Dienstag, 20. Dezember 2016

Gefühlte und echte Realitäten

Die Börsen steigen und steigen. Man kann das Jahresendrally nennen oder Trump-Rally. Wie man will. Oder auf ein paar Fakten verweisen, die dafür sprechen, dass der Anstieg noch Platz nach oben hat.

Es läuft. An der Börse in Frankfurt, in London, in New York. Weltweit. Und so richtig stoppen kann diese Börsenrally bislang nichts. Auch nicht die US-Notenbank Fed. Die ist nämlich immer noch zahm. Gut, zuletzt hat sie die Zinsen erhöht. Aber seien wir mal ehrlich: Das ist doch lediglich ein Zinswendchen. Mag ja sein, dass die Fed für 2017 statt zwei jetzt drei weitere Zinssteigerungen einplant. Aber mit Verlaub: Das ist doch nichts, was Aktionäre schrecken sollte.

Anfang des laufenden Jahres — wir erinnern uns — war noch von vier Zinsschritten allein 2016 die Rede. Viel Lärm um nichts, wie man jetzt weiß. Und dies lässt einen dann auch daran zweifeln, dass die jetzt angekündigten Maßnahmen im Jahr 2017 auch tatsächlich umgesetzt werden. Notenbankpolitik ist eben eine Politik des gesprochenen Wortes. Märkte werden mal rauf-, mal runtergeredet, je nachdem, ob Erwartungen gekühlt oder befeuert werden müssen.

Denn eines weiß die Fed ja auch: Grundsätzlich ist die Wirtschaftswelt mit vielen Risiken konfrontiert. Da muss man als Topnotenbank des Planeten vorsichtig sein. Wie heißt es so schön: Zinsschritte werden auch weiterhin „data dependent“ sein, konjunkturabhängig.

Es bleibt also immer noch bei der zweigeteilten Finanz- respektive Notenbankwelt. Während die Fed nun den — wenn auch sehr vorsichtigen — Zinserhöhungsmodus eingeschaltet hat, sind die Kollegen von der Europäischen Zentralbank EZB diesseits des Atlantiks immer noch mit dem Gegenteil beschäftigt.

Dies hat ja auch seine Gründe: Die im Vergleich ...

Dienstag, 13. Dezember 2016

Trau, schau, wem?

Die Börsen steigen. Das lockt zum Einstieg. Doch hat der Aufschwung tatsächlich Substanz? Sind Aktien nicht längst zu teuer? Der Versuch einer Standortbestimmung.

Optimismus wird an dieser Stelle ja schon seit einiger Zeit gepflegt, und die Kursentwicklung der zurückliegenden Wochen rechtfertigt diese Haltung durchaus. Gerade deswegen ist es aber nicht verkehrt, auch mal nach dem Haar in der Suppe zu suchen und nach möglichen Begebenheiten zu forschen, die diese Rally dann doch stoppen könnten. Schließlich ist nichts gefährlicher an der Börse, als nur die Argumente wiederzukäuen, welche die eigene Haltung stützen, und gegenteilige Meinungen zu ignorieren.

Blicken wir Richtung USA. Dort hat der Kursaufschwung schließlich seinen Anfang genommen. Zum einen steht parallel zum Erscheinen dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE eine Sitzung der US-Notenbank Fed an, bei der die Zinswende nun endlich auf den Weg gebracht werden sollte. Dennoch ist so ein Termin immer ein Unsicherheitsfaktor.

An der Börse wiederum ist interessant, dass so ziemlich alle Aktien steigen, egal welcher Branche oder welchem Index sie angehören. Dow Jones, S&P-500, Nasdaq oder auch der Nebenwerte-Index Russell 2000 — sie alle haben neue Höchststände erreicht. Dass dies derart synchron abläuft, das kommt selten vor. Wird wahllos gekauft? Ähnliches gilt ja auch für die Aktienmärkte in Europa, wo jüngst die Europäische Zentralbank mit der Verlängerung ihres Anleihekaufprogramms für eine gewisse Euphorie sorgte. Jedenfalls gab es ein solches synchrones Kauf-phänomen zuletzt 1999. Was auch -unangenehme Erinnerungen weckt — was ab März 2000 bis 2003 folgte, dürfte kaum ein Aktionär vergessen haben.

Aber vielleicht hinkt dieser Vergleich, schließlich liefen die Aktienmärkte — im Gegensatz zu den späten 90er-Jahren — in den zurückliegenden Monaten ja nur noch seitwärts, wenn auch unter großen Schwankungen. Vielleicht sollte man sich ...

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Amerika agiert, Europa reagiert

Italien steckt mal wieder in der politischen Krise. Den Börsianern scheint das aber egal zu sein. Es geht nach oben. Weil es in den USA läuft. Und weil man auf die EZB hofft.

Das ist eigentlich ein gutes Zeichen: Die „Abwahl“ der Regierung in Rom hat der Börse so rein gar nichts ausgemacht. Das zuletzt von manchen herbeigeredete Börsenbeben — es blieb aus. Was ja nicht selbstverständlich war: Nach dem Brexit-Entscheid hatte es ja noch richtig gerumpelt, nach dem Sieg Donald Trumps wenigstens noch ein wenig gewackelt. Und jetzt? No stress! Oder in Börsianersprache ausgedrückt: Vermutlich war die Ablehnung des Referendums nach der recht schwachen Börsenvorwoche bereits an den Märkten „eingepreist“.

Und sonst? Alle Augen auf Amerika! Der Dow Jones beispielsweise erreichte ein neues historisches Hoch. Als Kurstreiber wurde unter anderem der weiter steigende Ölpreis ausgemacht. Dazu kamen positive Nachrichten von einigen Konjunkturindikatoren, etwa aus dem Servicesektor. Der entsprechende Index des Institute for Supply Management (ISM) stieg auf den höchsten Stand seit gut einem Jahr.

Klar, dass in den USA angesichts der doch besser als erwarteten Wirtschaftsentwicklung die Zinspolitik der Notenbank Fed immer stärker in den Fokus rückt. Zwar sagte der US-Notenbanker William Dudley, dass die Wahl von Trump zum US-Präsidenten „eine politische Unsicherheit“ schaffe und es deshalb zu früh sei, um zu entscheiden, ob der Plan „gradueller Zinserhöhungen angepasst“ werden müsse. Dennoch ist wohl klar, dass es zu einem ersten Zinsschritt bei der anstehenden Fed-Sitzung am 14. Dezember kommen wird. Und auch der ist wohl bereits an den Märkten „eingepreist“.

Und die EZB? Wie geht es weiter in Europa? Die Europäische Notenbank tagt ja parallel zum Erscheinungstag dieser Ausgabe von BÖRSE ONLINE. Jedenfalls scheint es so, dass die fehlende Börsenreaktion auf das „Nein“ in Italien wohl auch damit zusammenhängt, dass man sich an den Märkten eine weiterhin sehr lockere Geldpolitik der EZB erhofft.

Ob sie das liefern kann? Bislang war das nicht so recht klar. Die Notenbank hat sich in den vergangenen Wochen verbal sehr stark zurückgehalten. Es gibt kaum Hinweise, wie man mit dem Anleihekaufprogramm fortfahren will. Ist ja auch nicht einfach: Strukturreformen können kaum umgesetzt werden — siehe das Beispiel Italien. Also hält man durch das Kaufprogramm den Zins überall künstlich niedrig. Weil gleichzeitig aber ...