Mittwoch, 16. Mai 2018

Von grün nach gelb nach rot

Wenn man das Risiko von Aktieninvestments mit einem Ampelvergleich erläutern will, dann haben wir es aktuell mit einer Gelbphase zu tun. Verkaufen müssen Anleger also noch nicht.

Die Aktienkurse sind zuletzt wieder gestiegen, die Bedenken jedoch nicht weniger geworden. Als da wären (in beliebiger Reihenfolge): die Handelskonflikte, die steigenden Zinsen, die flache Zinskurve, der steigende Ölpreis und schließlich die Notenbankpolitik. Alles Risiken, die man durchaus kennen und ernst nehmen sollte. Allerdings — die Ampelanalogie sei erlaubt — leuchten die Warnsignale alle nicht rot auf, sondern schlimmstenfalls gelb. Auf einen Bärenmarkt und/oder eine Rezession weist bislang nichts hin.

Die größte Furcht der Anleger ist sicher die, dass die Notenbanken — namentlich die US-Fed — in diesem Jahr den Fehler begehen, zu schnell und zu drastisch die Zinsen zu erhöhen, während gleichzeitig unter Umständen die Dynamik der Konjunkturentwicklung nachlässt. Die Folge wäre dann wohl eine Rezession und das Ende der seit 2009 andauernden Rally an den Aktienmärkten.

Doch was bedeutet „zu schnell und zu drastisch“? Ein Indikator hierfür lieferte in der Vergangenheit recht verlässlich  der US-Arbeitsmarkt. Wenn nämlich der Jahreszuwachs an neuen Stellen geringer ausfiel als die Jahressteigerung der Leitzinsen, dann folgte immer eine Rezession, Startpunkt irgendwann in den darauffolgenden zwölf Monaten. Noch ist dies aber nicht der Fall, die Jobmaschine läuft und läuft. Allerdings könnte sich das — bei aller Vorsicht — 2019 ändern.

Eine weitere große Sorge betrifft die Zinsentwicklung und den Umstand, dass die Renditekurve immer flacher wird, die Zinsen am kurzen wie am langen Ende sich also annähern. Letzteres war in der Vergangenheit ebenfalls ein Warnsignal dafür, dass die Wirtschaftsentwicklung am Kippen ist. Was das absolute Niveau des Leitzinses betrifft, zeigt die Erfahrung, dass dies erst ab etwa fünf Prozent ...

Mittwoch, 9. Mai 2018

Von Delegationen und Spekulanten

Amerikaner und Chinesen suchen nach einer Lösung im Handelsstreit. Was zu erwarten war. Die Börse reagiert zunächst verschreckt, dann aber doch mit steigenden Kursen. Wie es weitergeht.

Man redet nun also doch miteinander. Eine hochrangige Delegation um den amerikanischen Finanzminister Steven Mnuchin, Wirtschaftsminister Wilbur Ross, den Handelsbeauftragten Robert Lighthizer sowie die Wirtschaftsberater Peter Navarro und Lawrence Kudlow war nach Peking gereist, um mit der chinesischen Regierung Lösungen im schwelenden Handelsstreit zu suchen.

Ein bekanntes Muster der Regierung Trump: erst die verbale Eskalation, dann die Gespräche und schließlich doch ein Kompromiss. So auch dieses Mal. Es gab zwar keine Einigung, sondern lediglich einen Austausch von Forderungslisten — aber immerhin: Man will weiterverhandeln. „Es ist gut, irgendwo anzufangen“, schrieb die chinesische Staatszeitung „Global Times“ in einem Kommentar.

An der US-Börse sorgte dieses Trump-typische Vorgehen trotzdem immer noch für Unruhe — erstaunlich. Am Tag der China-Reise rutschten die Kurse im Tagesverlauf um mehr als 1,6 Prozent nach unten. Im weiteren Tagesverlauf erholten sich die Notierungen jedoch wieder deutlich. Schließlich gibt es abseits der Handels-Story noch andere Faktoren zu beachten. Etwa den Umstand, dass die Zahlen zu den Auftragseingängen der US-Industrie positiv überraschten. Und auch die neuen Arbeitsmarktzahlen wurden für gut befunden: Die Arbeitslosenquote war im April überraschend deutlich auf 3,9 Prozent gefallen und hat somit den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2000 erreicht.

So langsam muss sich ja auch was tun an der Börse! An der amerikanischen vor allem. Insgesamt waren die US-Anleger in den zurückliegenden Wochen nämlich sehr unentschlossen. Es ging nicht mehr recht vorwärts. Dies zeigt sich charttechnisch in einer großen Dreiecksformation, die sich seit dem Abverkauf von Ende Januar entwickelt hat. Anders beim DAX. Hier hat die Erholung deutlich mehr Zug nach oben, und der deutsche Leitindex nähert sich schon wieder der 13 000er-Marke.

Skeptiker machen sich jetzt Sorgen. Dass die Kurse sich so konträr entwickelten, sei Zeichen einer sich abzeichnenden „Bullenfalle“. Andere ...

Mittwoch, 2. Mai 2018

Schwerter zu Pflugscharen

Verbal wird abgerüstet: Donald Trump hält sich zurück. Und in Korea geschieht gar Historisches. Den Kursen an den Aktienmärkten tut das gut. Die Sommermonate könnten dieses Jahr erfreulich ausfallen.

Die Zinsen für zehnjährige amerikanische Anleihen sind jetzt also doch über die Schwelle von drei Prozent gestiegen. Das ist durchaus beachtenswert, lag doch die Rendite zuletzt im Jahr 2011 auf derart hohem Niveau. Die Stimmung an den Aktienmärkten war für einige Tage entsprechend schlecht. Bei drei Prozent, so war wohl die Überlegung, könnte doch der eine oder andere Anleger schwach werden und von Aktien in Anleihen umschichten. Doch es blieb dann bei einer nur kurzen Verunsicherung. Denn so einfach ist es eben doch nicht mit dem Zusammenhang von Zinsen und Aktien — nicht automatisch bedeuten steigende Zinsen fallende Aktienkurse.

So hat eine neue Studie der US-Bank JP Morgan noch einmal gezeigt, was erfahrene Börsianer ohnehin schon wissen: Historisch gesehen sind die Kurse an den Aktienmärkten in der Vergangenheit nämlich sogar gestiegen, wenn es mit den Renditen aufwärtsging — allerdings nur solange der Zins unter fünf Prozent blieb.

Beruhigend wirkte in den zurückliegenden Tagen zudem, dass sich laut einer aktuellen Umfrage die professionellen Geldverwalter zurzeit wohl erst ab einem Zinsniveau von 3,5 Prozent größere Sorgen machen. Das hilft, um als Anleger nicht wieder gleich panisch zu werden. Und weil zur selben Zeit auch noch die Friedensgespräche in Korea außerordentlich erfreulich verlaufen sind, hellte sich die Stimmung doch deutlich auf.

Wirklich wichtig für die Börsenentwicklung sind aber andere Faktoren: Das ...