Dienstag, 13. Juni 2017

Sorgen? Welche Sorgen?

Es rumpelt überall. Politisch gesehen. An der Börse kümmert das bislang keinen. Warum auch? Ist doch alles „pretty in pink“. Oder doch nicht? Eine Übersicht, was gut läuft und was nicht.

Die Rally ist eindrucksvoll. Es läuft und läuft. Und warum denn auch nicht? Die guten Unternehmensgewinne stützen das Ganze schließlich. Dennoch gibt es das ein oder andere zu bemängeln: Alles Negative wird nämlich gerade schlicht und einfach ausgeblendet. Die politischen Unsicherheiten beispielsweise, in den USA wie in Europa — siehe Großbritannien, Frankreich und Italien. Hinzu kommt, dass Aktien inzwischen doch recht teuer geworden sind und parallel dazu die Anleger immer sorgloser — die Volatilität notiert inzwischen auf einem Zehnjahrestief. Das ist gefährlich.

Gleichzeitig ist die Liste der positiven Aspekte aber ebenfalls eindrucksvoll lang. Die gerade beendete Berichtssaison der Unternehmen mit zweistelligen Steigerungen der Gewinne war die beste seit 2011. Dann sind da die Frühindikatoren, die weiterhin für eine positive Konjunkturentwicklung sprechen. Und schließlich kommt dazu, dass das Realzinsniveau weiterhin negativ ist — Sparer verlieren also de facto Geld. Zinsanlagen sind damit mehr oder weniger uninteressant. Die Aktienmärkte, die eilen derweil von Hoch zu Hoch. Das Problem dabei: Die Kursanstiege waren zuletzt deutlich höher als die Gewinnzuwächse der Unternehmen. Daher die inzwischen teils sehr hohen Bewertungen.

Beim Kursanstieg galt dabei bislang die Grundregel: je risikoreicher das Investment, desto besser in diesem Jahr der Ertrag. Mit Bluechips waren bislang an die zehn Prozent drin, mit mittelgroßen Unternehmen im Schnitt etwa 15 Prozent, mit Technologie- und Schwellenländer-aktien schließlich round about 20 oder gar 25 Prozent. Zudem gibt es natürlich Ausreißer mit weit mehr Kursplus.

Dass allerdings in den zurückliegenden Tagen die Notierungen an der Techbörse Nasdaq teils heftig nachgelassen haben, lässt aufhorchen. Kommt da jetzt doch eine größere Korrektur? Denn klar ist: Die inzwischen doch sehr hohen Erwartungen der Anleger bergen großes Enttäuschungspotenzial. Für unangenehme Überraschungen ist nämlich schlicht kein Platz vorhanden. Die Relation von Chance zu Risiko, die hat sich dadurch deutlich verschlechtert.

Und um noch einmal zum Thema Volatilität zurückzukehren: Die Kursschwankungen an den Kapitalmärkten, speziell an den Aktienbörsen, sind schon seit Monaten extrem gering. Im Vergleich mit der Historie zu gering. Blickt man zurück, kam es seit 1975 pro Kalenderjahr im Schnitt zu ...

Mittwoch, 7. Juni 2017

Zinsen rauf, bitteschön

Neue Woche, neue Rekorde. Läuft die Börse langsam heiß? Die Warnsignale nehmn jedenfalls zu. Und trotzdem sieht es auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten weiterhin ganz gut aus.

Kommende Woche ist es also so weit: Am 13. und 14. Juni treffen sich die wichtigsten Mitglieder der US-Notenbank Fed. Es wird dann um eine weitere Leitzinserhöhung gehen. Und darum, ob und wie man die Bilanz der Notenbank schrumpft — die Fed hat ja seit der Finanzkrise massiv Wertpapiere gekauft, um die Konjunktur zu stützen.

Dabei scheint es fast schon ausgemacht, dass die Zinsen tatsächlich angehoben werden. Zumindest ist man sich unter den Kommentatoren da recht einig. Und das kommt nicht von ungefähr. Das beste Indiz für eine Erhöhung lieferten die Mitglieder der Notenbank schließlich selbst. Fasst man deren Aussagen der zurückliegenden Wochen zusammen, geht man bei der Fed von weiterhin guten Wachstumsperspektiven und von einer positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt aus. Das sollte eigentlich reichen, um den Zins um einen Viertelprozentpunkt anzuheben.

Ob dies die Börse dann etwas bremst? Bislang klettern die Indizes in diesem Jahr ja fast ohne Pause — und das sowohl in den USA wie auch in Europa und in Fernost. Ein Rekordhoch folgt auf das nächste. Offensichtlich scheint an den Aktienmärkten die Meinung vorzuherrschen, dass das — zumindest kurzfristig — mit den Zinserhöhungen schon nicht so schlimm werden wird. Es gibt ja auch gute Gründe für Optimismus: Die Unternehmensgewinne und die Prognosen klettern und auch das Sentiment stimmt. So sind die Insider, also die großen Finanzadressen und die Unternehmensvorstände selbst, weiterhin schön in Kauflaune.

Aber vielleicht ist das ja auch schon etwas zu viel des Frohsinns. Beispielhaft steht dafür etwa der bekannte amerikanische Value-Investor Jeremy Grantham. Der ist eigentlich für seine sachlichen Analysen bekannt, bemerkte aber gerade, dass die doch hohen Bewertungen am Aktienmarkt wohl auch deshalb so hoch seien, weil man es eben mit einer „neuen Ära“ zu tun habe. Eine Aussage, die irritiert und etwas an die Euphorie während der Internetjahre erinnert, als die ausufernden Kurse mit der Bemerkung „This time is different“ abgetan wurden.

Euphorie ist ja immer gefährlich für den Aktienmarkt. Und spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass am Anleihemarkt die Dinge etwas anders beurteilt werden als am Aktienmarkt. Vielleicht hat man hier einen etwas längerfristigen Blick? Oder wie erklärt sich, dass ...