Mittwoch, 31. Mai 2017

Neue Rekorde, alte Zweifel

Von wegen „Sell in May“. Auch im zurückliegenden Monat ging es an den Börsen nach oben. Und das, obwohl es neue alte Sorgen um das wichtigste Schwellenland China gibt.

Neue Rekorde in den USA: Nasdaq und S & P kletterten in den zurückliegenden Tagen auf neue Allzeithochs. Gut so. Dass der DAX etwas zurückblieb, lässt sich so gut verschmerzen. Ohnehin sieht es für die kommenden sechs bis zwölf Monate weiterhin gut aus für die Aktienmarktentwicklung — die Gewinne und Gewinnprognosen der Unternehmen in den USA wie auch in Europa sind weiterhin am Steigen. Und das ist ja die Essenz.

Trotzdem kam zuletzt etwas Unruhe auf. In Fernost. Die Ratingagentur Moody’s stufte nämlich die Kreditwürdigkeit Chinas herab. Das hatte es zuletzt 1989 gegeben! Das Ganze kam jedoch nicht ganz unerwartet, schließlich sind die Risiken im wichtigsten Schwellenmarkt der Welt deutlich gestiegen. Das Wachstum hat sich abgeschwächt, die Verschuldung steigt und steigt. Allerdings ist Letzteres nur bedingt problematisch, weil die Gläubiger der chinesischen Schulden überwiegend die Chinesen selbst sind. Wären es Ausländer, wäre die Lage deutlich komplexer. Und bedrohlicher.

Dennoch wird viel über eine „harte Landung“ der chinesischen Konjunktur debattiert und die dann verheerenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Doch vermutlich ist es genau andersherum: Erst wenn die mächtigste Wirtschaftsmacht der Welt, die USA, in eine Rezession rutscht, bekommt China wohl größere Probleme. Schon ein milder Abschwung in den USA könnte dann ausreichen, um die Handelsbilanz Chinas in Unordnung zu bringen und das ganze gehebelte Finanzierungsgebäude dahinter ebenso.

Dies bleibt indes ein Gedankenspiel. Denn von einer Rezession in den USA ist nichts zu sehen. Dennoch sollte man sich immer wieder Gedanken machen, wann und mit welcher Heftigkeit so ein Abschwungszenario eintreten könnte. Immerhin befinden sich die USA in einem Zinserhöhungszyklus. Käme es in der Folge dort also zu einer Rezession, träfe es neben China ...

Freitag, 26. Mai 2017

Tyson, Trump und was wichtig ist

Der Börsenaufschwung ist weiter robust. Doch wie lange noch? Vermutlich noch deutlich länger, als viele vermuten. Über Signale und Indikatoren, die die Richtung weisen.

Die Frage, wie lange diese Rally noch andauert, treibt uns an dieser Stelle ja schon länger um. Bislang war der Tenor: „Da geht schon noch was.“ Von kurzfristigen Konsolidierungen mal abgesehen. Und, um es vorwegzunehmen: Es bleibt bei dieser Einschätzung — im Großen und Ganzen besteht noch Luft nach oben. Trotzdem ist es nicht verkehrt, immer wieder die Parameter zu überprüfen, die uns irgendwann signalisieren werden, dass die Party vorüber ist. Und da gibt es so einiges zu checken!

Viele der wichtigen Daten haben ihren Ursprung in den USA — die Wall Street ist nun mal die Leitbörse. Wenn ein Bärenmarkt beim Dow Jones startet, wird sich der DAX dem sicher nicht entziehen können. Vier Bereiche gilt es also zu beachten: die Stimmung am Markt, technische Faktoren an der Börse, Signale vom Geld- und Kreditmarkt sowie generell die volkswirtschaftliche Entwicklung in den USA. Den Faktor Politik — Donald Trump — lassen wir mal beiseite.

Was den ersten Punkt, die Stimmung, angeht: Da darf man schon ein wenig mit den Augen rollen. Da macht etwa der einstige Boxchampion Mike Tyson Werbung für Trading-Accounts. „Fast, simple, safe“, so sein Slogan. Außerdem bieten immer mehr Emittenten stark gehebelte ETFs an. Bemerkenswert. Allerdings zeigen die Indikatoren insgesamt noch keine Euphorie an. Es scheint immer noch viel Cash nicht investiert zu sein. Die früher so oft zitierte Milchmädchenhausse findet also noch nicht statt. Punkt 1 auf der Checkliste ist also durchaus noch in Ordnung.

Der zweite Bereich sind die Bewegungen an der Börse selbst. In der Börsenhistorie war es ja immer so, dass bei nahendem Abschwung die „Marktbreite“ abnahm, also immer weniger Sektoren und Aktien neue Hochs erreichten. Gleichzeitig ...

Mittwoch, 17. Mai 2017

Alles in der Schwebe

Die Rally läuft und läuft. Zur Freude vieler. Aber auch zum Verdruss derjenigen, die viel Hoffnung auf eine deftige Korrektur gesetzt haben. Eine Geschichte mit vielen „Wenns“ und „Abers“.

Die Bären haben es so richtig schwer derzeit. Die Konsolidierungen sind kaum der Rede wert — bislang zumindest. Und auch die alte Börsenweisheit, dass man gefälligst im Mai zu verkaufen habe, hat (noch) nicht gegriffen. Dabei gäbe es doch so viele Argumente, die für fallende Kurse sprächen. Aber die scheinen nicht zu reichen für eine Trendwende.

Da ist beispielsweise der Fakt, dass die Börsenrally in die Jahre gekommen ist. Acht Jahre dauert sie schon an. Startdatum war der März 2009. Der DAX notierte damals bei 3670 Punkten, der S & P bei für manche satanisch anmutenden 666 Punkten. Aber wie es eben so ist: Eine Börsenrally stoppt nicht einfach nur, weil sie „gealtert“ ist. Da braucht es mehr. Etwa das Argument mit der Bewertung, was schon etwas mehr Sorgen macht. Das KGV ist überdurchschnittlich hoch, egal ob an Europas Börsen oder an den amerikanischen.

Und auch die Stimmung wird langsam etwas zu optimistisch. In den USA etwa kommen jede Menge gehebelte ETFs auf den Markt. Im Fernsehen laufen Werbefilmchen, die hoch riskante Börsengänge anpreisen. Wenn man so will, dann ist auch die Euphorie um Aktien wie Tesla vergleichbar mit dem Jahrtausendwende-Hype um Techstocks. Und ein letztes Argument für eine Trendwende: die Zinspolitik in den USA. Dort stehen schließlich weitere Zinserhöhungen an sowie Maßnahmen, um die Bilanzsumme der Notenbank Fed zu reduzieren.

Doch so einfach ist es dann doch nicht mit den schlauen Argumenten. Es reicht de facto nicht, dass Aktien teuer sind, um Kursverluste auszulösen. Dafür bedarf es schon eines ...

Mittwoch, 10. Mai 2017

Spaßvögel und Spaßbremsen

Bislang war es ein fulminantes Börsenjahr. Wichtige Ereignisse sind inzwischen abgehakt – etwa die Frankreich-Wahl. Da darf man dann schon mal ein wenig durchschnaufen. Der Ausblick.

Der Spruch ist so legendär wie der Name seines Urhebers lang: „Wir müssen den Leuten den Punsch wegnehmen, bevor die Party so richtiglosgeht“, sagte einst William McChesney Martin Jr. Der war in den 50er- und 60er-Jahren Chef der US-Notenbank Fed. Keiner hatte den Job länger inne als er: fast 20 Jahre. Gemeint hat er mit dem sprichwörtlichen Wegnehmen der „punch bowl“ die Zinspolitik der Notenbank. Der Zins müsse rechtzeitig erhöht werden, bevor die Konjunktur richtig Fahrt aufnimmt und überdreht. Oder um im Bild zu bleiben: Weg mit den alkoholischen Mischgetränken, bevor die Partygäste allzu übermütig werden.

Den undankbaren Job des Spielverderbers hat die US-Notenbank immer noch inne. Die potenzielle Spaßbremse heißt inzwischen Janet Yellen. Und die hat es wahrlich nicht leicht mit ihrer Aufgabe. Ihre jüngsten Kommentare jedoch sowie der Fakt, dass der US-Arbeitsmarkt nach einem durchwachsenen März im April richtig gut dastand, deuten aber darauf hin, dass die Fed im Juni wohl tatsächlich den Spaß ein wenig bremsen wird. Es steht eine weitere Zinserhöhung an. Insgesamt dürfte es dann für das Kalenderjahr auf drei Anhebungen hinauslaufen. Nun gut. Vermutlich verkraftbar für die Börse. Es entspräche dem Wegnehmen einiger Punschgläser. Kehraus ist anders.

Allerdings — und das wäre dann ein Problem — signalisieren einige Wirtschaftsindikatoren wie der Citigroup Economic Surprise Index nachlassendes Konjunkturwachstum. Und wir wissen ja: Sollten die USA schwächeln, dann wird auch Deutschland das mit Sicherheit tun. Wird die Fed also eventuell die Gläser zu früh wegnehmen? Wir hatten das ja schon einmal — kurz vor der Finanzkrise.

Und dann ist da noch etwas Wichtiges. Er mag ja ...