Mittwoch, 1. Februar 2017

Breakout oder Fakeout?

Rekorde an den internationalen Aktienmärkten. Viel Optimismus, aber auch Sorge, was die politische Großwetterlage angeht. Und dann gibt es ja noch diesen vermaledeiten Februar-Effekt.

Was machen wir denn jetzt damit, mit dieser Rally? Der Dow Jones hat, zumindest temporär, den Anstieg über die 20 000 Punkte geschafft — ein neues Allzeithoch für den US-Leitindex. Rekordstand auch beim marktbreiten S & P 500. In Europa, Japan und China stehen — oder standen — die Märkte ebenfalls so hoch wie lange nicht. Aber ist das jetzt tatsächlich ein „Breakout“, wie man an der Wall Street sagt? Oder eher ein „Fake-­out“? Haben wir es mit einem nachhaltigen Durchbruch zu tun, der die Indizes in neue Dimensionen trägt, oder setzte die Januar- Rally erst einmal ein Zwischenhoch, an das sich jetzt ein Seitwärts- oder vielleicht doch ein Abwärtstrend anschließt?

Langfristig stehen die Zeichen immer noch auf „pro Aktien“. Aber kurzfristig, da ist es knifflig. Auch weil es eben nicht nur um die inzwischen ja vielfach bemühte Trump-Rally geht, in Anlehnung an den 45. Präsidenten der USA. Der hangelt sich von Dekret zu Dekret, seit er im Amt ist, und tappt dabei durchaus in die eine oder andere Anfängerfalle oder auch in das eine oder andere Fett­näpfchen. Und trotzdem sind die Aktienkurse gestiegen. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen dafür, dass der Anstieg Substanz hat. Es zeigt nämlich nicht zuletzt, dass die Anleger ihren Fokus darauf richten, was für die Märkte wirklich entscheidend ist, und das sind die Aussichten für das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne.

Eine Studie der Deutschen Bank hat zuletzt ganz gut dargelegt, dass es in den zurückliegenden Monaten zahlreiche positive ...
Überraschungen gegeben hat, was die Entwicklung der Weltwirtschaft angeht. Genau das hat letztlich den Kursanstieg initiiert. Ebenso der Fakt, dass die Unternehmensergebnisse gut sind. Es ist ja wieder einmal Berichtssaison in den USA, und nachdem inzwischen gut ein Drittel der Firmen ihre neuesten Daten veröffentlicht haben, zeigt sich, dass die Zahl der positiven Überraschungen gegenüber dem Vorquartal deutlich zugenommen hat. Gleichzeitig sind die Ausblicke für die kommenden Quartalszahlen besser als erwartet. Auch das ein Grund für den Kursanstieg.

Etliche makroökonomische Indikatoren sind ebenfalls positiv, etwa das „Chemical Activity Barometer“, ein vorauslaufender Indikator für die US-Industrieproduktion. Ähnlich gut sieht es bei den Einkaufs­managerindizes in Europa und Asien aus. Ist es also ein Wunder, dass man an den Märkten plötzlich wieder risikobereiter ist?

An der Wall Street spricht man gar von einem möglichen Melt-up, einem Überschießen der Kurse. Ein Grund dafür könnte sein, dass immer noch viele Privat­anleger der Rally hinterherschauen und endlich Teil davon sein wollen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Privaten die Tendenz haben, Geld erst dann in die Aktienmärkte zu schaufeln, wenn es fast schon zu spät ist.

Da könnte also noch was gehen. Aber trotzdem ist es knifflig. Im ersten Jahr ­einer neuen US-Präsidentschaft war es nämlich bislang immer so, dass die Märkte im ­Februar eine Pause eingelegt haben. Außerdem signalisieren einige der kurzfristigen Marktindikatoren zu viel Euphorie, so etwa der Citigroup Economic Surprise Index. Und zu allem Überfluss hat auch noch das US-Börsenmagazin „Barron’s“ gerade einen Titel mit der gewagten Zeile „Dow 30 000“ veröffentlicht. So viel Optimismus ist üblicherweise ein Kontra­indikator, ein Signal für eine Korrektur. Es ist eben knifflig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen