Mittwoch, 15. November 2017

Verschieben, absagen, hinhalten

Die Entwicklung an den Börsen ist etwas ins Stocken geraten. Mit ein Grund sind Neuigkeiten aus den USA. Und dennoch bleibt es beim grundsätzlich positiven Ausblick.

Das hört man nicht gern an der Wall Street: Vom Verschieben der Steuerreform ist die Rede. Einigen Repu-blikanern sind die Ideen ihres Präsidenten vielleicht doch zu radikal. Donald Trump plant ja auch die größten Einschnitte, die Amerika seit drei Jahrzehnten erlebt hat. Das Steuersystem soll vereinfacht werden, die Belastung abnehmen. Vor allem die Unternehmensteuer soll dabei sinken: von jetzt 35 auf 20 Prozent. Die Republikaner im US-Senat kündigen da aber Widerstand an. 20 Prozent, sagen sie, könne man sich nicht leisten. Daher wäre es am besten, das ganze auf Eis zu legen. Bis 2019 vielleicht.

Die Reaktion an den Märkten war eine Mischung aus Gewinnmitnahmen und ausbleibender Kauflaune. Klar, die angekündigte Steuerreform war ja auch monatelang ein guter Grund, Aktien zu kaufen. Bliebe sie aus, wären die aktuell doch recht hohen Bewertungen am Aktienmarkt eher nicht gerechtfertigt.

Eine größere Kurskorrektur wäre im Fall eines tatsächlichen Scheiterns der Steuerpläne sehr wahrscheinlich. Allerdings wäre das dann wohl noch einmal eine gute Chance, Aktien nachzukaufen. Denn ungeachtet der möglichen Auswirkungen einer verkorksten Tax-Reform und auch der Implikationen des von den USA gerade abgesagten TPP-Handelsabkommens sind die mittelfristigen Aussichten für die Börse immer noch gut.

So berichten die Unternehmensbeob-achter von FactSet, dass die fast beendete Berichtssaison in den USA das geliefert hat, was schon in den zurückliegenden Jahren der Fall war: Die tatsächlichen Gewinne und Umsätze haben mal wieder die Erwartungen bei Weitem übertroffen. Auch der Ausblick auf 2018 ist positiv — mit oder ohne Steuerreform.

Gleichzeitig geht in den USA die Arbeitslosigkeit weiter zurück. Zuletzt wurde mit einer Quote von 4,1 Prozent ein so niedriger Stand erreicht wie seit 17 Jahren nicht mehr. Der positive Effekt: steigendes Konsumentenvertrauen.

Und es sind ja nicht nur die USA, die für positive Nachrichten sorgen. Beflügelt ...

Mittwoch, 1. November 2017

Gemischte Gefühle

Neue Woche, neue Rekorde. Geholfen hat einmal mehr die EZB. Und weil die Gewinne der Unternehmen wachsen, ist der Börsenanstieg durchaus gerechtfertigt. Was man trotzdem beachten muss.

Das ging ja fix. Von wegen „Kampf um die 13 000er-Marke“. Denkste! Der deutsche Leitindex DAX kletterte ruck, zuck auch noch über 13 200 Punkte. Mithilfe von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), dem mal wieder ein rhetorischer Spagat gelang. Einerseits lobte er die erfreuliche Wirtschaftsentwicklung im Euroraum. Andererseits betonte er aber, dass „eine große geldpolitische Unterstützung auf mittlere Sicht weiterhin nötig“ sei. Mag sich jeder selbst einen Reim darauf machen.

Ähnlich gemischte Gefühle beschleichen einen beim Blick auf die aktuellen Quartalszahlen der börsennotierten Unternehmen. Sie sehen zunächst richtig gut aus. Vor allem bei den Amerikanern. Etwas über die Hälfte der 500 Aktiengesellschaften des S&P-Index hat die Berichte vorgelegt, und 76 Prozent davon veröffentlichten Gewinne, die besser ausfielen als erwartet. 67 Prozent vermeldeten auch noch bessere Umsätze. Das ist eine Superquote und liegt deutlich höher als der Fünfjahresdurchschnitt von 69 respektive 55 Prozent. Das positive Momentum bei den Quartalszahlen hält also an.

Ebenfalls gut: das US-Wirtschaftswachstum. Das lag im dritten Quartal bei drei Prozent und war auch besser als erwartet. Dazu passt, dass Indikatoren wie der Economic Surprise Index weiter steigen und die vom Wirtschaftsmagazin „Barrons“ veröffentlichten Zahlen zu den Insidertransaktionen gleichfalls bullish sind.

Auf Sicht von drei bis sechs Monaten sieht das also alles ganz gut aus. Danach könnte es problematisch werden. Dafür gibt es gewisse Hinweise. Denn trotz der steigenden Indexstände fällt auf, dass die Marktbreite abgenommen hat. Nebenwerte und sogar etliche Aktien aus dem Techsektor haben den jüngsten Anstieg nicht in dem Maß mitgemacht wie die mega-kapitalisierten Bluechips. Der Marktbeobachter SentimenTrader konstatiert, dass ein so deutliches neues Allzeithoch, wie es der S&P-500 in der zurückliegenden Woche erreicht hat, nur ein einziges Mal seit 1990 von weniger Aktien mitgetragen wurde als jetzt. Und das war im November 1999, also kurz vor dem Bubble-Hoch, dem sich dann ...