Mittwoch, 15. August 2018

Warnsignale

Noch halten sich die Märkte passabel – trotz immer neuer Krisen und Probleme. Hauptgrund sind vor allem die hervorragenden Unternehmensergebnisse. Doch wie lange geht das noch gut?

Jede Woche ein neuer Hammer! 2018 ist alles andere als ein langweiliges Börsenjahr, so viel ist jetzt schon klar. Aktuell ist es der Verfall der türkischen Lira, der die Anleger in Atem hält und der zuletzt so dramatisch ausfiel, dass sogar die internationalen Aktienmärkte deswegen unter Druck kamen — insbesondere ­europäische Bankwerte.

Dass das Ganze mittlerweile globale Dimensionen angenommen hat, zeigt auch der Devisenmarkt. Insgesamt sind inzwischen auch andere Schwellenländer-Währungen unter Druck. Man kann die Lira-Krise als kleinen Vorgeschmack dafür deuten, was los wäre, wenn größere Emerging Markets als die — nun ja — doch nicht ganz so gewichtige Türkei unter Druck geraten. Aber vielleicht muss man das alles auch positiv sehen: Spätestens jetzt ist man als Anleger gewarnt, dass die Dinge auch mal so richtig schieflaufen können und es ein verheerender Fehler wäre, sich allzu sicher zu sein, was die eigenen Aktieninvestments angeht.

Da fallen dann auch die eigentlich sehr guten Fundamentaldaten plötzlich nicht mehr so ins Gewicht. In den USA beispielsweise haben 79 Prozent der Unternehmen in der gerade abgeschlossenen Berichtssaison die Erwartungen beim Gewinn übertroffen und 72 Prozent die Umsatzschätzungen. In Summe sind damit die Gewinne im Vergleich zum Vorjahr um sagenhafte 25 Prozent gestiegen — noch besser lief es nur im dritten Quartal 2010 mit über 34 Prozent Plus.

Das Problem dabei...
Für die Börse ist das schon wieder Vergangenheit. Wichtiger ist, ob die Unternehmen auch künftig so außerordentlich gute Zahlen liefern können. Und da sind Zweifel erlaubt.

Von großer Bedeutung ist hier weiterhin die Politik der Notenbanken. Und entscheidend für deren Aktionen ist vor allem die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Und da ist es durchaus möglich, dass bald die Löhne signifikanter steigen als bisher, weil gerade in den USA der Arbeitsmarkt inzwischen leer gefegt ist. Und höhere Löhne sind ein Belastungsfaktor für die Unternehmenserlöse. Außerdem käme die US-Fed unter Druck, um möglichen Inflationsgefahren vorzubeugen. Die Zinsen könnten dann deutlicher steigen als bisher angenommen. Das wiederum verteuert Privat- und Firmenkredite und drückt auf die Margen.

In so einem Fall wird dann wohl auch die Bewertung an den Märkten zu einem Problem. Das erwartete Zwölfmonats-KGV notiert aktuell bei 16,6. Das ist klar höher als der Zehnjahresdurchschnitt von 14,4. In Zeiten steigender Gewinne ist das nicht dramatisch, was auch der Umstand zeigt, dass die hohe Bewertung schon seit 2013 anhält. Schwierig wird es, wenn die Gewinnsteigerungen nicht mehr so hoch ausfallen. Zusammen mit eventuell stärker steigenden Zinsen könnte dies den Bullenmarkt beenden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das synchrone Wachstum der Weltwirtschaft vorbei zu sein scheint. Die Märkte sind sensibler und volatiler — wegen der Handelskonflikte, dem Brexit-Problem, dem Ausgang der Italien-Wahl, dem Absturz der Kryptowährungen und der schwächelnden Emerging Markets. Und dazu kommt eben, dass die Notenbanken allmählich Liquidität zurückzuführen — und das in einer späten Phase des Konjunkturzyklus. Die Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank, das reduzierte Anleihekaufprogramm der EZB und weniger Geldmengenwachstum machen sich bemerkbar. Es wird schwierig.

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