn wirklich gerechtfertigt dem „Restrisiko Trump“, so es denn eines ist, so ein Gewicht zu geben oder vielmehr gegeben zu haben?

Fundamentaldaten also. Ein Beispiel sind die Einkaufsmanagerindizes, die eigentlich immer ein ganz gutes Bild davon liefern, was in der näheren Zukunft wohl zu erwarten ist. Und das Schöne ist, dass diese vorlaufenden Indikatoren sowohl für die entwickelte Welt (hallo USA!) als auch für die Schwellenländer weiter nach ...

Dienstag, 1. November 2016

Geduld, Geduld, Geduld

Am 8. November wird in den USA gewählt. Endlich! Die Börse braucht Klarheit, um nachhaltig steigen zu können.

Manchmal kommt einem Unerwartetes dazwischen. So etwa vergangene Woche. Da standen die Dinge doch gar nicht mal so schlecht, auf dass die Jahresendrally endlich ihren Lauf nimmt — schon macht einem das FBI einen Strich durch die Rechnung, die Bundespolizei der Vereinigten Staaten also. Die nämlich unternimmt ganz eifrig neue Anstrengungen, um etwas mehr Licht ins Mail-Durcheinander der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu bringen. Und das so kurz vor der Wahl. Daraufhin purzelten deren Umfragewerte, und die Stimmung an der Börse kippte. Zusammenhänge gibt es!

Die Börse scheint demnach Clinton für die wohl verlässlichere Partie für das US-Präsidentenamt zu halten als ihren Widersacher Donald Trump. Doch wie auch immer. Rein aus Börsianersicht kann man froh sein, wenn der Termin demnächst abgehakt ist — an den Finanzmärkten braucht es eben dann doch eine gewisse Klarheit. In wenigen Tagen, am 8.  November, ist es ja so weit.

Letztlich hat es das FBI also geschafft, dass die US-Börse in diesem nervigen Seitwärtstrend auch weiterhin gefangen bleibt — wir haben es in den zurückliegenden Wochen ja oft genug beklagt. Schon seit Juli geht es weder ordentlich nach oben noch ordentlich nach unten. Doch es wird wohl bald einen klaren Richtungsentscheid geben. Stichwort: Wahl.

Um fair zu bleiben: Es war nicht nur das Gebaren des FBI, das für Unruhe an den Märkten gesorgt hat, sondern auch die Bewegung an den Anleihemärkten weltweit. Denn mit den Zinsen geht es nun schon seit einiger Zeit nach oben — natürlich in den USA, wo man ja auf die Leitzinswende wartet, aber auch in Großbritannien oder in Deutschland, wo dies nicht der Fall ist. Der Hauptgrund für die steigenden Renditen scheinen die tatsächlich steigenden Inflationserwartungen zu sein, also das, worauf die Notenbanken so sehnlichst gewartet haben.

Tendenziell und langfristig sind steigende Zinsen natürlich problematisch für die Entwicklung an den Aktienmärkten, die Vergangenheit hat dies immer wieder gezeigt. Allerdings, und auch das ...