Mittwoch, 31. Januar 2018

Die Sache mit den Prognosen

Der deutliche Anstieg der Gewinnschätzungen hat für eine fulminante Rally gesorgt. Dabei fallen jedoch zwei Merkwürdigkeiten auf. Das sonst übliche Muster scheint nicht mehr zu gelten.

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Die jüngste Rally an der Wall Street, die so manchem Anleger nicht recht geheuer ist, sie kommt nicht von ungefähr. Nein, sie wird schlicht durch einen wirklich ungewöhnlich starken Anstieg der Gewinnprognosen gestützt.

Dabei muss man wissen, dass besagte Gewinnprognosen sehr häufig einem typischen Muster folgen. Die ersten Schätzungen der Aktienanalysten fallen meistens zu optimistisch aus. Schrittweise werden die Prognosen dann reduziert. Dieses Muster zeigte sich in den Jahren 2012 bis 2016 ganz gut. 2017 jedoch war anders, ganz anders: Die Gewinnschätzungen blieben im Jahresverlauf stabil. Da wurde nichts nach unten revidiert. Und am Jahresende war es so, dass die ursprünglichen Prognosen sogar übertroffen wurden. Sehr ungewöhnlich.

Schnee von gestern, könnte man jetzt argumentieren. Doch immerhin erklärt diese Abweichung vom üblichen Muster, warum es im Jahresverlauf nur so mickerige Korrekturen am Aktienmarkt gab. Und jetzt kommt’s: 2018 wird wohl auch ungewöhnlich werden. Oder besser gesagt: Es ist schon jetzt ungewöhnlich. 
Gestützt durch die US-Steuerreform, den steigenden Ölpreis und das starke ökonomische Umfeld wurden die Gewinnprognosen zu Jahresbeginn sprunghaft um volle vier Prozentpunkte angehoben. Das ist enorm. Und es erklärt die noch steilere Rally im noch jungen Jahr.

Allerdings könnte sich dieser ungewöhnliche, eklatante Sprung nach oben im Verlauf des Jahres als Hypothek erweisen — nämlich dann, wenn ...

Mittwoch, 24. Januar 2018

Rekorde, Rekorde, Rekorde

US-Präsident Trump verhängt Zölle, und der Ölpreis steigt. Beides sollte man als Aktionär im Auge behalten. Denn es könnte die so erfreuliche Aktienmarktrally irgendwann ausbremsen.

Es ist das dominierende Thema an der Börse: das Momentum! Dow Jones, Nasdaq und jetzt sogar der DAX — die Indizes klettern von Rekord zu Rekord. Das Momentum also — dieser schier unwiderstehliche Sog, der die Kurse nach oben zieht. Nur, fragt man sich, wie lange noch, wie weit noch? F

akt ist: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine derart starke Rally nicht einfach so und abrupt endet, sondern oft in Form eines Doppeltops. Es kommt zu einem Hoch, dann zu einer Korrektur, dann zu einem erneuten Hoch, bevor es endgültig abwärts geht. Doch so weit sind wir noch nicht. Stand jetzt kam es noch nicht mal zur ersten Korrektur.

Jedenfalls muss es schon einen triftigen Grund für eine Umkehr an der Börse geben. Argumente wie „der Markt ist überkauft“ reichen nicht. Ebenso wenig die Verweise darauf, dass technische Indikatoren wie der RSI oder das Verhältnis von Bullen zu Bären exzessiv seien. Das sind zwar korrekte Beobachtungen, allerdings ist es so, dass sich Exzesse über viele Monate einfach fortsetzen können.

Es muss also schon gute fundamentale Gründe geben, dass dieser Rally irgendwann die Luft ausgeht. Und tatsächlich gibt es zwei Aspekte, die Aktienanleger im Auge behalten müssen. Da sind zum einen ...

Donnerstag, 18. Januar 2018

Wohl bekomm’s

Ein amerikanischer Fondsmanager vergleicht die aktuelle Lage an der US-Börse mit Russisch Roulette. Das strapaziert die Nerven. Und trotzdem ist Investieren noch nicht lebensgefährlich.

Herzlich willkommen auf der dunklen Seite. Bewertungen spielen hier keine Rolle. Auch dass die Stimmung langsam übertrieben optimistisch ist — egal! Der Markt ist „überkauft“ — wen interessiert’s? Alles, was zählt, ist das Momentum. So läuft’s im „Melt-up-Szenario“.

Zugegeben, hier schwingt ein wenig Ironie mit. Aber ist das verwunderlich, angesichts der Rally vor allem der US-Börse? Wenn der Markt tatsächlich weiter so impulsiv zulegt, dann sollte man sich Regel Nummer 4 der Investmentlegende Bob Farrell ins Gedächtnis rufen: „Börsen, die parabolisch steigen, die steigen weiter, als man vermuten mag. Aber sie korrigieren auf keinen Fall seitwärts.“ Mit anderen Worten: Was hoch steigt, das fällt tief.

2018 könnte also durchaus das Jahr werden, in dem es gilt, rechtzeitig, aber nicht zu früh auszusteigen. Wichtig ist in diesem Fall vor allem ein Faktor: die Emotionen. In der Vergangenheit war es oft so, dass ein veritabler Kaufrausch in einer Art Doppeltop endete: Es kommt zu einem Hoch, dann zu einer Korrektur, dann zu einem erneuten Hoch — das aber meist niedriger ausfällt als das erste.

So geschehen beispielsweise 1980, als der Goldpreis wegen der Sowjet-Invasion in Afghanistan, steigenden Inflationserwartungen, drastischen Zinserhöhungen und der Silbermarktmanipulationen der Brüder Hunt auf ein Jahrhunderthoch kletterte. Der Goldpreis schien buchstäblich zu explodieren, korrigierte dann und schaffte 1981 ein zweites — niedrigeres — Top, um danach für lange Zeit nur noch zu fallen.

Ähnlich verlief die Aktienblase der Jahrtausendwende, wo sich im Zeitraum März bis August 2000 im S & P-Index ein Doppeltop formte. Nicht so deutlich war dies allerdings beim Nasdaq-Index auszumachen, wo die Euphorie besonders extrem war. Vergleicht man diese damaligen Ereignisse mit den aktuellen Kursverläufen, dann scheint es indes so, als ob der Markt trotz der teils deutlich gestiegenen Kurse noch nicht einmal das erste Top ausgebildet hat. „Parabolisch“ sieht das nicht aus. Noch nicht.

Also investiert bleiben? Das ...

Mittwoch, 10. Januar 2018

Wenn die Börse einen Lauf hat

Der Start ins neue Jahr ist vielversprechend. Dennoch warnen einige vor einem Crash im Verlauf der kommenden Monate. Auch weil die Märkte vielleicht etwas zu schnell nach oben streben.

Da sind wir ja mal richtig gut aus den Startlöchern gekommen! Und das, obwohl die letzte Handelswoche vor Silvester eher durchwachsen war. Doch nun, im neuen Jahr, ist der DAX ordentlich im Plus, der Dow Jones ebenso, der Nikkei auch. Ganz im Gegensatz zu den Jahren davor. Da war es doch eher so, dass die Börsen das jeweils alte Jahr mit Kursgewinnen abschlossen, um dann in Woche 1 des neuen Jahres zu schwächeln.

Jetzt also ein positiver Start. Glaubt man der sogenannten Januar-Regel, dann ist eine erste gute Handelswoche ein prima Omen für den gesamten Januar, was wiederum ein gutes Omen für das ganze Börsenjahr ist. Und trotzdem — oder vielleicht gerade deswegen — warnt der Starinvestor Jeremy Grantham von GMO Capital in seinem neuesten Börsenbrief vor einem Kurssturz. Einem heftigen. Die rasante Wertentwicklung der zurückliegenden sechs Monate vor allem am US-Aktienmarkt habe die Basis für einen „letzten Angriff auf den Gipfel“ gelegt. Danach folge jedoch der unvermeidliche Fall.

„Melt-up“ nennen die Börsianer an der Wall Street so etwas. Typisch dafür ist, dass vor dem Absturz jegliche Korrektur nur sehr mickrig ausfällt, dass der Markt über Wochen überkauft bleibt. Und zumindest in den USA hat es ja schon diesen Anschein.

Dass es 2018 irgendwann zu einem heftigen Fall kommt, wie ihn Grantham befürchtet, wird ...

Mittwoch, 3. Januar 2018

Das verflixte siebte Jahr

Sechs Jahre in Folge endete der DAX nun im Plus. Ob da noch ein weiteres Gewinnjahr drin ist? Die Rahmenbedingungen sind dafür gar nicht schlecht. Es gibt aber auch etliche Risikofaktoren.

Das Jahr ist rum. Fulminant war es. Zwar konnte der DAX die Marke von 13 000 Punkten gegen Ende nicht behaupten, trotzdem kann sich der Anstieg insgesamt sehen lassen: fast 13 Prozent Plus in zwölf Monaten. Das ist gut — es ist der größte Jahresgewinn seit 2013. Und nicht zu vergessen: Es war das sechste Gewinnjahr in Folge. Doch wie geht es jetzt weiter? Folgt nun das siebte Jahr, das mit einem Plus beendet wird?

Zur Einordnung lohnt wie immer der Blick auf das große Bild, angefangen bei der Wirtschaftsmacht Nummer 1, den USA. Dort brummt die Konjunktur, dass es eine Freude ist. Gleichzeitig wurde die Zinswende von der Notenbank Federal Reserve (Fed) schön behutsam eingeleitet. Auch gut: Die Maßnahmen der Fed haben bisher zu keinen allzu negativen Reaktionen an den Anleihe- und Aktienmärkten geführt. Im Gegenteil: Wie beim DAX wurden auch an der Wall Street neue Allzeithochs erreicht, getrieben vor allem von den großen Technologiewerten.

In Europa wiederum ist die Notenbank noch nicht so weit wie in den USA. Die EZB deutet das Ende der immer noch ultra-lockeren Geldpolitik lediglich an. Gleichzeitig sind die Leitzinsen immer noch auf null, um die südlichen, mit vielerlei Problemen belasteten Euroländer nicht in zusätzliche Bedrängnis zu bringen. Die Unternehmen wiederum scheinen überwiegend gut aufgestellt, nicht nur in Europa, sondern weltweit: Die Umsatz- und Gewinnzahlen verbessern sich von Quartal zu Quartal, und auch der Ausblick auf die kommenden Monate stimmt.

Die Rahmenbedingungen in Sachen Zinsen und Konjunktur, die passen also. Dazu sind die übergeordneten Trends am Aktienmarkt intakt. Insgesamt sind das also nicht die schlechtesten Aussichten für 2018. Außerdem ist es ja nach wie vor so, dass aufgrund der weltweit immer noch niedrigen Zinsen kaum Anlage-alternativen zur Verfügung stehen — auch wenn man dieses oft gebrauchte Argument vielleicht nicht mehr hören mag.

Dennoch sollte man sich als Aktienanleger 2018 nicht zu sicher fühlen. Es gibt ...