Mittwoch, 8. August 2018

Wall Street gibt die Richtung vor

Trump gibt’s, Trump nimmt’s. Fast scheint es so, als ob man die Börsenbewegungen der vergangenen Wochen auf diesen simplen Nenner bringen könnte. Oder ist doch alles nur Geplänkel?

Es läuft wie schon das ganze Jahr: Die US-Börsen rennen vorneweg, und die anderen Marktplätze kommen da nicht recht mit. Gewissermaßen stecken DAX und Euro Stoxx ein bisschen im Sommerloch, während es an der Wall Street fast schon hitzig zugeht. Stand Redaktionsschluss notierte der marktbreite US-Aktienindex S & P 500 sogar kurz vor einem neuen Allzeithoch.

Diesseits des Atlantiks geht es jedoch, wenn überhaupt, nur langsam voran; die gute Laune nach dem positiv verlaufenen Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker scheint schon wieder verflogen. Vermutlich auch deswegen, weil der US-Präsident immer wieder neue Konflikte anzetteln will oder alte verschärft. Stichwort Iran-Sanktionen beispielsweise. Und vor allem, weil eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China immer noch nicht vom Tisch ist.

Es geht hin und her. So provoziert Trump China erneut mit der Androhung noch höherer Strafzölle als bislang geplant. Und Peking antwortet mit der Ankündigung „unausweichlicher“ Gegenmaßnahmen. Es ist fast zu befürchten, dass sich dieses Geplänkel im schlimmsten Fall bis zur US-Kongresswahl am 6. November hinzieht. Es steckt schlicht viel Trump’scher Wahlkampf hinter seinen Aktionen. Der Präsident fürchtet sich vor einem — durchaus denkbaren — Sieg der Demokraten, was ihm das Regieren dann sehr schwer machen würde.

Also nur viel Lärm um nichts? „Nach der Wahl werden sich die Wogen glätten“, erwartet jedenfalls Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank. „Selbst die Trump-Administration wird auf günstige Vorprodukte aus China ebenso wenig verzichten wollen wie auf die kaufkräftigen Absatzmärkte im Reich der Mitte.“

Tatsächlich ...
kann man die teils richtungslosen Börsen auch positiv interpretieren: Der Aktienmarkt beweist durchaus Steherqualitäten — trotz aller Krisen, die die Weltkonjunktur bedrohen oder sogar das Finanzsystem schädigen könnten. Zu tun hat dies nach wie vor mit den Notenbanken. Die Europäische Zentralbank bleibt weiterhin expansiv, ebenso die japanische Notenbank. Und sogar der amerikanischen Fed dürfte klar sein, dass sie keinen zu harten Kurs fahren darf, um keine Schuldenkrise zu riskieren.

Denn neben der öffentlichen Verschuldung hat auch die private neue Höchststände erreicht. „Die Fed dürfte beim Sitzungstermin im September neben einer ohnehin erwarteten Leitzinserhöhung auf dann 2,25 Prozent ihre Wortwahl vermutlich von ‚akkommodierend‘ auf ‚neutral‘ ändern“, so Marktexperte Halver.

Was also tun als Anleger? Investiert bleiben, das dürfte wohl der beste Rat sein. Denn was die Stimmung angeht, ist die Skepsis hinsichtlich der zukünftigen Aktienmarktentwicklung zurückgegangen, gleichzeitig ist von Euphorie, die eine Überhitzung an den Börsen anzeigen würde, kaum etwas zu spüren. In Deutschland haben sich beispielsweise private und institutionelle Anleger zuletzt extrem stark gegen fallende Kurse abgesichert, während die Investitionsquote der US-Profis auf einem vergleichsweise moderaten Niveau verharrt.

Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass sich die konjunkturelle Entwicklung in einer weit fortgeschrittenen Phase befindet und es sich lohnen dürfte, das Depot langsam, aber sicher etwas defensiver zu strukturieren.

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