Freitag, 26. Mai 2017

Tyson, Trump und was wichtig ist

Der Börsenaufschwung ist weiter robust. Doch wie lange noch? Vermutlich noch deutlich länger, als viele vermuten. Über Signale und Indikatoren, die die Richtung weisen.

Die Frage, wie lange diese Rally noch andauert, treibt uns an dieser Stelle ja schon länger um. Bislang war der Tenor: „Da geht schon noch was.“ Von kurzfristigen Konsolidierungen mal abgesehen. Und, um es vorwegzunehmen: Es bleibt bei dieser Einschätzung — im Großen und Ganzen besteht noch Luft nach oben. Trotzdem ist es nicht verkehrt, immer wieder die Parameter zu überprüfen, die uns irgendwann signalisieren werden, dass die Party vorüber ist. Und da gibt es so einiges zu checken!

Viele der wichtigen Daten haben ihren Ursprung in den USA — die Wall Street ist nun mal die Leitbörse. Wenn ein Bärenmarkt beim Dow Jones startet, wird sich der DAX dem sicher nicht entziehen können. Vier Bereiche gilt es also zu beachten: die Stimmung am Markt, technische Faktoren an der Börse, Signale vom Geld- und Kreditmarkt sowie generell die volkswirtschaftliche Entwicklung in den USA. Den Faktor Politik — Donald Trump — lassen wir mal beiseite.

Was den ersten Punkt, die Stimmung, angeht: Da darf man schon ein wenig mit den Augen rollen. Da macht etwa der einstige Boxchampion Mike Tyson Werbung für Trading-Accounts. „Fast, simple, safe“, so sein Slogan. Außerdem bieten immer mehr Emittenten stark gehebelte ETFs an. Bemerkenswert. Allerdings zeigen die Indikatoren insgesamt noch keine Euphorie an. Es scheint immer noch viel Cash nicht investiert zu sein. Die früher so oft zitierte Milchmädchenhausse findet also noch nicht statt. Punkt 1 auf der Checkliste ist also durchaus noch in Ordnung.

Der zweite Bereich sind die Bewegungen an der Börse selbst. In der Börsenhistorie war es ja immer so, dass bei nahendem Abschwung die „Marktbreite“ abnahm, also immer weniger Sektoren und Aktien neue Hochs erreichten. Gleichzeitig ...
wurde umgeschichtet, von zyklischen Sektoren wie Technologie in defensive wie Versorger oder Minen. Davon ist zurzeit aber gar nichts zu sehen — allein ein Blick auf die Entwicklung des Nasdaq spricht Bände.

Einen weiteren technischen Aspekt liefert die Zinsstrukturkurve. Sollte sie flacher werden, dann ist höchste Vorsicht angesagt. Eine inverse Zinsstruktur mit niedrigeren Zinsen am langen Ende, nicht am kurzen, ist letztlich ein fast sicheres Signal für eine Rezession. Doch auch hier sieht im Moment noch alles ordentlich aus.

Punkt 3: Die Geld- und Kreditmärkte. Sollten die realen Zinsen, also die um die Inflationsrate bereinigten Zinsen, deutlich zulegen, dann könnte dies die Konjunktur abwürgen. Doch das ist ebenfalls noch nicht der Fall. Ein weiteres Warn­signal wären stark anziehende Zinsen im High-Yield-Bereich relativ zu den Zinsen im Top-Bonitätsbereich. Doch auch hier passt alles. Ähnliches gilt für die Verschuldung der privaten Haushalte, die sicher irgendwann Probleme bekommen, wenn die Zinsen deutlicher steigen sollten.

Und last, not least: die Entwicklung der Konjunktur. Auch hier läuft alles noch in die richtige Richtung — immer vorausgesetzt, die US-Notenbank übertreibt es nicht mit der Verknappung des Geldes. Die Frage, wie lange diese Rally noch andauert, mag demnach nicht mit einer exakten Terminierung beantwortet werden. Ein generelles „Da geht noch was“ ist aber weiter unser Credo. Für kurzfristig orientierte Trader ist es indes deutlich schwieriger — zumindest wenn man auf kräftige, überfällige Konsolidierungen setzt. Das haben wir ja schon vergangene Woche festgestellt.

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