Mittwoch, 29. August 2018

Jetzt aber geschwind

Von wegen Sommerloch. Die Börsenkurse tendieren nach oben. Vor allem in den USA, wo sogar neue Rekordstände erreicht wurden. Zwei Faktoren sind dafür derzeit entscheidend.

Neue Rekorde an der Wall Street! Sowohl der Technologie-Index Nasdaq Composite als auch der marktbreite Index S & P 500 schafften ein neues Allzeit­hoch. Bei Letzterem ist das besonders bemerkenswert, waren doch große Zweifel aufgekommen, ob der schon im Januar erreichte bisherige Rekord überhaupt noch einmal erreicht werden kann. Und ob es damit nun die längste oder doch nur die zweitlängste Börsenrally aller Zeiten ist. Darüber wird in diversen Medien heftig gestritten — geschenkt!

Der DAX legte im Sog der US-Börsen zwar auch zu, ist aber deutlich von seinen bisherigen Rekorden entfernt. Was nicht wundert, ist der Index schließlich voll mit Problemunternehmen — Banken, Automobil­titel, Versorger. Ein „Lazarett“, findet Börsenexperte Robert Halver.

An der Wall Street jedenfalls reagierte man auf zwei Dinge positiv: zum einen auf den Abschluss eines bilateralen Handelsabkommens der USA mit Mexiko. Dieser Vertrag soll das bisherige NAFTA-Abkommen ersetzen. Manko: Kanada ist da noch außen vor. Und zum anderen hat die US-Notenbank Fed ...
noch einmal ihren Kurs klargestellt: Sie hält an schrittweisen Zinserhöhungen fest. Gesagt hat dies nicht irgendwer aus einem der Gremien der amerikanischen Zentralbank, nein, es war Fed-Chef Jerome Powell höchstpersönlich: Es seien „weitere Zinsschritte wahrscheinlich, wenn das starke Wachstum bei Einkommen und Arbeitsplätzen anhält“, ließ er während der alljährlich stattfindenden Notenbankerkonferenz in Jackson Hole am Rande der Rocky Mountains wissen.

Powells Aussage zeigt ganz gut, dass die Fed sich auf einer Gratwanderung befindet. Die Notenbank muss eine Überhitzung der Wirtschaft verhindern und gleichzeitig sensibel genug agieren, um nicht den aktuellen Aufschwung abzuwürgen. Dass es trotz historisch niedriger Arbeitslosigkeit kein Inflationsproblem gibt, könnte Powell und Co dabei in die Hände spielen. Aktuell notiert die Kern­inflationsrate, also der für die Fed entscheidende Maßstab, bei lediglich 1,9 Prozent, also (noch) nicht oberhalb der Zielmarke von 2,0 Prozent. Insgesamt sollte also der Mix aus gut laufender US-Konjunktur und moderatem Inflationsdruck dafür sorgen, dass es zwei weitere Zinsanhebungen bis Jahresende geben wird — die nächste wohl schon im September.

Gut ist die Stimmung nicht nur an der Wall Street. Auch hierzulande ist man wieder besser gelaunt. So stieg der Geschäftsklima-Index des Münchner Ifo-Instituts um 2,1 Punkte auf 103,8 Punkte an. Es ist der erste Anstieg seit November vergangenen Jahres. Der wichtigste Früh­indikator für die deutsche Konjunktur hatte sich in den Vormonaten wegen des Handelskonflikts zwischen den USA, der EU, China und anderen Ländern merklich eingetrübt.

Jetzt also die Kehrtwende: „Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Sommerhoch“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Neben einer starken Binnenkonjunktur trägt der Waffenstillstand beim Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten zur besseren Stimmung bei.“ US-Präsident Donald Trump sagte vor wenigen Wochen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zu, vorerst auf weitere Zölle auf europäische Autos verzichten zu wollen. Statt­dessen soll es sogar Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren geben. So viele gute Nachrichten mitten im Sommer! Da könnte man als Anleger ja fast wieder optimistisch werden.

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