Mittwoch, 23. August 2017

Ganz genau hingeschaut

Die kommenden Wochen werden nicht leicht an der Börse. Es sieht tendenziell nach fallenden Kursen aus. Das dürften dann aber noch einmal Kaufgelegenheiten sein. Warum das so ist. 

Gundsätzlich sollte man sich ja angewöhnen, das Auf und Ab an der Börse aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Zum einen aus der Sicht eines Langfristinvestors, und zum anderen  mit dem Blick eines eher kurzfristig orientierten Spekulanten — das ist das Mindeste. Meist lohnt sich zudem eine mittelfristige Betrachtung der Dinge. Einfacher geht es nicht. Sonst wird das mit dem Anlegen konfus, man lässt sich vom obligatorischen täglichen Getöse an den Märkten kirre machen und begeht Fehler.

Daher zunächst mal eine aktuelle — und höchst subjektive — Einordnung: Langfristig läuft die Rally aus, und es ist nicht verkehrt, das Depot langsam aber sicher vorsichtiger aufzustellen. Mittelfristig scheint indes das Top an den Börsen noch nicht erreicht zu sein — bis Jahresende könnte noch was gehen. Kurzfristig jedoch sieht es nach einer etwas länger anhaltenden Korrektur aus. So die Lage in Kürze. Drei Blickwinkel in einem einzigen Absatz. Da kann es an der Börse lärmen, wie es will. Ablenken wird uns das nicht.

Nun ist die Börse aber kein Wunschkonzert, und oft hält sie sich ja auch nicht an solche Fahrpläne. Allerdings gibt es doch ganz gute Gründe für das beschriebene Dreiblickwinkelszenario.

Kurzfristig — erster Blickwinkel — sieht es aus folgenden Gründen weiterhin nach Korrekturbedarf aus: Zum einen spricht die Saisonalität dafür, Ende August bis Oktober sind oft schlechte Zeiten an der Börse. Dazu können politische Gründe für Unruhe sorgen, etwa die anstehenden Debatten um die US-Schuldengrenze. Und letztlich zeigen etliche Indikatoren wie Volatilität und Marktbreite an, dass die schon begonnene Korrektur noch unfertig ist — wir haben das ja schon vergangene Woche geschrieben.

Sollten die Kurse also in den kommenden Wochen weiter nachgeben, dann ist dies — und das ist die gute Nachricht — noch einmal ...

Donnerstag, 17. August 2017

Einmal ordentlich durchgeschnauft

Es wackelt an den Börsen. Und man fragt sich, ob auf die Korrektur gleich eine weitere folgen wird. Es spricht einiges dafür. Aber dennoch sollte man als Anleger auch nicht allzu nervös sein.

Also erst mal Luft holen. In den zurückliegenden Tagen ist ja dann doch etwas Unruhe aufgekommen, vor allem weil zwischen den USA und Nordkorea — rhetorisch — scharf geschossen wurde. Man denke etwa an die von -Donald Trump verwendeten Begriffe „fire and fury“. Allerdings war das wohl eine eher spontane Aussage des US-Präsidenten, und hinterher hatte sein Gefolge viel Arbeit damit, das Ganze zu relativieren.

Trotzdem fielen zunächst die Kurse. DAX und Euro Stoxx gaben ordentlich nach. Und an der Börse New York begann  zum ersten Mal seit Langem so etwas wie eine Korrektur. Ähnlich ging es in Fernost zu. In Südkorea beispielsweise rutschte der Kospi-Aktienindex recht deutlich ab, und auch die Landeswährung Won verlor an Wert. Das ist bemerkenswert, weil in der Vergangenheit die verbalen Attacken aus oder wegen Pjöngjang bei den Nachbarn in Seoul eher ignoriert wurden. Jetzt also wurde verkauft. Geparkt wurde das Geld derweil in Gold und Schweizer Franken.

Aber erst mal Luft holen. Den harten, teils irrationalen Worten werden wohl kaum Taten folgen. Zum einen dürfte vor allem China daran gelegen sein, dass es ruhig bleibt in der Region. Zudem scheint die neue Regierung Südkoreas einen besseren Draht zum Nachbarn zu haben, als das bislang der Fall war. In militärischer Alarmbereitschaft ist man in Seoul ohnehin nicht, und auch seitens der USA gibt es keine nennenswerten Verschiebungen der Seekräfte in der Region — trotz angedrohtem „Feuer und Wut“.

Also alles schon wieder gut? Sollte man jetzt schon wieder Aktien kaufen? Vermutlich ...

Mittwoch, 9. August 2017

Zwischen Gier und Sorglosigkeit

Vor allem an den US-Börsen läuft es wie geschmiert. Das lockt immer mehr Anleger an. Auch solche, die das Risiko nicht richtig einschätzen können. Das sollte man im Hinterkopf behalten.

Wie heißt es in der Börsianersprache so schön? „Ein Tief ist ein Ereignis, ein Hoch dagegen eine Entwicklung.“ Oder etwas genauer gesagt: Ein Tiefpunkt wird am Aktienmarkt dann erreicht, wenn so richtig Panik einsetzt. Im Gegensatz dazu formt sich ein Top oft über längere Zeit, wenn eine ganze Menge an Zutaten zusammentreffen. So was kann dauern und ist auch weitaus schwieriger auszumachen als ein Paniktief.

Über die zurückliegenden Wochen war der Grundtenor an dieser Stelle, dass das Top vermutlich noch nicht erreicht wurde. Bei dieser Einschätzung bleibt es zunächst auch. Allerdings läuft die Rally wohl doch so langsam, aber sicher aus. Die eine oder andere Zutat stimmt nämlich nachdenklich.

So scheint sich am Markt doch so etwas wie Sorglosigkeit breitzumachen. Aus den USA etwa wird berichtet, dass es Anfragen bei Brokern gäbe, ob es denn nicht eine tolle Idee sei, Geld im Dow oder S&P zu „parken“ — da die Kurse ja anscheinend nie fielen. Aktien als Festgeld! Sensationelle Idee.

Gleichzeitig feiern die Discount- und Onlinebroker immer neue Rekorde, was die Zahl neu eröffneter Konten angeht. Was vielleicht auch daran liegt, dass Unternehmen wie E-Trade Depots mit Videospots bewerben, deren Ästhetik sich in „Gier ist geil“-Aussagen erschöpft (wer will, kann das bei Youtube bewundern).

Mark Hulbert vom Börsenbeobachter „Money Watch“ fasst diese Euphorie mit dem schönen Begriff ...

Donnerstag, 3. August 2017

Da rotiert doch was

Der DAX hat korrigiert. Der Dow Jones läuft und läuft. Auch weil plötzlich Branchen gefragt sind, die bisher nur Nebenrollen spielten – Energie etwa und Grundstoffe. Das ist ein Warnsignal.

Es ist mal wieder an der Zeit, eine Börsenweisheit anzubringen. Etwa die hier: „No one rings a bell at the top“, heißt es so schön an der Wall Street. Frei übersetzt: „Zum Ausstieg wird nicht geläutet.“ Demnach wäre es also so, dass nicht eindeutig feststellbar ist, wann die Börse den Zenit erreicht hat und eine signifikante Korrektur beginnt.

Das mag so sein, allerdings lehrt die Erfahrung, es gibt doch Hinweise dafür, dass — um im Bild zu bleiben — gerade jemand dabei ist, die Treppen des Glockenturms zu erklimmen. Hinweise wohlgemerkt. Was ist schon hundertprozentig sicher an der Börse?

Zu diesen Hinweisen, die in der Vergangenheit immer ganz gut funktioniert haben, gehört das Phänomen der Branchenrotation. Es ist eigentlich ganz einfach: Jede Phase eines Börsenaufschwungs hat so seine Favoriten, also Aktien, die tendenziell besser laufen als der Rest. Gegen Ende eines Börsenaufschwungs sind es meist Sektoren, die den Ruf genießen, vor Inflation zu schützen. Als da wären Energie, Metalle, Minen und Unternehmen aus der Grundstoffindustrie. Viele davon finden sich im Dow Jones. Erklärt wird die Rotation damit, dass zum Ende einer Rally meist die Zinsen steigen und damit einhergehend eben auch die Inflationserwartungen.

Aktuell ist es so, dass die besagten Spätphasensektoren zumindest teilweise die Führungsrolle übernehmen. Das Beispiel USA zeigt das recht anschaulich. Der Bereich Metals and Mining legt seit Mitte Juni stärker zu als der marktbreite S & P-Index. Das sind Aktien wie AK Steel oder auch Alcoa. Dazu passt, dass an den Rohstoffbörsen auch die Industriemetalle im Preis zulegen. Insgesamt hat der Sektor seine Bodenbildung fast abgeschlossen.

Nicht ganz so weit sind Energie-Aktien, etwa Exxon, Chevron oder Schlumberger, um ein paar Beispiele zu nennen. Die laufen zwar seit Anfang Juli auch besser als der Gesamtmarkt. Weil sie allerdings in den Monaten davor relativ gesehen ordentlich Federn lassen mussten, kann man noch nicht wirklich von einer Trendwende sprechen. Ähnliches gilt für die Entwicklung des Ölpreises. Und um es abzuschließen, ist beim Gold ...