Mittwoch, 29. März 2017

Hohe Erwartungen

Pause an der Börse. In den zurückliegenden Tagen kam es zu einer Korrektur an den Märkten. Und es wäre gut, wenn diese noch etwas anhalten würde. Es muss doch noch einiges verdaut werden.

Da hat sich doch tatsächlich die Tonlage an den Börsen geändert. Ein bisschen wenigstens. Bislang hatte man die weltweite Rally und den Optimismus zu einem guten Teil dem Bohei um die angekündigten US-Wirtschaftsreformen zu verdanken. Jetzt — und die News kommen erneut aus den USA — ist die Stimmung mit dem dortigen Scheitern der Gesundheitsreform plötzlich pessimistischer.

Zumindest ist das kurzfristig so. Eine Korrektur war an den Märkten ja ohnehin überfällig. Aber ob das ein Grund ist, das Ende der Rally auszurufen? Es sieht eigentlich nicht danach aus. Die Stimmung in der Unternehmenswelt ist nach wie vor positiv. In den USA wie auch in Europa. Ähnliches gilt für die Konsumenten diesseits und jenseits des Atlantiks. Jedoch sind die Erwartungen insgesamt doch recht hoch, vielleicht sogar zu hoch. Und genau das ist das Argument der Pessimisten: Das Potenzial für Enttäuschungen ist wegen der Erwartungshaltung immens. Es scheint daher klar: Nach dem Debakel mit der Gesundheitsreform liegt nun viel am Gelingen einer vernünftigen Steuerreform. Das sollte besser nicht schiefgehen.

Das Ganze sorgt natürlich für Unruhe an den Märkten. Trotzdem wäre es verkehrt, von einem Ende der Aktienrally auszugehen. Natürlich hat der Kursanstieg der zurückliegenden Monate viel mit der Trump-Euphorie um Deregulierung und Steuererleichterungen zu tun. Aber eben nicht nur. Die Konjunktur entwickelt sich nämlich weltweit recht positiv.

In China etwa. Ebenso in Europa — und das trotz Brexit, trotz Unsicherheiten um den Wahlausgang in Frankreich, trotz Querelen um Griechenland. Gut zu sehen ist das immer wieder am wichtigen Einkaufsmanagerindex, der von Monat zu Monat positiv überrascht. In Europa, in Asien, in den USA. Und weil dieser vorlaufende Indikator doch recht zuverlässig ist, wenn es um die Entwicklung der Weltwirtschaft geht, darf man weiterhin auf mittlere Sicht optimistisch bleiben. Dazu passt ja auch, dass sich die Unternehmensgewinne erfreulich entwickeln.

Ein weiterer Aspekt, der für Aktienkäufe spricht, ist der Umstand, dass die globale Zinspolitik ...

Dienstag, 21. März 2017

Tanklaster mit Nitroglycerin

Die US-Notenbank Fed hat die Zinsen erhöht. Gleichzeitig betont die Politik die Wichtigkeit des bedrohten Freihandels. An den Märkten reagiert man darauf recht gelassen. Warum das so ist.

Sie hat es also getan: Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins erhöht. Zum dritten Mal nach Dezember 2015 und Dezember 2016. Erneut ging es um  0,25 Punkte nach oben, womit der Zins nun bei einem Prozent notiert. Das vielleicht etwas Seltsame daran: Für Anleger fühlte sich die Aktion eher wie eine Zinssenkung an. Am Anleihemarkt gingen die Renditen nämlich runter, am Aktienmarkt ging es rauf. Alles gut also?

Schwarzseher hatten im Vorfeld ja schon die Apokalypse heraufziehen sehen. David Rosenberg etwa vom Thinktank Mauldin Econmics: „Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es 13 Zinserhöhungszyklen, und zehn davon haben zu einer Rezession geführt.“ Oder Bill Gross, der bekannte Fondsmanager, der meinte,  dass das hoch gehebelte Finanzsystem ein Tanklaster sei, der beladen mit Nitroglycerin eine abschüssige Straße hinunterfahre. Wer hat da jetzt recht? Die Gurus? Oder die Leute am Anleihemarkt? Alles gut oder alles Vorboten schlimmer Zeiten?

Beginnen wir mit dem Risiko. US-Zinserhöhungen gehören definitiv dazu. Jedoch sollte man unterscheiden. Das Analyseunternehmen Ned Davis hat herausgefunden, dass es einen Unterschied macht, ob das Tempo der Zinsschritte langsam oder hoch ausfällt. Wobei Letzteres besonders gefährlich ist für die Wirtschaftsentwicklung und den Börsenverlauf. Der aktuelle Erhöhungszyklus gehört jedoch zu den langsamen und ähnelt denen von 1946 und 1963. In beiden Fällen waren die Folgen für die Wirtschaft eher glimpflich. Und die Börse gab im Anschluss an den dritten Zinsschritt in der Spitze jeweils um zehn Prozent nach.

Andere Risikofaktoren sind die hohen Bewertungen, dazu die deutlich gestiegene Kauflust der Kleinanleger, eine gewisse Sorglosigkeit am Markt sowie der Anstieg der Inflation. Gerade Letzteres ist nicht ohne, denn die steigenden Inflationsraten sind inzwischen ein globales Phänomen. Trotzdem agieren die großen Notenbanken immer noch völlig asynchron. Das jedoch kann nicht ewig weitergehen, der Druck gerade auf die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan nimmt zu.

In Summe scheinen die Risikofaktoren aber beherrschbar. Ein Trigger, ein aktueller Auslöser für eine echte Bärenmarktphase, ist ...

Mittwoch, 15. März 2017

Mehr, immer mehr

Es scheint, als ob an den Börsen die Gier derzeit den Verstand überwiegt. Hohe Bewertungen werden ignoriert. Das muss Anlegern, die ein paar Grundregeln beherzigen, dennoch keine Sorgen machen.

Das ist ja schon eine tolle Sache: Die Börse hat so richtig Momentum. Sie läuft und läuft. Fast reibungslos. Nicht wie ein Perpetuum mobile. Aber vielleicht wie ein Elektromotor mit Schwungmasse, der ein ab und zu mal auftretendes Stottern einfach und fließend überwindet. Momentum eben. Und das macht es leicht, weil man als investierter Anleger eigentlich nur eins machen muss: laufen lassen. Und den Stoppkurs nachziehen, wenn man so ein Instrument überhaupt anwendet.

Momentum also. Das ist das Zauberwort. Der Begriff Bewertung dagegen, tja, der scheint zweitrangig. Gebraucht wird das Argument zwar gern, und zu Recht  kann man deswegen Zweifel an der Rally haben, doch gegen das Zauberwort Momentum kommt die Bewertung gerade einfach nicht an. Wir haben das in der vorangegangenen Ausgabe an dieser Stelle ja schon geschrieben: Die Bewertung ist recht hoch, sie scheint etwas gedehnt oder überdehnt. Aber so ist das eben an der Börse: In einer ausgeprägten Rally-Phase zieht der Faktor Bewertung einfach nicht recht. Auch wenn das manchen vielleicht ärgert, gilt derzeit anscheinend die simple Börsenregel: Teure Märkte können noch teurer werden. Und Kurse fallen nicht zwangsläufig, auch wenn schon sehr viele Investoren längst jede Menge Geld in den Markt gesteckt haben. An der Wall Street nennt man das einen „Crowded Long“. Aber: Die Bewertung liefert in einem solchen Marktumfeld immerhin eines — eine Kennzahl, die etwas über das Risiko aussagt. Und das nimmt zu.

Die Erwartungen an der Börse sind hoch. Nehmen wir den Faktor Politik: Allein die Tatsache, dass in den USA die Republikaner den Präsidenten und beide Kammern des Kongresses stellen, hat dafür gesorgt, dass „Animal Spirits“ (O-Ton „Wall Street Journal“) die Bewegungen an der Börse dominieren. Die Gier eben. Und die ist groß. Hier dagegenzuhalten und etwa auf fallende Kurse zu spekulieren, kann höchst gefährlich sein. Zumal ja trotz der Zinserhöhungstendenzen in den USA in anderen Regionen, namentlich in Europa und Japan, die Notenbanken auch weiterhin für frisches Geld sorgen und somit die Gier der Börsianer nicht wirklich bremsen.

Vielleicht sollte man als Anleger in der aktuellen Phase also anderen Indikatoren mehr Bedeutung schenken als den Bewertungen. Ein Blick auf ...

Donnerstag, 9. März 2017

Hipp, hipp, hurra

Aufwärts geht's. Ohne Zwischenstopp. Aber wie lange noch? Kurzfristig mahnt inzwischen einiges zur Vorsicht. Langfristig scheinen die Dinge noch in Ordnung zu sein. Jedoch mit einem Aber.

Das vielleicht meistbenutzte Attribut für die Börsenentwicklung der zurückliegenden Wochen war wohl der schöne Begriff "Allzeithoch". Zumindest für die Anleger, die investiert waren und sind, sei es im DAX, Dow Jones oder Nasdaq, oder auch an den Börsen in Fernost, in China etwa. Denn ein Rekord folgte auf den anderen. Vielleicht ist auch deswegen so langsam aber sicher Vorsicht angesagt. Kurzfristig jedenfalls. Denn was die Bewertung am Markt angeht, ebenso wie den Ausblick für die Zinsen, das Wirtschaftswachstum und die Börsenpsychologie, nehmen die Warnsignale nun doch zu.

Demgegenüber steht die politische Entwicklung - gerade die in Washington. Denn die wird anscheinend immer noch als positiv für die Börse eingeschätzt, zumal in einer neulich gemachten Umfrage gleich drei Viertel der US-Anleger angaben, dass sie den Faktor Politik als ausschlaggebend für die kommenden sechs Monate an der Börse sehen. Es scheint klar: Alles was da an Vorstößen kommt in Sachen Steuer-und Fiskalpolitik dürfte für ordentlich Volatilität am Markt sorgen.

Doch zu den Warnsignalen. Natürlich kann man trefflich streiten, was denn nun eine angemessene Bewertung ist und was nicht. Und es gibt viele Methoden, wie man sie messen kann. Etwa mit dem Fair-Value-Ansatz von Morningstar, der von aktuell vier Prozent Überbewertung ausgeht. In der Vergangenheit war es eigentlich immer so, dass ab diesem Stadium weitere Kursgewinne eher schwierig zu erreichen waren.

Ein weiterer Punkt für Vorsicht ist die Zinsentwicklung. Die in den USA jedenfalls, in Europa ist ja von einer Zinswende eigentlich so gar nichts zu sehen. Auffällig ist derweil, dass ...