Mittwoch, 26. Juli 2017

Synchronschwimmen mit dem IWF

Dem Internationalen Währungsfonds gelingt das Kunststück, die US-Prognose zu reduzieren und gleichzeitig über einen nie da gewesenen globalen Aufschwung zu jubilieren. Wie das zusammenpasst.

Eigentlich läuft es ja, oder nicht? Die Konjunktur zieht weltweit an. So vermeldete es gerade eben der Internationale Währungsfonds (IWF). Jedoch mit einer — nicht ganz unwichtigen — Einschränkung: Für zwei große Player trübt sich die Prognose nämlich ein. Für Großbritannien und die USA schraubt der IWF seine Erwartungen zurück.

Das ist jetzt nicht ganz banal, geht es hier doch im letzteren Fall um die bedeutendste Wirtschaftsmacht des Globus, und im ersten Fall — na ja — immerhin um einen der G 7-Staaten. Doch zunächst zu den USA: Die Entwicklung von Staatsausgaben und Steuereinnahmen in den Vereinigten Staaten sei derzeit „unsicher“, so der IWF. Die von Präsident Donald Trump angekündigten Steuerreformen und höhere Investitionen in die Infrastruktur sind immer noch in der Schwebe. Nichts Genaues weiß man nicht. Das sorgt für eine gewisse Ernüchterung. Für 2017 und 2018 erwartet der IWF nun ein US-Wirtschaftswachstum von jeweils „nur noch“ 2,1 Prozent. Im April war man noch von 2,3 respektive 2,5 Prozent ausgegangen. Das ist schon ein Unterschied.

Das vielleicht Erstaunlichste daran: Die New Yorker Börse lässt die Einschätzung des IWF bislang kalt. Der Dow Jones ist — wenn auch etwas wacklig — weiter in einem Aufwärtstrend, und der Nasdaq Composite schaffte im Wochenverlauf sogar ein neues Rekordhoch.

Dass sich die Börse so wacker hält, liegt vermutlich an der insgesamt recht gut verlaufenden Berichtssaison. Bisher die haben Unternehmen die Erwartungen nämlich übertroffen. Und zwar deutlich: Zu 68 Prozent wurden die Gewinnerwartungen geschlagen, die Umsatzerwartungen zu 75 Prozent und beides zugleich zu 53 Prozent. Das ist die beste Quote seit ...
fünf Jahren! Allerdings — und das stimmt nun doch etwas nachdenklich — sind die Ausblicke auf das kommende Quartal bislang vorsichtiger ausgefallen als angenommen. Dies passt ja durchaus zu der nicht mehr so optimistischen IWF-Prognose.

Dass die New Yorker Börse dennoch nicht so recht korrigiert und stattdessen in Europa die Kurse fallen, mag den einen oder anderen erstaunen. Der DAX liegt inzwischen schon einige Hundert Punkte vom Allzeithoch entfernt, Ähnliches gilt für den Euro Stoxx. Vermutlich hat das auch mit den Unsicherheiten um den Brexit zu tun, selbst wenn man es als Börsianer eigentlich nicht mehr hören mag. Außerdem gibt es ja noch neuen Ärger in der Autobranche. Jedenfalls soll Großbritannien nach IWF-Analysen in diesem Jahr mit 1,7 Prozent um 0,3 Punkte weniger wachsen als noch im April erwartet. 2018 sollen es dann 1,5 Prozent sein. Gleichzeitig aber verbessert sich der Ausblick vieler europäischer Länder deutlich. Summa summarum hört sich das doch eigentlich gar nicht so schlecht an.

Es verwundert also nicht, dass der IWF trotz der US- und UK-Probleme für die kommenden Monate vom größten globalen Aufschwung seit Langem spricht. „Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass der Weltwirtschaft der breiteste synchrone Aufschwung des Jahrzehnts bevorsteht“, heißt es in dem zweimal jährlich erscheinenden „World Economic Outlook“. 2017 soll es um 3,5 Prozent nach oben gehen, 2018 um 3,6 Prozent. Mit einem Aber jedoch: Größtes Risiko für diese Entwicklung sind die steigenden Zinsen in den USA. Geht es da zu schnell nach oben, könnte dies die Rally ausbremsen. Ganz einfach. Als Aktionär sollte man also schön wachsam bleiben.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen