Donnerstag, 29. Juni 2017

Sommer, Sonne, Sorgenfalten

Legt die Börse jetzt eine Pause ein? Ungewöhnlich wäre es in den Sommermonaten nicht. Und wie ist das mit den Notenbanken und der Konjunktur? Über Chancen und Risiken in der zweiten Jahreshälfte. 

Wie geht es nun weiter? Die starke Rally nach der US-Präsidentschaftswahl scheint ja gerade etwas abzuebben. Muss man sich also Sorgen machen? Sind das Zeichen einer beginnenden Trendwende? Um es vorwegzunehmen: vermutlich nicht. Zum einen ist eine moderatere Entwicklung in den Sommermonaten generell nichts Ungewöhnliches. Zum anderen ist es schlicht so, dass das zu erwartende Gewinnwachstum der Unternehmen die Kurse stützt.

Gut so. Allerdings sollte man in der zweiten Jahreshälfte vielleicht doch etwas vorsichtiger agieren. Ob zum Beispiel (alle) Techaktien einfach weiterlaufen wie bisher, scheint fraglich. Wenn es denn insgesamt weitergeht mit steigenden Notierungen, dürften sich die Kursgewinne etwas ausgeglichener sowohl auf Wachstums- als auch auf Substanztitel verteilen. Bei zyklischen Sektoren wären zudem frische Impulse für das weltweite Wirtschaftswachstum wichtig — gerade auch weil die globale Notenbankpolitik langsam, aber sicher die Geldflut eindämmt.

Doch auch was die Konjunktur angeht, sieht es gar nicht so schlecht aus. Zumindest wenn man auf die aktuellen Daten und Prognosen blickt. In Kerneuropa geht es aufwärts, und auch in den wichtigen Schwellenländern erholt sich die Wirtschaft — die jüngsten negativen politischen Ereignisse in Brasilien ändern daran gar nichts. Insgesamt ist es wohl so, dass die Steuersenkungen in den USA, das geringere politische Risiko in Europa und der Optimismus von Unternehmen und Konsumenten dazu beitragen, die globale Expansion zu unterstützen. Ein positives „Reflations-szenario“ nennt der geneigte Börsianer das Ganze dann.

Dem stehen aber auch einige Risiken gegenüber. In den USA ist angesichts der zahlreichen Kontroversen um Präsident Donald Trump nicht ganz klar, ob die Regierung das politische Durchsetzungsvermögen besitzt, die geplanten Steuerreformen tatsächlich umzusetzen. Ohne diesen Impuls jedoch könnten die Aktienmärkte Gegenwind bekommen...

Mittwoch, 21. Juni 2017

Stolperfallen ohne Wirkung

Schon wieder Rekorde an den Weltbörsen. Anleger freut’s, gleichzeitig nimmt aber dann doch auch die Anspannung zu. Über die Aussichten – kurzfristig, mittelfristig, langfristig.

An der Wall Street ist immer mal wieder von dem Diktum „Three Steps and a Stumble“ die Rede. Zu tun hat das mit der Notenbank Fed. Wenn die nämlich dreimal in Folge die Zinsen erhöht, sei ein Kursrutsch unvermeidlich. So die Börsenweisheit. Inzwischen hat aber die Notenbank ja gerade schon zum vierten Mal die Zinsen erhöht, und manch einer fragt sich da zu Recht, wo denn nun besagter „Stumble“ bliebe. Bisher war da nämlich nichts.

Und das, obwohl doch viele Kommentatoren schon seit Monaten immer wieder beklagen, dass die Fed vermutlich einen historischen Fehler begeht, weil die Zinserhöhungen viel zu spät kämen, so mitten hinein in die möglichen Anfänge einer Rezession. Vergleiche werden gezogen, etwa mit dem — lang ist’s her — Rezessionsjahr 1937. Oder mit dem Tun von Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet, der zwischen 2006 und 2008 die Zinsen drastisch erhöhte — zur Unzeit, wie wir wissen, kurz vor dem Beginn der Finanzkrise.

Ähnliche Sorgen hat man jetzt auch. Die Inflation scheint schon wieder rückläufig, und so einige makroökonomische Daten haben zuletzt auch nicht recht überzeugt. Trotzdem scheint die Fed ihr Ding durchzuziehen: rauf mit den Zinsen. Und das, obwohl vielleicht doch nicht alles so toll ist mit der Wirtschaftsentwicklung? Die Kurse steigen indes weiter — neue Rekorde beim DAX und beim Dow inklusive. Vom Stumble, vom Stolpern, ist weiter nichts zu sehen.

Vermutlich ist es schlicht so, dass in Summe die positiven Aspekte die negativen immer noch überwiegen. Zumindest kurzfristig. Außerdem sollte man sich von temporären Schwankungen der Indikatoren nicht kirre machen lassen. So wird beispielsweise in den USA ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent im zweiten Quartal erwartet. Das ist sehr überzeugend. Dazu kommt, dass die Unternehmensergebnisse im zurückliegenden Quartal überdurchschnittlich gut waren, ebenso der Ausblick auf die nahe Zukunft. Der Anstieg der Kurse kommt also nicht von ungefähr.

Mittelfristig ziehen indes einige dunkle Wolken am Horizont auf...

Dienstag, 13. Juni 2017

Sorgen? Welche Sorgen?

Es rumpelt überall. Politisch gesehen. An der Börse kümmert das bislang keinen. Warum auch? Ist doch alles „pretty in pink“. Oder doch nicht? Eine Übersicht, was gut läuft und was nicht.

Die Rally ist eindrucksvoll. Es läuft und läuft. Und warum denn auch nicht? Die guten Unternehmensgewinne stützen das Ganze schließlich. Dennoch gibt es das ein oder andere zu bemängeln: Alles Negative wird nämlich gerade schlicht und einfach ausgeblendet. Die politischen Unsicherheiten beispielsweise, in den USA wie in Europa — siehe Großbritannien, Frankreich und Italien. Hinzu kommt, dass Aktien inzwischen doch recht teuer geworden sind und parallel dazu die Anleger immer sorgloser — die Volatilität notiert inzwischen auf einem Zehnjahrestief. Das ist gefährlich.

Gleichzeitig ist die Liste der positiven Aspekte aber ebenfalls eindrucksvoll lang. Die gerade beendete Berichtssaison der Unternehmen mit zweistelligen Steigerungen der Gewinne war die beste seit 2011. Dann sind da die Frühindikatoren, die weiterhin für eine positive Konjunkturentwicklung sprechen. Und schließlich kommt dazu, dass das Realzinsniveau weiterhin negativ ist — Sparer verlieren also de facto Geld. Zinsanlagen sind damit mehr oder weniger uninteressant. Die Aktienmärkte, die eilen derweil von Hoch zu Hoch. Das Problem dabei: Die Kursanstiege waren zuletzt deutlich höher als die Gewinnzuwächse der Unternehmen. Daher die inzwischen teils sehr hohen Bewertungen.

Beim Kursanstieg galt dabei bislang die Grundregel: je risikoreicher das Investment, desto besser in diesem Jahr der Ertrag. Mit Bluechips waren bislang an die zehn Prozent drin, mit mittelgroßen Unternehmen im Schnitt etwa 15 Prozent, mit Technologie- und Schwellenländer-aktien schließlich round about 20 oder gar 25 Prozent. Zudem gibt es natürlich Ausreißer mit weit mehr Kursplus.

Dass allerdings in den zurückliegenden Tagen die Notierungen an der Techbörse Nasdaq teils heftig nachgelassen haben, lässt aufhorchen. Kommt da jetzt doch eine größere Korrektur? Denn klar ist: Die inzwischen doch sehr hohen Erwartungen der Anleger bergen großes Enttäuschungspotenzial. Für unangenehme Überraschungen ist nämlich schlicht kein Platz vorhanden. Die Relation von Chance zu Risiko, die hat sich dadurch deutlich verschlechtert.

Und um noch einmal zum Thema Volatilität zurückzukehren: Die Kursschwankungen an den Kapitalmärkten, speziell an den Aktienbörsen, sind schon seit Monaten extrem gering. Im Vergleich mit der Historie zu gering. Blickt man zurück, kam es seit 1975 pro Kalenderjahr im Schnitt zu ...

Mittwoch, 7. Juni 2017

Zinsen rauf, bitteschön

Neue Woche, neue Rekorde. Läuft die Börse langsam heiß? Die Warnsignale nehmn jedenfalls zu. Und trotzdem sieht es auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten weiterhin ganz gut aus.

Kommende Woche ist es also so weit: Am 13. und 14. Juni treffen sich die wichtigsten Mitglieder der US-Notenbank Fed. Es wird dann um eine weitere Leitzinserhöhung gehen. Und darum, ob und wie man die Bilanz der Notenbank schrumpft — die Fed hat ja seit der Finanzkrise massiv Wertpapiere gekauft, um die Konjunktur zu stützen.

Dabei scheint es fast schon ausgemacht, dass die Zinsen tatsächlich angehoben werden. Zumindest ist man sich unter den Kommentatoren da recht einig. Und das kommt nicht von ungefähr. Das beste Indiz für eine Erhöhung lieferten die Mitglieder der Notenbank schließlich selbst. Fasst man deren Aussagen der zurückliegenden Wochen zusammen, geht man bei der Fed von weiterhin guten Wachstumsperspektiven und von einer positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt aus. Das sollte eigentlich reichen, um den Zins um einen Viertelprozentpunkt anzuheben.

Ob dies die Börse dann etwas bremst? Bislang klettern die Indizes in diesem Jahr ja fast ohne Pause — und das sowohl in den USA wie auch in Europa und in Fernost. Ein Rekordhoch folgt auf das nächste. Offensichtlich scheint an den Aktienmärkten die Meinung vorzuherrschen, dass das — zumindest kurzfristig — mit den Zinserhöhungen schon nicht so schlimm werden wird. Es gibt ja auch gute Gründe für Optimismus: Die Unternehmensgewinne und die Prognosen klettern und auch das Sentiment stimmt. So sind die Insider, also die großen Finanzadressen und die Unternehmensvorstände selbst, weiterhin schön in Kauflaune.

Aber vielleicht ist das ja auch schon etwas zu viel des Frohsinns. Beispielhaft steht dafür etwa der bekannte amerikanische Value-Investor Jeremy Grantham. Der ist eigentlich für seine sachlichen Analysen bekannt, bemerkte aber gerade, dass die doch hohen Bewertungen am Aktienmarkt wohl auch deshalb so hoch seien, weil man es eben mit einer „neuen Ära“ zu tun habe. Eine Aussage, die irritiert und etwas an die Euphorie während der Internetjahre erinnert, als die ausufernden Kurse mit der Bemerkung „This time is different“ abgetan wurden.

Euphorie ist ja immer gefährlich für den Aktienmarkt. Und spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass am Anleihemarkt die Dinge etwas anders beurteilt werden als am Aktienmarkt. Vielleicht hat man hier einen etwas längerfristigen Blick? Oder wie erklärt sich, dass ...