Mittwoch, 21. November 2018

Komplizierte Frustbewältigung

Der aktuelle Nachrichtenmix sorgt nicht gerade für gute Laune an der Börse. Im Gegenteil. Viele Faktoren sprechen dafür, dass die Jahresendrally dieses Mal ausfällt. Oder passiert doch noch etwas unerwartet Positives? 

Spaß macht das alles gerade nicht. Die Unsicherheit an den internationalen Börsen lässt einfach nicht nach. Schuld ist ein Mix aus politischem Ärger, Angst vor einer neuen Eurokrise, steigenden Zinsen in den USA und einer langsamen Abschwächung der weltweiten Konjunkturdynamik — gut zu sehen am Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts wegen der Schwäche der Autoindustrie. Insgesamt sieht es nicht nach Besserung in all diesen Bereichen aus.

Vor allem die Politik steht weiter im Fokus. Beispielsweise der Haushaltsstreit der EU-Kommission mit der italienischen Regierung – die Kommission tagt dazu auch schon wieder. Außerdem findet am Wochenende ein EU-Sondergipfel zum Brexit statt. Und beides sind eher Termine, die für noch mehr Verdruss sorgen als für Hoffnung.

Beispiel Brexit: Den britischen Forderungen nach einer Neuverhandlung des Vertragsentwurfs erteilten Deutschland und andere EU-Staaten eine Absage. Gleichzeitig steht Premierministerin Theresa May stark unter Druck und muss sich womöglich einem Misstrauensvotum stellen. „Die Aussicht auf eine Kursrally zum Jahresende ...
rückt wegen all dieser Probleme weiter in die Ferne“, kommentiert Olivier de Berranger, Investmentchef bei der Vermögensverwaltung La Financière de l’Echiquier, die Situation. „Ohne Unterstützung durch positive gesamtwirtschaftliche Daten wird die Unsicherheit die Entwicklung der Märkte weiter belasten und den Anstieg der Volatilität befeuern“, ist sich de Berranger sicher.

Dazu trägt bei, dass auch von der Wall Street derzeit keine News kommen, die für Entlastung sorgen. Hier ist es immer noch der US-Handelsstreit mit China, der die Kauflaune dämpft. Außerdem drückten Kursrückgänge beim Schwergewicht Apple auf die Stimmung. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, hielten sich zuletzt viele Anleger wegen des Thanksgiving-Feiertags am Donnerstag mit Käufen zurück. Wer will sich derzeit schon nach vorn wagen? Spaß macht das derzeit alles nicht.

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