Mittwoch, 7. Februar 2018

Die Kunst der Gelassenheit

Die Weltbörsen korrigieren heftig. Fast schon panisch wurde in den zurückliegenden Tagen verkauft. Börsianer machen sich offensichtlich große Sorgen um deutlich steigende Zinsen.

Das hatten wir schon länger nicht mehr: An den Börsen gibt es jetzt doch mal wieder eine ordentliche Korrektur. Ungewohnt. Als Anleger war man ja verwöhnt in den zurückliegenden Wochen und Monaten. Die Schwankungen waren so gering, dass man angesichts der aktuellen Rücksetzer nun vielleicht erschrocken ist oder gar panisch.

Wer erst seit Kurzem investiert ist, den hat es natürlich kalt erwischt. Und wer „schwache Hände“ hat — um den Börsianerjargon mal zu bemühen —, der möchte seine Positionen vielleicht lieber ganz schnell wieder liquidieren. So ist das mit der Anlegerpsychologie. Man ist eben doch panischer als vermutet, wenn die Dinge sich negativ entwickeln, und man ist gieriger als vermutet, wenn es gut läuft.

Doch um es gleich auf den Punkt zu bringen: Panik ist nicht angebracht, auch nicht, wenn es in den kommenden Tagen noch weiter abwärtsgehen sollte. Ein Bärenmarkt, also ein gewaltiger Abschwung über mehrere Monate, vielleicht gar Jahre hinweg, ist (noch) nicht in Sicht. Dafür ist die Rezessionswahrscheinlichkeit einfach nicht hoch genug. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass Rezessionen und Bärenmärkte Hand in Hand gehen.

Vermutlich haben wir es also eher mit einer „normalen“ Korrektur zu tun. Die muss man als Aktionär einfach aushalten — oder man kauft noch mal zu, wenn sich Gelegenheiten ergeben. Allerdings könnte es auch sein, dass wir an den Aktienmärkten den ersten Teil eines Doppeltops sehen, das sich oft am Ende einer langen Rally ergibt — wir haben in den zurückliegenden Wochen an dieser Stelle ja immer wieder mal darüber geschrieben. Demnach könnte es nach -einer Bodenbildung in den kommenden Tagen also noch mal aufwärtsgehen.

Für letztere These spricht auch ...
die „Rezessions-Checkliste“, die drei Bereiche der US-Wirtschaftsentwicklung unter die Lupe nimmt: den Konsum, die Unternehmen und die monetären Bedingungen. In Summe sind diese drei Faktoren noch positiv — allerdings gibt es auch Warnsignale.

Am besten sieht es bei den Unternehmen aus. Deren Gewinne steigen ebenso wie die Prognosen für die kommenden zwölf Monate. In der Vergangenheit war es jedoch stets so, dass vor einem größeren Börsenabschwung immer auch die Unternehmensgewinne ordentlich nachließen. Im Bereich Konsum, der den größten Teil zum US-Wirtschaftswachstum beiträgt, sind die Signale hingegen gemischt. Zwar geben die Amerikaner nach wie vor gern und viel Geld aus, allerdings geht dabei vieles auf Pump — was angesichts der tendenziell steigenden Zinsen gefährlich ist. Gleichzeitig scheint auch die Lust am
Bau oder Erwerb von Eigenheimen nachzulassen, was ebenfalls auf die nicht mehr so günstigen Zinskonditionen zurückzuführen ist.

Das größte Fragezeichen muss man ohnehin beim monetären Umfeld machen. Weil der Lohndruck steigt, nimmt die Befürchtung zu, die Notenbank Fed könnte die Zinsen deutlicher erhöhen als bisher angenommen, um bloß keinen Inflationsdruck aufkommen zu lassen. Das könnte die Konjunktur ausbremsen. 2018 ist ein schwieriges Jahr für Aktienanleger — so viel ist sicher.

Kommentare:

  1. Das größere Problem dürfte wohl eher die Risikoprämie sein. Wenn die 10-jährigen US-Staatsanleihen wie aktuell auf 2,83% ansteigen – und wohl schon bald vollends die 3 % erreichen könnten - dürfte die Rally bald Geschichte sein. Die Anleger schichten dann einfach um. Risikolos 3% zu verdienen ist eben besser als die Durchschnittsdividende von 2% aus dem S&P. Und bei Rekordständen an den Börsen kann der Anleger wohl auch kaum von weiteren größeren Kurssteigerungen ausgehen....

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  2. Ja, gut möglich ... siehe aktueller Kommentar ...

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