Donnerstag, 16. Februar 2017

Stra­te­gisch gedacht

Das Börsenjahr hat gut begonnen. Doch jetzt kommt es darauf an, wie die Weichen gestellt werden in der Wirtschaftspolitik und beim Kurs der Notenbank Fed. Also: Augen auf.

Goldene Zeiten an der Börse. Zumindest kommt einem das so vor. Die Kurse ziehen stetig an, und die paar wenigen Korrekturen in den zurückliegenden Wochen waren alle nur kurzlebig. Mittelfristig scheint ja auch alles in Ordnung. Ein heftiger Abschwung an den Börsen wird für unwahrscheinlich gehalten. Denn dafür bräuchte es schon eine Rezession. Die Historie zeigt es ja: Mit Ausnahme des Crashs 1987 war zumindest in der jüngeren Vergangenheit ein Kursrutsch immer auch mit einer Rezession verbunden.

Eine solche ist natürlich auch jetzt im Bereich des Möglichen, immerhin hält der konjunkturelle Aufschwung schon überdurchschnittlich lange an. Aber es fehlt dann doch an wichtigen Voraussetzungen dafür: eine Überhitzung der Wirtschaft, allzu euphorische Stimmung an der Börse, überzogene Bewertungen, darauf folgende drastische Zinserhöhungen der Notenbanken, was wiederum einen Abschwung auslöst. Für so ein Übertreibungsszenario scheinen die Aktienkurse noch nicht hoch genug zu sein.

Aber wann sind sie das? Um das herauszufinden, wird man als Anleger in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder nach Übersee schielen müssen - auch wenn man nur in deutsche Aktien investiert. Denn die Kurse, werden in den USA gemacht, an der Wall Street, ob man das nun mag oder nicht.

Es kommt in diesem Jahr insbesondere darauf an, wie die Wirtschaftspolitik der US-Regierung denn nun tatsächlich ausfällt - Stichwort Steuerreform. Vor allem deswegen steigen nämlich die Kurse. Man erwartet Ungeheuerliches. Und es hängt ebenso entscheidend ...
davon ab, mit wem die inzwischen drei vakanten Positionen im Entscheidungsgremium der Notenbank Fed neu besetzt werden. Mit sogenannten Tauben, die weiterhin eher lax agieren, oder mit Falken, die deutlich drastischer die Zinswende angehen könnten, als man sich das aktuell vorstellen mag.

Zusammengefasst: Überzeugen die geplanten Wirtschaftsreformen und übertreibt die Fed nicht mit den Zinserhöhungen, dann können die Märkte zunächst weiterlaufen. Trotzdem gilt es aufzupassen, falls die Euphorie zu groß wird. So weit die mittelfristige Sicht der Dinge.

Kurzfristig indes scheinen die Märkte derzeit etwas "übergekauft", wie dies Markttechniker gern ausdrücken. Also Achtung. Außerdem sind der Februar und die ersten zwei März-Wochen im ersten Jahr einer neuen US-Präsidentschaft traditionell eher von schwächeren Kursen geprägt. Und dann ist da noch die Sache mit den Quartalsergebnissen. Wir haben es ja schon öfter geschrieben: Die gerade präsentierten Zahlen für das zurückliegende Schlussquartal 2016 waren gar nicht so schlecht. Allerdings ist der Ausblick vieler Unternehmen auf die kommenden Monate eher unterdurchschnittlich ausgefallen. Dazu kommt, dass die Ratingagentur Morningstar derzeit von "einer leichten Überbewertung" am Aktienmarkt spricht, und die Insider, also die Großinvestoren, tendenziell eher am Verkaufen sind als am Kaufen. Kurzfristig könnte also eine Korrektur anstehen.


Was also tun? Nicht verkehrt ist es, den Markt aus zwei Blickwinkeln zu betrachten. Mit den Augen eines längerfristigen Investors und mit denen eines Traders. Der Erstgenannte fährt weiterhin gut mit Aktien, hält seine Positionen. Der Letztere dagegen sollte in den kommenden Tagen und Wochen mit Long-Positionen eher etwas vorsichtiger sein. Auch wenn gerade alles so goldig erscheint.

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