Mittwoch, 25. Oktober 2017

Applaus garantiert

Das Momentum an den Börsen spricht dafür, die Gewinne weiter laufen zu lassen. Trotzdem sollte man nicht ignorieren, dass die Risiken weltweit steigen. Auch in China, dem Schwellenland Nummer 1.

Alle fünf Jahre findet in China der Parteitag der Kommunistischen Partei statt. So auch in diesem Jahr. Da wird dann lang und blumig geredet. Mehr als dreieinhalb Stunden dauerte in diesem Jahr allein schon die Eröffnungsrede des Staats- und Parteichefs Xi Jinping, in der er die Vision eines starken Chinas in der Welt beschwor. Nicht ganz überraschend das.

Passenderweise waren ja im Vorfeld des Parteitags die Daten und Nachrichten zur Wirtschaftslage des Landes richtig gut. Bessere Zahlen zum Wachstum und steigende Kupfer- und Industriemetallpreise sollten das untermauern. Dazu eine steigende Inflation, was suggeriert, dass China die Lokomotive beim weltweit beschworenen Reflationsthema ist. Oder andersherum formuliert: China geriert sich als Retter vor der großen weltweiten Deflations- und Stagnationsgefahr, mit der die Weltwirtschaft in den zurückliegenden Jahren so lange zu tun hatte.

Allerdings kann man als skeptischer Anleger hinter all den schönen Zahlen, die Peking zuletzt präsentiert hat, durchaus auch einen gewissen Willen zur Schönfärberei vermuten. Warum soll man denn Negatives aufzeigen, wenn der Nationalkongress ansteht!? Man sägt doch nicht am eigenen politischen Ast, auf dem man sitzt. In der Tat ist es so, dass trotz der hohen Schulden, die etliche Institutionen des Landes drücken, so richtig immer noch nicht dagegen angegangen wird. Ganz im Gegenteil: All den Lippenbekenntnissen zum Trotz wurde in China vor dem Kongress noch mal richtig das Kreditwachstum angekurbelt. So sind die Ausgaben für Infrastrukturprojekte inzwischen so hoch wie zuletzt 2009.

Damit nicht genug: Neulich war etwa im „Wall Street Journal“ zu lesen, dass mehr als 200 lokale Behörden von der Regierung aufgefordert wurden, leer stehende Immobilien aufzukaufen. Unterstützt wurde das von der Notenbank, um den Preisdruck vom Markt zu nehmen. Man kann so eine Aktion schon verstehen, immerhin macht der Immobilienmarkt ein Drittel des gesamten Wirtschaftswachstums aus. Gesund ist das aber nicht. Letztlich treibt es den Schuldenzyklus nur weiter an. Und der könnte schlimm enden...

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Das Haar in der Suppe

Der positive Trend an den Börsen hält an. Die Konjunkturdaten geben das auch her. Schwierig wird es wohl erst dann, wenn in den Notenbanken die geldpolitischen Falken das Sagen haben.

Haken dran: DAX 13 000. Eine weitere schöne runde Marke hat der deutsche Leitindex da erreicht. Ähnlich sieht es in den USA aus. Der S & P 500 überschritt ja schon einige Wochen zuvor die 2500er-Grenze, und beim Dow Jones, da winken die 23 000. Es läuft.

Weil das so ist, suchen wir nach dem Haar in der Suppe. Und fragen uns — wie wir das ja immer wieder in schöner Regelmäßigkeit tun —, wie lange das so weitergeht. Dabei hilft die Erkenntnis, dass in der Vergangenheit nicht jede Korrektur eine Rezession angekündigt hat, aber jede Rezession einen Kurssturz nach sich zog. Die Kernfrage lautet also: Wie weit sind wir von einer Rezession entfernt — so seltsam das aktuell vielleicht klingen mag.

Blicken wir in die USA und an die Weltleitbörse Wall Street. Drei Bereiche sind  hier besonders interessant: Die finanzielle Entwicklung der privaten Haushalte, das Wohl und Wehe in der Unternehmenswelt und last but not least die Geldpolitik der US-Notenbank Fed.

Was die Haushalte angeht, scheint die Gefahr einer Rezession marginal: Hier leuchten die jüngsten kurzfristig orientierten Daten und Indikatoren derart grell positiv, dass man beim Lesen zur Sonnenbrille greifen möchte. Einzelhandelsumsätze, Konsumentenstimmung — beides so gut wie selten zuvor. Und dann auch noch angenehm niedrige Inflationsraten.

Wer sich davon aber nicht zu sehr blenden lässt, stellt fest, dass die Lohnentwicklung da nicht mithält. Für die Amerikaner heißt das: mehr arbeiten, weniger sparen oder Kredite aufnehmen, um die Kauflust weiter so zu befriedigen wie bisher. „Keeping up with the neighbours“, nennt man das. Man muss mithalten, wenn der Nachbar einkauft wie verrückt.

Doch es gibt Grenzen...