Donnerstag, 26. Januar 2017

Vision und Realität

Geht die Rally ungebremst weiter? Die Wahl eines neuen US-Präsidenten ging schon in der Vergangenheit meist mit Kursgewinnen einher. Doch mit dem Amtsantritt wird es schwieriger.

Die Märkte sind sehr optimistisch in das neue Jahr gestartet — auch wenn es in den zurückliegenden Tagen beim Dow Jones und beim DAX dann eher seitwärts ging. Doch übergeordnet sieht es ja eher so aus: Egal ob Investoren, Analysten, Unternehmen oder Konsumenten — alle Welt erwartet in den kommenden Monaten einen so noch nie dagewesenen fiskalischen Stimulus. Und das obwohl die Weltwirtschaft ohnehin wächst — wenn auch langsam — und die Welt sich alles andere als in einer Rezession befindet.

An den Aktienmärkten rechnet man also mit einem starken Wachstumsschub. Begünstigt wird der noch, weil die Geldpolitik weiterhin locker ist, auch wenn die US-Notenbank beim Zinserhöhungszyklus bleiben will. Jedenfalls ist die Zuversicht in der Unternehmenswelt groß. Die Lenker der kleinen und mittleren Firmen in den USA beispielsweise sind so optimistisch wie seit 2004 nicht mehr. Sagenhaft. Diese Zuversicht zeigt sich ja auch bei den Gewinnerwartungen der amerikanischen Unternehmen. Die sind zuletzt nicht mehr nach unten korrigiert worden. Optimismus ohne Ende?

Das Problem ist: je größer die Erwartungen, desto größer die Gefahr, enttäuscht zu werden. Denn es gibt auch Widersprüche, was Wirtschaftsentwicklung und Konjunktur angeht. So passen die ...

Mittwoch, 18. Januar 2017

Reichlich Vorschusslorbeeren

Seit der US-Wahl haben Aktien deutlich zugelegt. Vor allem Finanzwerte. Das kommt nicht von ungefähr. Allerdings ist der Anstieg dann doch etwas zu schnell zu weit vorangeschritten.

Es ist so weit. Per 20. Januar ist Donald Trump nun ganz offiziell — Amtseid inklusive — Präsident der Vereinigten Staaten. Damit beginnt auch gleich die vermutlich spannendste Phase der Amtszeit. Denn während der ersten 100 Tage einer neuen Präsidentschaft werden traditionell die wichtigsten politischen Änderungen angestoßen. Weil die unter Trump besonders drastisch ausfallen könnten, dürften auch die Kursausschläge an den Aktienmärkten wieder intensiver werden. Mehr Volatilität also. Und mehr Rotation, was die Branchen angeht.

Zurzeit geht man an der Börse ja ganz offensichtlich davon aus, dass der neue Präsident mit seiner Politik die amerikanische Wirtschaft stimulieren könnte — was sich dann natürlich auch positiv auf Europa und die gesamte Weltwirtschaft auswirken dürfte. Ob es tatsächlich so kommt, bleibt allerdings abzuwarten. Trumps Äußerungen, die auf mehr Protektionismus hindeuten, werden derzeit jedenfalls noch weitgehend ignoriert.

Doch es wird mit ziemlicher Sicherheit Maßnahmen geben, die man als Aktionär bereits jetzt positiv bewerten kann, etwa die niedrigeren Steuersätze für Unternehmen und Privatpersonen. Viele Anleger hoffen auf eine „Trumpflation“, also eine durch Trumps Wirtschaftspolitik bewirkte Rückkehr der Inflation. Mit entsprechend positiver Wirkung auf die Börse.

Der Aktienmarkt hat dies mit viel Vorschusslorbeeren goutiert. Seit der US-Wahl hat der marktbreite S & P-500-Index beispielsweise um sechs Prozent zugelegt. Beim DAX ging es ähnlich nach oben. Das ist eine Menge. Und sollte daher auch zu Vorsicht mahnen — eine etwas kräftigere Konsolidierung ...

Mittwoch, 11. Januar 2017

Vom Ignorieren der Politik

Die Unsicherheiten des vergangenen Jahres sind längst nicht verarbeitet. Doch trotz aller Risiken gibt es auch etliche positive Aspekte, die hoffen lassen. Eine Übersicht.

Die Börsen sind prima ins neue Jahr gestartet. Der Dow Jones tendiert Richtung 20 000 Punkte, der DAX Richtung 12 000. Statistisch gesehen ist der per Saldo gute Start ein positives Omen für den weiteren Jahresverlauf.

Trotzdem sollten sich Anleger 2017 auf einen vermutlich ähnlich holprigen Verlauf einstellen, wie es im Vorjahr der Fall war. Denn die Themen, die in den zurückliegenden zwölf Monaten für Unsicherheit gesorgt haben, sind alles andere als erledigt. Die Konsequenzen des Brexit, die Folgen der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten oder auch die Auswirkungen des gescheiterten Verfassungsreferendums in Italien sind weitreichend, die Tragweite dieser Richtungsentscheide kaum abschätzbar.

Zugegeben sind dies alles politische Unsicherheiten, und an den Börsen tendiert man ja dazu, diese Themen irgendwann zu ignorieren. Ganz streichen von der Liste der Risiken sollte man sie als Anleger dennoch nicht. So ist beispielsweise die Menge der Faktoren, die mit dem Brexit zusammenhängen und die den Markt beeinflussen könnten, enorm. Zudem gibt es 2017 in Europa eine Reihe von Wahlen mit höchst unsicherem Ausgang. Und dann sind da noch die Unwägbarkeiten, was den künftigen Kurs der Notenbanken angeht und die Wirkung der bisherigen geldpolitischen Maßnahmen. Die sind deshalb nur schwer einzuschätzen, weil es schlicht an Erfahrungswerten aus der Vergangenheit fehlt.

Wer diese Risiken jedoch zu sehr betont, übersieht ...

Donnerstag, 5. Januar 2017

Zweifler versus Optimisten

Start ins neue Börsenjahr. Die Chancen für weitere Kursgewinne sind gut. Doch Anleger sollten die Risiken nicht verharmlosen – die steigenden Zinsen etwa oder die Weltpolitik. Ein Ausblick.

Wie geht’s nun weiter nach den zurückliegenden fulminanten Börsenwochen? Aufwärts, wie gehabt? Beim Dow Jones sind ja die 20 000 Punkte nicht mehr weit, und wenn der DAX so schnell weiterklettert wie bisher, dann geht es bald um die 12 000er-Marke. Doch gemach. Vielleicht ist das dann doch zu viel der Euphorie. „Es wird keiner mit großem Risiko in die ersten Januar-Wochen starten“, dämpft etwa Robert Halver von der Baader Bank die Erwartungen.

Also besser etwas Vorsicht jetzt? Ohnehin hat der DAX ja nun schon zum fünften Mal in Folge ein Börsenjahr mit Gewinn beendet. Nur während des Internet-booms Ende der 90er-Jahre und bis zum Beginn der Finanzkrise gab es so lange Serien mit Kurssteigerungen. Auch daher wäre vermutlich etwas Vorsicht angebracht. „Es dürfte im Januar eine Art Wettkampf zwischen Zweiflern und Optimisten geben, die den Kursanstieg einzuordnen versuchen“, erwartet etwa Konstantin Oldenburger vom Brokerhaus CMC Markets. Also seitwärts?

Der Wettkampf ums rechte Einordnen geht ziemlich schnell in die erste Runde. Schon am 6. Januar liefern neueste Zahlen zum US-Arbeitsmarkt Rückschlüsse, ob denn die US-Notenbank Fed die Zinsen 2017, wie zuletzt angedeutet, dreimal an-heben wird. Und diese Rückschlüsse dürften auch die Kurse bewegen.

Mittelfristig sieht es indes aber tatsächlich danach aus, als ob die Aktienmärkte weiter nach oben tendieren. Trotz aller Risiken und obwohl die Rally schon so lange läuft. Der Grund ist simpel: Um die Entwicklung der Weltwirtschaft steht es gar nicht so schlecht. So sind etwa die meisten Frühindikatoren positiv, die Rohstoffpreise ziehen leicht an, ebenso die Inflationserwartungen. Dazu kommen wachstumsfördernde Pläne etwa in den USA. Und schließlich sind die Erwartungen der Analysten, was die Unternehmensgewinne angeht, sowohl in Europa als auch in den USA eher moderat. Da sind also positive Überraschungen drin.

Insgesamt deutet dies darauf hin, dass die Geschwindigkeit des weltweiten Wachstums in den kommenden zwölf Monaten moderat zunimmt. Und genau dieser Mix ist gut ...