Dienstag, 5. September 2017

Schwieriger geht’s nimmer

Die Börsen halten sich eigentlich gut. Trotz zahlreicher Unsicherheitsfaktoren. Dabei stehen in den kommenden Wochen viele richtungsweisende Entscheidungen an. Da ist es gut, einen Plan zu haben.

Bye, bye August — hello September! Herzlich willkommen im wirklich schwierigsten aller Börsenmonate. Das ist wirklich so. Im Schnitt ist da wenig zu holen am Aktienmarkt. Allerdings hilft es, ein wenig zu differenzieren: Wenn die Börsen nämlich über dem 200-Tagesschnitt notieren — wie in diesem Jahr —, war es bislang immerhin in jedem zweiten Jahr so, dass der September sogar ein Plus brachte. Aber in Summe — da ist das meistens nix mit dem verflixten September.

Warum das so ist? Man kann nur spekulieren. Vielleicht weil das dritte Quartal bei den Unternehmensergebnissen ansteht und die Weichen gestellt werden, ob es insgesamt ein gutes oder schlechtes Jahr wird? Vielleicht auch weil viele Trader und Börsianer aus dem Sommerurlaub zurück sind und die Depots einer Art Spätsommerputz unterziehen? Schwer zu sagen. Klar ist aber, dass in diesem ganz speziellen September des Jahres 2017 eine Reihe von Unsicherheiten auf die Börsianer warten.

Da gibt es etwa politische Faktoren, die nur schwer einzuschätzen sind, etwa die Debatte um die US--Verschuldungsgrenze und die angekündigten Steuer-reformen in den USA. Dazu kommen die unsäglichen Vorgänge rund um Nordkorea. Und last but not least ist nicht richtig klar, wohin insbesondere die amerikanische Notenbank steuert.

Dass dies allerdings nun nicht zwangsläufig zu einem Kursrutsch ...
führen muss, ist auch klar. Zum einen sind die erwähnten Sorgen nicht neu, zum anderen heißt es ja nicht umsonst, dass ein Markt buchstäblich „eine Sorgenwand“ erklimmen könne. Oder wie man an der Wall Street sagt: die „Wall of Worry“. So nach dem Motto: Wenn sich alle Sorgen machen, wer soll dann bitteschön noch verkaufen?!

Vielleicht muss man ja schlicht abwarten, was beim kommenden Treffen der amerikanischen Notenbanker am 19. und 20. September herauskommt. Erwartet wird, dass ab dann die Währungshüter beginnen, den Markt langsam auf monetären Entzug zu setzen. „Quantitative Tightening“ stünde dann an anstelle des nun jahrelang praktizierten „Quantitative Easing“. Oder anders formuliert: Es wäre  Schluss mit dem Aufkauf von Anleihen. Was den Leitzins angeht, dürfte es beim September-Treffen jedoch noch zu keiner weiteren Erhöhung kommen — vermutlich geschieht das erst 2018.

Aber sicher kann man da nicht sein. Der Markt kann da ja auch mal falsch liegen. Es scheint jedenfalls, als ob sehr viele derzeit darauf wetten, dass die US-Notenbank Fed eher „dovish“ bleiben wird, also weiterhin einen sehr weichen Kurs fahren wird. Das sieht man daran, dass US-Staatsanleihen, Gold und der Euro überaus gefragt sind. „Crowded Long“ nennt man so was. Problematisch wird das dann, wenn diese Positionen aufgelöst werden müssen, sollte die Fed den Geldhahn doch stärker zudrehen als gedacht.

In diesem Fall dürfte es turbulent werden an den Märkten. Aktienbörsen inklusive. Trotzdem sollte man sich in so einem Fall — so er denn eintrifft — nicht zu -verrückt machen lassen. Getreu dem Fahrplan, den wir hier seit einiger Zeit verfolgen: Kurzfristig sind Korrekturen möglich, mittelfristig sollte es aber noch mal nach oben gehen, da die Gewinndynamik bei den Unternehmen einfach stimmt. Irgendwann nächstes Jahr könnte der Rally dann aber tatsächlich der Dampf ausgehen. Unumstößlich sind diese Prognosen natürlich auch nicht. Aber aktuell passen sie zur Großwetterlage.

-->

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen