Mittwoch, 5. April 2017

Typisch gierige Anleger

In Spätphasen einer Börsenrally sind Übertreibungen durchaus normal. Kritisch wird es aber erst, wenn die gute Stimmung in Euphorie umschlägt. Eine Standortbestimmung.

Das fällt auf: An Europas Börsen ging es in den zurückliegenden Tagen nach einer Mini-Korrektur schnell wieder bergauf, DAX inklusive. Der kratzte ja zuletzt sogar am Allzeithoch. Die amerikanischen Märkte können indes nicht ganz Schritt halten. Auch der Nikkei in Japan nicht. Da ist die Korrektur viel ausgeprägter. Seltsam. Was soll man davon halten? Werden die Anleger in Europa langsam gierig? Sind das erste Warnzeichen?

Untypisch wäre eine gewisse Gier ja nicht für die derzeitige Phase des Börsenaufschwungs. Die Vergangenheit hat es schließlich immer wieder gezeigt: Gerade in den späten oder finalen Abschnitten einer langen Rally tendiert man an den Märkten zu Übertreibungen. Und dass die Rally fortgeschritten ist, dafür gibt es einige Indizien: Die Inflation zieht an, die Renditekurve ist recht flach, die Bewertungen an der Börse sind relativ hoch, und die Lust am gehebelten Investment nimmt zu. So etwas sieht man typischerweise und ausgeprägt am Ende einer Bullenphase.

Doch trotz dieser steigenden Risikobereitschaft und einer gewissen Gier ist es bislang noch nicht zu einer übertriebenen Euphorie gekommen. Und das ist wiederum positiv und deutet an, dass diese nun schon seit 2009 andauernde Rally wohl immer noch nicht zu Ende ist.

Dass die Gier zunimmt, ist natürlich trotzdem ein Warnsignal. Und statt einer Mini-Korrektur wie zuletzt sollten Anleger durchaus damit rechnen, dass es auch mal wieder um fünf oder gar zehn Prozent nach unten geht. Etwa, wenn es die US-Regierung nicht schaffen sollte, eine vernünftige Steuerreform unter Dach und Fach zu bringen. Dann wären die in froher Erwartung gestiegenen Kurse nicht zu rechtfertigen. Mittel- bis langfristig jedoch wird der Bullenmarkt nur dann tatsächlich ein Ende finden, wenn eine Rezession nicht mehr zu vermeiden ist. Und danach sieht es derzeit einfach nicht aus. Die wichtigen globalen makroökonomischen Indikatoren sind nach wie vor positiv, ebenso auch die Entwicklung der Unternehmensgewinne weltweit.

Trotzdem sollten Anleger ...
auf der Hut sein. Und die Notenbanken im Auge behalten. Von dort werden wohl die entscheidenden Signale kommen. Vermutlich nicht jetzt und auch nicht im Sommer, und wohl auch noch nicht im Herbst. Aber gegen Jahresende, da könnten die US-Zentralbank Fed, die EZB und die Bank of Japan deutlicher auf die geldpolitische Bremse treten als bisher. Dann ist die Fortsetzung der positiven Wirtschaftsentwicklung durchaus in Gefahr und damit auch der Börsenaufschwung.

Sollten die Aktionen der drei wichtigsten Notenbanken der Welt dann synchroner ablaufen als bislang, hat das große Auswirkungen auf die Märkte: Die Zinsen in Europa und den USA gleichen sich an, der Dollar kommt unter Druck, die Inflation in den USA nimmt zu. Dann sind Anlagen gefragt, die positiv mit steigender Geldentwertung korreliert sind, beispielsweise Rohstoffaktien. Andere Branchen dürften dagegen verlieren. Gefragt wären zudem wohl auch Gold und Schwellenländer-Aktien.

Aber das ist noch Zukunftsmusik. Die Chancen stehen gut, dass der laufende, breite und alle Branchen übergreifende Aufschwung noch nicht zu Ende ist. Sollte die Korrektur an den Märkten in den kommenden Wochen dann doch etwas massiver ausfallen als bisher — also auch an den europäischen Märkten —, dann sollte das noch mal eine gute Gelegenheit sein, Aktien nachzukaufen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen