Mittwoch, 7. März 2018

Verbaler Rundumschlag

Der US-Präsident sorgt für Unruhe. Setzt er seine geplanten Strafzölle so um wie angedroht, wird es ungemütlich. Für die Weltkonjunktur und die Börsen. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Donald Trumps Strafzoll-Ankündigung war in der zurückliegenden Woche natürlich ein Schock für die Märkte — auch wenn der Plan nicht ganz unerwartet kam. Schock deswegen, weil man aus der Vergangenheit weiß, dass Handelskriege immer einen dämpfenden Effekt auf das globale Wirtschaftswachstum haben. Es fällt auch dieses Mal schwer, positive ­Aspekte zu finden.

Die US-Handelspolitik ist natürlich nur ein Teilbereich der Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung. Ebenso wichtig ist die Fiskalpolitik und schließlich — via Notenbank Fed — die Geldpolitik. Alle drei Bereiche sind gewaltig in Bewegung. Wie sich das alles in Summe auswirkt, ist daher nur schwer einzuschätzen. Was wird etwa die Fed tun, angesichts der massiven Steuererleichterungen gepaart mit den neuen protektionistischen Maßnahmen?

Interessanterweise hat die Notenbank das Thema einer Rede des Gremiummitglieds Lael Brainard umbenannt. Statt „Geldpolitische Maßnahmen, wenn aus Gegenwind Rückenwind wird“ heißt es plötzlich schön neutral: „Konjunktureller ...
und geldpolitischer Ausblick“. Eventuell ein subtiler Hinweis darauf, dass man sich auch in der Notenbank Sorgen macht und den stimulierenden Effekt der Steuersenkungen verschwinden sieht.

Aber noch ist nichts festgezurrt in Sachen Zölle. Die Ansage des Präsidenten war relativ ungeplant, ohne weitergehende Abstimmung mit den zuständigen Ministerien. Ironischerweise träfen die Zölle ohnehin weniger das eigentlich gewollte Ziel China, sondern weit mehr Kanada, Brasilien, Mexiko und Südkorea — die mit Abstand wichtigsten Stahllieferanten der USA. Mit dabei sind also auch die Partnerländer des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta, das Trump ohnehin neu aushandeln will.

Tatsächlich scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen: „Zölle auf Stahl und Aluminium wird es nur dann nicht geben, wenn ein neues und faires Nafta- Abkommen unterschrieben ist“, twitterte Trump Anfang der Woche. Kanada müsse US-Landwirte „besser behandeln“, Mexiko müsse den Kampf gegen den Drogenhandel verschärfen.

Die Hoffnung ist also, dass aus den befürchteten breit angelegten und massiven Maßnahmen eher gezielte Aktionen werden, die zahlreiche Ausnahmen zulassen. Es ist anzunehmen, dass Trump ansonsten auch nicht ausreichend Unterstützung aus den eigenen Reihen für seine Pläne bekommt. Der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, hat Trump schon um ein Einlenken gebeten. „Wir sind sehr besorgt über die Auswirkungen eines möglichen Handelskrieges und bitten das Weiße Haus, diese Pläne nicht weiterzuverfolgen“, ließ er mitteilen. Ebenfalls ermutigend ist, dass auch China bislang eher ruhig auf die Zollpläne reagiert hat. Vielleicht setzt man sich bilateral einfach mal zusammen?

Trotz der Diskussionen um Strafzölle und einen möglichen bevorstehenden Handelskonflikt mit den USA drehte die Stimmung an den Aktienmärkten zu Wochenbeginn deutlich und verhalf den Indizes zu kräftigen Kursgewinnen. Offensichtlich wurde auch die politische Unsicherheit nach den Wahlen in Italien recht schnell abgeschüttelt. Doch es bleibt spannend: Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda deutete überraschend erstmals eine Abkehr von der expansiven Geldpolitik an. Auch das muss man an den Märkten erst mal verdauen.

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