Mittwoch, 20. Dezember 2017

Harmonie ist eine Strategie

Es weihnachtet, und die Kurse steigen. Vor allem in den USA. Und das, obwohl die Notenbank Fed dort nochmals den Leitzins erhöht hat. Früher gab so etwas Anlass zur Sorge. Warum das aktuell nicht so ist. 

Das Börsenjahr ist so gut wie vorbei, und wenn man so will, dann hatten die Notenbanker das letzte Wort. Denn in der zurückliegenden Woche berieten sowohl die Europäische Zentralbank EZB als auch die US-Notenbank Fed über die künftige Geldpolitik. Aber gab es da noch mal verbalen Klartext der Herrschaften? Oder gar einen Paukenschlag?

Nun ja, Überraschungen wurden keine serviert, so viel ist klar. Die EZB etwa setzt weiter auf Kontinuität: So soll das Anleihekaufprogramm bis mindestens September 2018 fortgesetzt werden. Und auch der Leitzins wird niedrig bleiben. Hatte man so erwartet. Punkt.

Etwas mehr tat sich in den USA. Die Fed setzte den Leitzins um 0,25 Prozent nach oben, wodurch die Spanne jetzt bei 1,25 bis 1,5 Prozent liegt. So weit, so gut. Auch das war absehbar. Interessant ist jedoch, dass zwei Fed-Mitglieder gegen die Zinserhöhung stimmten. Anscheinend herrscht dann doch eine gewisse Unsicherheit, ob der eingeschlagene Kurs tatsächlich der richtige ist.

Der aktuelle sogenannte „Dot Plot“ der US-Notenbank, der die zu erwartende Zinsentwicklung darstellt, deutet gleichzeitig aber darauf hin, dass die Fed auch im kommenden Jahr die Zinsen erhöhen wird. Nämlich drei weitere Male. Stand jetzt. Gegenstimmen hin oder her.

Dass es bei der Fed nicht ganz so harmonisch in Sachen Meinungsbildung abläuft wie bei der EZB, liegt wohl daran, dass sich nach den jüngsten Wirtschaftsdaten zwar die Wachstums- und Arbeitsmarktaussichten verbessert haben — was für steigende Zinsen spricht —, es gleichzeitig aber keine negative Änderung bei den Inflationserwartungen gab. Was eher gegen Zinserhöhungen spricht.

Doch wie auch immer: Als Börsianer fragt man sich nun, ob sich die Zinserhöhungen in den USA denn irgendwann negativ auf die Börsenentwicklung auswirken werden...

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ein Zitat und was man daraus macht

Der legendäre Banker J. P. Morgan mahnte einst zum rechtzeitigen Ausstieg aus einer laufenden Aktienmarktrally. Aber wann ist „rechtzeitig“? Vermutlich später, als Mister Morgan dachte.

Von John Pierpont Morgan, besser bekannt als J. P. Morgan, einem der einflussreichsten Privatbankiers seiner Zeit, ist ein Zitat überliefert, das zur Bescheidenheit mahnt: „Ich bin reich geworden, weil ich die finalen 30 Prozent einer Aktienmarktrally anderen Leuten überlassen habe.“ Gesagt hat er das irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts. Lebte er heute noch, würde er den Satz vermutlich wiederholen — wenn er denn seinen Grundsätzen treu geblieben wäre. Denn es mehren sich ja schon seit Längerem die Anzeichen, dass die Börsenhausse, nun ja, etwas gedehnt ist. Sowohl was den Faktor Zeit angeht als auch den Faktor Bewertung.

Wer die Mahnung des ehrenwerten Mister Morgan im Gedächtnis behält, kann es aber dennoch riskieren, ein Stück von den finalen 30 Prozent abzubekommen. Denn anders als zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Anlagealternativen derzeit heute schließlich rar gesät. Morgan hatte damals bessere Möglichkeiten, sein Vermögen mit guter Rendite umzuschichten.

Außerdem sind im Hier und Jetzt die kurz- bis mittelfristigen Indikatoren einfach noch zu positiv, um schon aus dem Aktienmarkt auszusteigen. Man sollte das nicht außer Acht lassen: Es gibt etliche Faktoren, welche die angesprochene zeitliche und bewertungstechnische Dehnung der Börsenrally relativieren. Wer ausschließlich darauf verweist, dass Aktien zu teuer sind oder die Rally schon viel zu lange läuft, tja, der hätte schon vor zwei oder drei Jahren aussteigen müssen.

Was sind das also für Faktoren, die man ...

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Weiter, immer weiter

Der DAX hängt gerade etwas fest, dafür steigen die Kurse an der Wall Street weiter. Negative Faktoren bremsen kaum. Im kommenden Jahr könnte das anders werden. Die Gründe.

Es läuft. Vor allem an den US-Börsen geht es aufwärts. Dabei wird einem fast mulmig, derart stetig klettern die Kurse. Der Dow Jones etwa übersprang ganz locker die 24 000 Punkte. Und das, obwohl es ja immer wieder Gründe gibt, die gut genug wären für eine deutliche Korrektur. Aber die kommt einfach nicht. Wenn man so will, dann ist das durchaus ein Indiz für etwas zu viel „complacency“, wie man an der Wall Street sagt, für eine gewisse Sorglosigkeit der Börsianer. Und das wiederum ist eigentlich kein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung.

Allerdings gibt es auch prima Argumente dafür, dass die Kurse weiter steigen: etwa die Gewinnentwicklung der Unternehmen als wichtigster Grund überhaupt. Denn wie man es auch dreht oder wendet — die Daten, die das amerikanische Forschungsinstitut FactSet zur Gewinn- sowie Umsatzentwicklung der US-Unter-nehmen in schöner Regelmäßigkeit liefert, sind schlichtweg überzeugend. Analog zum Aktienmarkt geht es auch mit ihnen aufwärts. Und das ähnlich stetig.

Was soll da also noch bremsen? Natürlich gibt es immer wieder politische Probleme, etwa rund um die Präsidentschaft von Donald Trump. Die Russland-Affäre zum Beispiel. Dann die beinahe gescheiterte Steuerreform. Aber letztlich wiegt das alles scheinbar nicht schwer genug. Vermutlich würde die Börse sogar ein von seinen Gegnern herbeigesehntes Amtsenthebungsverfahren gegen Trump positiv beurteilen. So nach dem Motto: Der dann designierte Nachfolger und aktuelle Vizepräsident Mike Pence wäre wohl noch marktfreundlicher und vermutlich auch berechenbarer als Trump.

Trotzdem dürfte 2018 kein Selbstläufer werden. Die ...