Donnerstag, 20. September 2018

Die Macht der zwei Kom­po­nen­ten

Die Märkte tendieren weiterhin eher seitwärts. Die Gründe dafür sind bekannt. Wobei viele Anleger derzeit die negativen Aspekte höher bewerten als die positiven.

Von der Ruhe, die im vergangenen Jahr die Märkte dominierte, ist in diesem Jahr wenig geblieben. Vielleicht auch kein Wunder: Viele Aktien sind recht hoch bewertet und notieren gleichzeitig -gerade an der US-Börse -nah an ihren Rekordständen. Externe Faktoren bringen die Märkte dann schneller aus dem Gleichgewicht, als Anleger es in den vergangenen Jahren gewohnt waren.

Gemeint ist dabei vor allem die Krise im Welthandel, die immer neuen Zölle und Beschränkungen. Gerade weil man sich keinen rechten Reim auf die gegenseitigen Drohungen im Handelsstreit machen kann, nehmen die Schwankungen der Märkte zu. "Jede Seite stellt die andere auf die Probe und testet die Schmerzgrenze aus, um die eigentlichen Ziele zu erkennen. Das irritiert die Märkte", sagt beispielsweise Matt Miller, Volkswirt von Capital Group.

Das zweite Problem sind die Bewertungen. Unter Investoren steigt die Sorge, dass es deswegen irgendwann zu einer deutlicheren Korrektur ...
kommt, als es bislang der Fall war - immerhin dauert der Bullenmarkt ja auch schon mehr als neun Jahre an. Die Sorge jedoch sei nur bedingt berechtigt, findet Jeroen Blokland, Portfoliomanager bei Robeco.

Er verweist darauf, dass das wichtigste Bewertungskriterium, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), schließlich nicht nur aus der Komponente "Kurs", sondern auch aus der Komponente "Gewinn" bestehe. Solange Letzteres stark bliebe, sei alles in Ordnung. "In den letzten Monaten und sogar Jahren wurde viel über die Bewertungen von Aktien gesprochen, vor allem über das KGV von US-Werten", stellt Blokland fest. "Auch wenn die US-Aktienmärkte sicher nicht billig sind, wird die Entwicklung an den Märkten doch tatsächlich durch die Gewinnkomponente bestimmt." Denn es ist schlicht so, dass die Gewinndynamik der Unternehmen ungebrochen ist.

Fragt sich nur, inwieweit das erste Problem -die Zölle -sowie die künftige Zinspolitik der wichtigen Notenbanken die Komponente "Gewinn" negativ beeinflussen. "Die Macht der Gewinne sollte nicht unterschätzt werden", sagt Blokland. Das gilt allerdings für beide Richtungen.

Kommentare:

  1. In der Antike hieß es: Alle Wege führen nach Rom! Heute heißt es doch: Wenn Amerika niest, bekommt der Rest der Welt Schnupfen. Ich bin daher der Meinung, dass die die Unsicherheiten an den Märkten in erster Linie aus Amerika kommen. Und das Hauptproblem sind die steigenden Zinssätze. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen scheinen sich inzwischen über 3% verfestigt zu haben, liegen aktuell bei ca. 3,2%. Die US-Inflation (2,27%) liegt allerdings noch nicht im kritischen Bereich (Prof. Otte hatte dafür mal in einer Kolumne die Marke von 3,75% ausgegeben). Besondere Unsicherheit kommt aber von den US-Zwischenwahlen. Gewinnen die Demokraten die Oberhand, könnte die Trump'sche Politik lahm gelegt werden, was nicht gut für die Märkte ist. Es könnte sein, dass die Märkte das vorweg zu nehmen scheinen.

    Deutschland leidet natürlich auch direkt und indirekt unter der Trump'schen Handelspolitik. Aber ich würde auch sagen, dass der Aufschwung noch intakt ist. Die Probleme in Italien sind lösbar, wenn sich EU und die italienische Regierung auf einen Kompromiss einigen und die Europäische Zentralbank im Anschluss wieder neue italienische Staatsanleihen kauft. Ansonsten (Euro-Austritt Italiens) kann es natürlich zur Katastrophe kommen. Übrigens: Verglichen mit den 10-jährigen US-Staatsanleihen mit 3,2% sind die 10-jährigen italienischen Anleihen mit 3,4% eigentlich nicht zu hoch….

    Auch die USA dürften noch nicht unmittelbar vor einer Rezession stehen. Insofern ist es durchaus möglich, dass wir an den Märkten nur einen Rücksetzer und noch keinen Bärenmarkt haben.

    AntwortenLöschen
  2. ... sorry habe mich vertan. Der Kommentar gehört zu dem Blümel-Beitrag vom 24. Oktober (Kann also an dieser Stelle gelöscht werden).

    AntwortenLöschen