Dienstag, 8. November 2016

Zurück zum Wesentlichen

Die USA haben gewählt. Höchste Zeit also, sich wieder auf das zu konzentrieren, was die Börse voranbringt: Fundamentaldaten! Und hier sieht es gar nicht mal so schlecht aus.

Ach ja, die US-Wahl. Die hat ja die Börsianer länger beschäftigt, als einem lieb sein kann. Je näher die Abstimmung rückte, desto nervöser die Anleger und desto negativer die Berichte in jenem Teil der Medienwelt, der sich mit dem Thema Geld beschäftigt. An der Wall Street war die Stimmung kurz vor der Wahl so mies, dass man im Jargon von einem deutlich überverkauften Zustand sprach. Vergleiche mit dem Börsengeschehen vor und nach dem Brexit machten die Runde — mit dem allerdings entscheidenden Unterschied, dass man vor der Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU positiv gestimmt war, um dann unangenehm überrascht zu werden.

Doch wie auch immer, die US-Wahl ist nun Geschichte (auch wenn das Ergebnis bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE noch nicht feststand). Und daher ist es an der Zeit, sich wieder mehr jenen Fakten zuzuwenden, die das Auf und Ab einer Börse in einem entwickelten Land wie den USA eigentlich mehr bestimmen sollten als politisches Getöse. Wir reden von fundamentalen Daten! Von ökonomischen Kennziffern, von Unternehmensergebnissen. Ist es denn wirklich gerechtfertigt dem „Restrisiko Trump“, so es denn eines ist, so ein Gewicht zu geben oder vielmehr gegeben zu haben?

Fundamentaldaten also. Ein Beispiel sind die Einkaufsmanagerindizes, die eigentlich immer ein ganz gutes Bild davon liefern, was in der näheren Zukunft wohl zu erwarten ist. Und das Schöne ist, dass diese vorlaufenden Indikatoren sowohl für die entwickelte Welt (hallo USA!) als auch für die Schwellenländer weiter nach ...
oben drehen. In China steht der Indikator beispielsweise so hoch wie seit März 2013 nicht mehr, in der Eurozone ist es der höchste Stand seit Juli 2013.

Demnach sieht es — bei aller Vorsicht — tatsächlich nach einem zyklischen Aufschwung aus. Man spricht in diesem Zusammenhang ja auch gern von einer „gesunden Reflationierung“, also dem Gegenteil der gefährlichen Deflationsspirale, welche die Welt in den zurückliegenden Jahren bedroht hat. Es gibt weitere Anzeichen dafür, dass es tatsächlich so eine Art Reflationierung gibt, ohne dass dies schon die Dimension einer — ebenso gefährlichen — massiven Geldentwertung annimmt. Ein Indikator hierfür sind beispielsweise die steigenden Rohstoffpreise. Gut zu sehen ist das gerade bei Industriemetallen wie Kupfer. Allerdings, und das ist wieder ein Malus, sind die Öl- und Gaspreise wegen Unsicherheiten um die OPEC-Politik zuletzt wieder gefallen. So ganz eindeutig sind die Signale also nicht.

Ein wichtiger Faktor in Sachen Rohstoffnachfrage ist natürlich China. Und neben dem schon erwähnten Einkaufsmangerindex gibt es weitere Aspekte, dass sich die Konjunktur dort zumindest vorübergehend bessert. Zuletzt ist etwa der Li-Keqiang-Index wieder gestiegen. Dieser Index rechnet Stromverbrauch sowie die Menge an Bahnfracht und die Summe an Bankkrediten in einer einzigen Kennziffer zusammen und war bislang immer ein recht guter Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Wenn es noch eines weiteren Beweises bedarf: In den Casinos der Glücksspielinsel Macau wird gezockt wie lange nicht.

Was bleibt also? Allein schon aus Saisonalitätsaspekten ist dies eine gute Jahreszeit für Aktien. Auch die globale Konjunkturentwicklung spricht für Aktienkäufe. Und schließlich ist der bremsende Faktor, das Dauerthema US-Wahl, ja nun auch endlich abgehakt.

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