Mittwoch, 11. Juli 2018

Der China-Faktor

Trotz der heftigen Zollstreitigkeiten zwischen den USA und der Volksrepublik gehen neue Prognosen von einem starken Wachstum in China aus. Ein Lichtblick für die kommenden Wochen?

Als Anleger wird man gerade mit einem Dilemma konfrontiert. Einerseits sind die Handelskonflikte und die protektionistischen Maßnahmen eine echte Gefahr für die Weltkonjunktur. Andererseits überzeugen die jüngsten Konjunkturdaten und Prognosen für die Unternehmensgewinne derart, dass man von weiter steigenden Kursen ausgehen kann. Allerdings bleibt da eben dieser mächtige Unsicherheitsfaktor: das unsägliche Kräftemessen rund um das Thema Zölle.

Das Dilemma zeigt sich auch in der Kurs-entwicklung der Börsen. Es geht seit Monaten seitwärts — wenn man mal vom starken Nasdaq-Index absieht. Enervierend. Wobei mit etwas gutem Willen in den zurückliegenden Tagen eine leicht positive Tendenz auszumachen ist. Was an einigen Überraschungen liegt. So ist in den USA der ISM-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes unerwartet deutlich gestiegen. In der Vergangenheit war dies immer ein guter Frühindikator.

Gute Nachrichten kamen auch vom US-Arbeitsmarkt. So sind außerhalb der Landwirtschaft im Juni netto 213 000 neue Jobs vergeben worden, gleichzeitig revidierte das Statistikbüro die Werte für April und Mai nach oben. Weil zudem die Löhne nur moderat gestiegen sind, hat die US-Notenbank Fed weniger Druck, was die Zinserhöhungen angeht.

Auch in Europa gab es die eine oder andere positive Tendenz: bessere Werte beim Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich zum Beispiel. Oder den Citigroup Economic Surprise Index, der seit vergangener Woche tatsächlich etwas aus dem Keller kommt, nachdem er seit dem zurückliegenden Winter nur gefallen war. Der Index misst, ob neue Konjunkturdaten positiv oder negativ überraschen.

Trotz des schwelenden Handelskonflikts mit den USA gibt es sogar in der Volksrepublik China Anzeichen für eine bessere Konjunkturentwicklung. Während man bisher von 6,2 bis 6,5 Prozent Wachstum ausging — wir haben erst zurückliegende Woche darüber geschrieben —, lassen die allerneuesten Daten aus Peking nun sogar wieder Prognosen von acht Prozent plus zu! So schnell dreht ...

Mittwoch, 4. Juli 2018

Gefeiert wird trotzdem

Zum 30. Geburtstag des DAX gab es kein Kursfeuerwerk. Zu sehr bestimmen immer noch die Pessimisten die Stimmung an den Börsen. Vor allem in Europa, weniger in den USA. Warum das so ist.

Bloß kein Risiko — so ist seit einigen Wochen die Stimmung an den Märkten. Anscheinend gehen viele Börsianer derzeit davon aus, dass sich die Weltwirtschaft und damit auch die Börsen künftig weniger schnell drehen. Die protektionistischen Maßnahmen der US-Regierung haben sicher ihren Teil dazu beigetragen. Und die konjunkturelle Entwicklung scheint somit auf der Kippe.

Interessant am aktuellen Börsentrend ist dabei, dass sich US-Aktien im Vergleich zu Papieren aus Europa oder den Schwellenländern relativ gut halten. Und dies ist durchaus als Warnsignal zu werten, wenn die „Marktbreite“ abnimmt. So notieren von allen Börsen weltweit inzwischen mehr Indizes unter als über dem Gleitenden 200-Tage-Durchschnitt. Als Anleger fragt man sich da, ob dies nun fantastische Kaufgelegenheiten sind oder doch ein Indiz dafür, dass eine globale Rezession vor der Tür steht.

Die Argumente der Pessimisten haben durchaus was für sich. So fallen etwa die Economic Surprise Indizes seit Monaten — weltweit. Diese Indizes messen, ob frisch veröffentlichte Konjunkturdaten positiv oder negativ überraschen. Aktuell ist insgesamt eher Letzteres der Fall. Ist das also jetzt der Anfang vom Ende des seit 2009 anhaltenden Börsenaufschwungs?

Um diese Frage zu beantworten, muss man die drei großen Wirtschaftsblöcke unter die Lupe nehmen: die USA, China und Europa. Und um es vorwegzunehmen: Es ist noch nicht alles verloren!

Die USA stehen am besten da. So liegt die aktuelle Schätzung für das Wachstum im zweiten Quartal bei 4,5 Prozent! Im Gegensatz zu anderen Wirtschafts-Schwergewichten wie etwa Europa und Japan sind die Wachstumsschätzungen in diesem Jahr in Relation zu früheren Prognosen sogar übertroffen worden. Und passend dazu werden auch die Gewinnerwartungen der Unternehmen weiter angehoben. Insgesamt stehen die Vereinigten Staaten gut da — unwahrscheinlich, dass von dort eine weltweite Rezession ausgehen wird.

Mit China ist das schon eine andere Sache: Das Wachstum ...