Mittwoch, 19. April 2017

Allez les bleus!

Die Börsen haben den Seitwärtstrend noch einmal verlängert. Auch wegen der Frankreich-Wahl. Dennoch gibt es gute Gründe für wieder steigende Kurse. Aber gleichfalls Risikofaktoren.

Die Frankreich-Wahl steht an. Und die Tonalität hat sich verschärft. Kandidat Emmanuel Macron beispielsweise attackierte Deutschland wegen der jahrelangen Handelsüberschüsse. Untragbar sei das. Nun denn, das muss er wohl sagen, er will schließlich — wenn denn alles so kommt, wie derzeit prognostiziert — die ähnlich aussichtsreiche Gegenkandidatin  Marine Le Pen spätestens im zweiten Wahlgang am 7. Mai schlagen. Da müssen es halt auch mal markige Worte sein.

Denn wer weiß schon, wer das Rennen tatsächlich macht. Noch immer sind viele Wähler in Frankreich unentschlossen. Diese Unsicherheit, was den Ausgang der Wahl angeht, zeigt sich auch an den Märkten. Die europäischen Indizes, wie der Euro Stoxx, der DAX oder der französische CAC 40, halten sich zwar recht gut und tendieren eher seitwärts, dafür sind aber Optionen zur Absicherung gegen mögliche Verluste nach der Wahl zuletzt immens teuer geworden.

Dennoch hat die aktuelle Phase der Stagnation an den Börsen nicht nur mit politischen Gründen in den Ländern der Europäischen Union zu tun. Eine Korrektur ist schlicht nötig. Seit der Wahl des US-Präsidenten im November ist nicht nur die Wall Street extrem gut gelaufen — sondern auch die Börsen im Rest der Welt. Der Hauptgrund dafür ist die tatsächlich erstaunlich robuste Weltkonjunktur sowie — sozusagen als Sahnehäubchen — die Aussicht auf Deregulierung und Steuer-erleichterungen in den USA.

Denn die wichtigste Triebfeder für steigende Aktienkurse ist und bleibt die positive Entwicklung der Unternehmensgewinne. Dies zeigt sich derzeit in den USA, wo die Berichtssaison für das erste Quartal des Geschäftsjahrs begonnen hat. Zwar hat erst eine Handvoll Unternehmen Einblick in die Bücher gewährt, doch sowohl die Ertrags- wie auch die Umsatzentwicklung ist bisher überdurchschnittlich gut ausgefallen.

Vielleicht noch wichtiger: Die Prognosen für die künftige Geschäftsentwicklung werden im Schnitt weiter angehoben. Und das nicht nur in den Vereinigten Staaten. Laut einer Analyse der US-Bank JP Morgan ist dies ein weltweiter Trend. Besonders positiv tun sich dabei ...

Mittwoch, 12. April 2017

Lücken im System

Stillstand auf hohem Niveau. Sollte es das tatsächlich schon gewesen sein mit der Korrektur? Was dafür spricht, was dagegen – und was nötig ist, damit die Kurse wieder steigen.

Zuletzt war es ja so an der Börse, dass es eine Art Auseinanderdriften gab, eine Diskrepanz zwischen den recht hohen Erwartungen einerseits und den harten Fakten andererseits, die den Hoffnungen bisher nicht ganz gerecht wurden. Noch nicht zumindest. „Die Stimmungsindikatoren sind stark gestiegen, die harten Konjunkturdaten spiegeln dies aber nur unterproportional wider“, sagt etwa Alexander Krüger, Chefvolkswirt vom Bankhaus Lampe.

Nun ist es aber so, dass so eine Lücke irgendwann geschlossen werden muss, das ist klar. Und dafür gibt es letztlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder indem die harten Fakten, also die Wirtschaftsnachrichten und die Unternehmensergebnisse, den Erwartungen schlicht und einfach gerecht werden. Oder indem die Kurse nachgeben, weil man vielleicht doch etwas zu optimistisch war.

Eine Korrektur ist also eine der Möglichkeiten. Die gab es ja auch — wenn auch nicht besonders ausgeprägt. Womit nun die Frage im Raum steht: War es das schon? Hat dieses relativ kurze und moderate Seitwärtsgeschiebe ausgereicht, um den überhitzt wirkenden Markt abzukühlen? Und wenn dem so ist, geht es nun einfach weiter mit der Rally? Vielleicht wird aber auch nur abgewartet. Nach dem starken ersten Quartal sitzen die großen Anleger auf ordentlichen Gewinnpolstern, müssen also nicht unbedingt investieren.

Was dennoch für eine Fortsetzung der Rally spricht, ist der Fakt, dass die positiven Nachrichten und Indikatoren sich nicht nur auf die USA beschränken. Von wegen nur Trump-Rally. Oder nur auf Europa, weil da politisch und wirtschaftlich die Zeichen doch eher auf Kontinuität hindeuten — mal abgesehen von einem gewissen Restrisiko, was die Frankreich-Wahl angeht. Nein, insgesamt scheint der Aufschwung tatsächlich globaler Natur zu sein. Jeffrey Gundlach, Kapitalmarktstratege der Investmentfirma Double Line Capital spricht vom „most synchronized upturn“ seit Jahren. Überall drehe es nach oben, in den entwickelten Ländern genauso wie in den Schwellenmärkten. In den Vereinigten Staaten, in Europa, in Lateinamerika, in Asien. Die Gretchenfrage dürfte aber sein, ob und wie lange es bei diesem bisher so überraschend positiven Momentum bleibt.

So manch einer ist da ...

Mittwoch, 5. April 2017

Typisch gierige Anleger

In Spätphasen einer Börsenrally sind Übertreibungen durchaus normal. Kritisch wird es aber erst, wenn die gute Stimmung in Euphorie umschlägt. Eine Standortbestimmung.

Das fällt auf: An Europas Börsen ging es in den zurückliegenden Tagen nach einer Mini-Korrektur schnell wieder bergauf, DAX inklusive. Der kratzte ja zuletzt sogar am Allzeithoch. Die amerikanischen Märkte können indes nicht ganz Schritt halten. Auch der Nikkei in Japan nicht. Da ist die Korrektur viel ausgeprägter. Seltsam. Was soll man davon halten? Werden die Anleger in Europa langsam gierig? Sind das erste Warnzeichen?

Untypisch wäre eine gewisse Gier ja nicht für die derzeitige Phase des Börsenaufschwungs. Die Vergangenheit hat es schließlich immer wieder gezeigt: Gerade in den späten oder finalen Abschnitten einer langen Rally tendiert man an den Märkten zu Übertreibungen. Und dass die Rally fortgeschritten ist, dafür gibt es einige Indizien: Die Inflation zieht an, die Renditekurve ist recht flach, die Bewertungen an der Börse sind relativ hoch, und die Lust am gehebelten Investment nimmt zu. So etwas sieht man typischerweise und ausgeprägt am Ende einer Bullenphase.

Doch trotz dieser steigenden Risikobereitschaft und einer gewissen Gier ist es bislang noch nicht zu einer übertriebenen Euphorie gekommen. Und das ist wiederum positiv und deutet an, dass diese nun schon seit 2009 andauernde Rally wohl immer noch nicht zu Ende ist.

Dass die Gier zunimmt, ist natürlich trotzdem ein Warnsignal. Und statt einer Mini-Korrektur wie zuletzt sollten Anleger durchaus damit rechnen, dass es auch mal wieder um fünf oder gar zehn Prozent nach unten geht. Etwa, wenn es die US-Regierung nicht schaffen sollte, eine vernünftige Steuerreform unter Dach und Fach zu bringen. Dann wären die in froher Erwartung gestiegenen Kurse nicht zu rechtfertigen. Mittel- bis langfristig jedoch wird der Bullenmarkt nur dann tatsächlich ein Ende finden, wenn eine Rezession nicht mehr zu vermeiden ist. Und danach sieht es derzeit einfach nicht aus. Die wichtigen globalen makroökonomischen Indikatoren sind nach wie vor positiv, ebenso auch die Entwicklung der Unternehmensgewinne weltweit.

Trotzdem sollten Anleger ...