Donnerstag, 18. Januar 2018

Wohl bekomm’s

Ein amerikanischer Fondsmanager vergleicht die aktuelle Lage an der US-Börse mit Russisch Roulette. Das strapaziert die Nerven. Und trotzdem ist Investieren noch nicht lebensgefährlich.

Herzlich willkommen auf der dunklen Seite. Bewertungen spielen hier keine Rolle. Auch dass die Stimmung langsam übertrieben optimistisch ist — egal! Der Markt ist „überkauft“ — wen interessiert’s? Alles, was zählt, ist das Momentum. So läuft’s im „Melt-up-Szenario“.

Zugegeben, hier schwingt ein wenig Ironie mit. Aber ist das verwunderlich, angesichts der Rally vor allem der US-Börse? Wenn der Markt tatsächlich weiter so impulsiv zulegt, dann sollte man sich Regel Nummer 4 der Investmentlegende Bob Farrell ins Gedächtnis rufen: „Börsen, die parabolisch steigen, die steigen weiter, als man vermuten mag. Aber sie korrigieren auf keinen Fall seitwärts.“ Mit anderen Worten: Was hoch steigt, das fällt tief.

2018 könnte also durchaus das Jahr werden, in dem es gilt, rechtzeitig, aber nicht zu früh auszusteigen. Wichtig ist in diesem Fall vor allem ein Faktor: die Emotionen. In der Vergangenheit war es oft so, dass ein veritabler Kaufrausch in einer Art Doppeltop endete: Es kommt zu einem Hoch, dann zu einer Korrektur, dann zu einem erneuten Hoch — das aber meist niedriger ausfällt als das erste.

So geschehen beispielsweise 1980, als der Goldpreis wegen der Sowjet-Invasion in Afghanistan, steigenden Inflationserwartungen, drastischen Zinserhöhungen und der Silbermarktmanipulationen der Brüder Hunt auf ein Jahrhunderthoch kletterte. Der Goldpreis schien buchstäblich zu explodieren, korrigierte dann und schaffte 1981 ein zweites — niedrigeres — Top, um danach für lange Zeit nur noch zu fallen.

Ähnlich verlief die Aktienblase der Jahrtausendwende, wo sich im Zeitraum März bis August 2000 im S & P-Index ein Doppeltop formte. Nicht so deutlich war dies allerdings beim Nasdaq-Index auszumachen, wo die Euphorie besonders extrem war. Vergleicht man diese damaligen Ereignisse mit den aktuellen Kursverläufen, dann scheint es indes so, als ob der Markt trotz der teils deutlich gestiegenen Kurse noch nicht einmal das erste Top ausgebildet hat. „Parabolisch“ sieht das nicht aus. Noch nicht.

Also investiert bleiben? Das ...

Mittwoch, 10. Januar 2018

Wenn die Börse einen Lauf hat

Der Start ins neue Jahr ist vielversprechend. Dennoch warnen einige vor einem Crash im Verlauf der kommenden Monate. Auch weil die Märkte vielleicht etwas zu schnell nach oben streben.

Da sind wir ja mal richtig gut aus den Startlöchern gekommen! Und das, obwohl die letzte Handelswoche vor Silvester eher durchwachsen war. Doch nun, im neuen Jahr, ist der DAX ordentlich im Plus, der Dow Jones ebenso, der Nikkei auch. Ganz im Gegensatz zu den Jahren davor. Da war es doch eher so, dass die Börsen das jeweils alte Jahr mit Kursgewinnen abschlossen, um dann in Woche 1 des neuen Jahres zu schwächeln.

Jetzt also ein positiver Start. Glaubt man der sogenannten Januar-Regel, dann ist eine erste gute Handelswoche ein prima Omen für den gesamten Januar, was wiederum ein gutes Omen für das ganze Börsenjahr ist. Und trotzdem — oder vielleicht gerade deswegen — warnt der Starinvestor Jeremy Grantham von GMO Capital in seinem neuesten Börsenbrief vor einem Kurssturz. Einem heftigen. Die rasante Wertentwicklung der zurückliegenden sechs Monate vor allem am US-Aktienmarkt habe die Basis für einen „letzten Angriff auf den Gipfel“ gelegt. Danach folge jedoch der unvermeidliche Fall.

„Melt-up“ nennen die Börsianer an der Wall Street so etwas. Typisch dafür ist, dass vor dem Absturz jegliche Korrektur nur sehr mickrig ausfällt, dass der Markt über Wochen überkauft bleibt. Und zumindest in den USA hat es ja schon diesen Anschein.

Dass es 2018 irgendwann zu einem heftigen Fall kommt, wie ihn Grantham befürchtet, wird ...

Mittwoch, 3. Januar 2018

Das verflixte siebte Jahr

Sechs Jahre in Folge endete der DAX nun im Plus. Ob da noch ein weiteres Gewinnjahr drin ist? Die Rahmenbedingungen sind dafür gar nicht schlecht. Es gibt aber auch etliche Risikofaktoren.

Das Jahr ist rum. Fulminant war es. Zwar konnte der DAX die Marke von 13 000 Punkten gegen Ende nicht behaupten, trotzdem kann sich der Anstieg insgesamt sehen lassen: fast 13 Prozent Plus in zwölf Monaten. Das ist gut — es ist der größte Jahresgewinn seit 2013. Und nicht zu vergessen: Es war das sechste Gewinnjahr in Folge. Doch wie geht es jetzt weiter? Folgt nun das siebte Jahr, das mit einem Plus beendet wird?

Zur Einordnung lohnt wie immer der Blick auf das große Bild, angefangen bei der Wirtschaftsmacht Nummer 1, den USA. Dort brummt die Konjunktur, dass es eine Freude ist. Gleichzeitig wurde die Zinswende von der Notenbank Federal Reserve (Fed) schön behutsam eingeleitet. Auch gut: Die Maßnahmen der Fed haben bisher zu keinen allzu negativen Reaktionen an den Anleihe- und Aktienmärkten geführt. Im Gegenteil: Wie beim DAX wurden auch an der Wall Street neue Allzeithochs erreicht, getrieben vor allem von den großen Technologiewerten.

In Europa wiederum ist die Notenbank noch nicht so weit wie in den USA. Die EZB deutet das Ende der immer noch ultra-lockeren Geldpolitik lediglich an. Gleichzeitig sind die Leitzinsen immer noch auf null, um die südlichen, mit vielerlei Problemen belasteten Euroländer nicht in zusätzliche Bedrängnis zu bringen. Die Unternehmen wiederum scheinen überwiegend gut aufgestellt, nicht nur in Europa, sondern weltweit: Die Umsatz- und Gewinnzahlen verbessern sich von Quartal zu Quartal, und auch der Ausblick auf die kommenden Monate stimmt.

Die Rahmenbedingungen in Sachen Zinsen und Konjunktur, die passen also. Dazu sind die übergeordneten Trends am Aktienmarkt intakt. Insgesamt sind das also nicht die schlechtesten Aussichten für 2018. Außerdem ist es ja nach wie vor so, dass aufgrund der weltweit immer noch niedrigen Zinsen kaum Anlage-alternativen zur Verfügung stehen — auch wenn man dieses oft gebrauchte Argument vielleicht nicht mehr hören mag.

Dennoch sollte man sich als Aktienanleger 2018 nicht zu sicher fühlen. Es gibt ...