Mittwoch, 9. Mai 2018

Von Delegationen und Spekulanten

Amerikaner und Chinesen suchen nach einer Lösung im Handelsstreit. Was zu erwarten war. Die Börse reagiert zunächst verschreckt, dann aber doch mit steigenden Kursen. Wie es weitergeht.

Man redet nun also doch miteinander. Eine hochrangige Delegation um den amerikanischen Finanzminister Steven Mnuchin, Wirtschaftsminister Wilbur Ross, den Handelsbeauftragten Robert Lighthizer sowie die Wirtschaftsberater Peter Navarro und Lawrence Kudlow war nach Peking gereist, um mit der chinesischen Regierung Lösungen im schwelenden Handelsstreit zu suchen.

Ein bekanntes Muster der Regierung Trump: erst die verbale Eskalation, dann die Gespräche und schließlich doch ein Kompromiss. So auch dieses Mal. Es gab zwar keine Einigung, sondern lediglich einen Austausch von Forderungslisten — aber immerhin: Man will weiterverhandeln. „Es ist gut, irgendwo anzufangen“, schrieb die chinesische Staatszeitung „Global Times“ in einem Kommentar.

An der US-Börse sorgte dieses Trump-typische Vorgehen trotzdem immer noch für Unruhe — erstaunlich. Am Tag der China-Reise rutschten die Kurse im Tagesverlauf um mehr als 1,6 Prozent nach unten. Im weiteren Tagesverlauf erholten sich die Notierungen jedoch wieder deutlich. Schließlich gibt es abseits der Handels-Story noch andere Faktoren zu beachten. Etwa den Umstand, dass die Zahlen zu den Auftragseingängen der US-Industrie positiv überraschten. Und auch die neuen Arbeitsmarktzahlen wurden für gut befunden: Die Arbeitslosenquote war im April überraschend deutlich auf 3,9 Prozent gefallen und hat somit den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2000 erreicht.

So langsam muss sich ja auch was tun an der Börse! An der amerikanischen vor allem. Insgesamt waren die US-Anleger in den zurückliegenden Wochen nämlich sehr unentschlossen. Es ging nicht mehr recht vorwärts. Dies zeigt sich charttechnisch in einer großen Dreiecksformation, die sich seit dem Abverkauf von Ende Januar entwickelt hat. Anders beim DAX. Hier hat die Erholung deutlich mehr Zug nach oben, und der deutsche Leitindex nähert sich schon wieder der 13 000er-Marke.

Skeptiker machen sich jetzt Sorgen. Dass die Kurse sich so konträr entwickelten, sei Zeichen einer sich abzeichnenden „Bullenfalle“. Andere ...
wiederum finden, es sei doch normal, dass die Kurse diesseits und jenseits des Atlantiks für eine gewisse Zeit auch mal auseinanderlaufen. So habe schließlich die US-Börse zu Beginn des Jahres die anderen abgehängt.

Was die USA angeht, haben Statistiker jedenfalls herausgefunden, dass es eine enorme Diskrepanz zwischen der Stimmungslage der Fundamentalanalysten auf der einen Seite gebe und jener der Charttechniker auf der anderen Seite — wobei Letztere die Pessimisten und Erstgenannte die Optimisten seien. Eine Diskrepanz, die sich irgendwann auflösen wird.

Es ist einfach ein Geduldsspiel. Es spricht jedoch immer noch viel dafür, dass der Markt weiter nach oben dreht und die alten Rekordstände zumindest noch einmal angelaufen werden. Die Marktbreite lässt dies erwarten, also die Anzahl steigender Aktien im Verhältnis zu den fallenden. Dazu kommen Kontraindikatoren wie etwa jene aktuelle Statistik, die zeigt, dass die großen Hedgefonds in extremem Maß auf fallende Nasdaq-Kurse gesetzt haben. „Crowded Short“ nennt man so eine Situation, wenn eigentlich keiner mehr da ist, der noch weitere Abwärtsspekulationen eingeht. Für die Spekulanten ist das gefährlich. Kommt der Abwärtstrend nicht, müssen sie ihre Positionen schließen, egal zu welchen Kursen. „Short Squeeze“ nennt man das dann im Jargon. Das spricht für eine Erholung.

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