Mittwoch, 26. Dezember 2018

Was den Bären stoppen könnte

Es sieht mau aus an den Börsen, der Verkaufsdruck ist hoch. Die Probleme sind komplex, schnelle Lösungen daher eher fraglich. Für Geduldige könnte 2019 aber trotzdem gute Gelegenheiten bieten.

Derzeit gibt es wenig Positives von den Märkten zu berichten. Es bleibt schwierig. Da gibt es die Unsicherheiten rund um den Handelskrieg. Dann die merkliche Schwäche in China und Europa. Und schließlich ist immer öfter die Rede von einer nahenden Rezession, Ende 2019, Anfang 2020 — oder man spricht zumindest davon, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession stark zugenommen hat. Weil gleichzeitig die Kurse schwächeln und damit auch charttechnisch einiges an Porzellan zerbrochen wurde, darf man an der Börse von einer heftigen Korrektur sprechen, die sich eventuell in einen massiven Bärenmarkt auswächst.

Das klingt düster. Doch wie immer an der Börse sind die Dinge nicht eindeutig. Konkret könnten zwei Aspekte dazu beitragen, dass sich das Rezessionsszenario doch noch in Luft auflöst. Dies wäre zum einen ein signifikanter Durchbruch bei den sinoamerikanischen Verhandlungen rund um das Thema Handel. Zum anderen wären es neue fiskalische Geschenke aus Washington. Beides hat das Potenzial, eine Euphorie auszulösen und die drohende weltweite Rezession zu einer konjunkturellen Delle abzuschwächen, Aktienmarktrally inklusive. Etwas Ähnliches haben wir 2011 erlebt, als die Europäische Zentralbank mit zusätzlichem Geld die Griechenland-Krise abfing — und damit ebenso die rutschenden Aktienkurse.

Zwei Aspekte also, die den Bärenmarkt stoppen können ...
Das Problem ist nur, dass kaum einzuschätzen ist, wie hoch die Eintrittswahrscheinlichkeit ist. Nehmen wir den Handelsstreit: Hier gibt es offenbar ernst zu nehmende Angebote der chinesischen Seite. Man will mehr Sojabohnen und Flüssiggas aus amerikanischer Produktion abnehmen, den Zoll auf US-Fahrzeuge von 25 auf zehn Prozent senken und ausländischen Investoren mehr Rechte einräumen. Schön und gut. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail, und der amerikanische Unterhändler Robert Lighthizer merkte schon an, dass man sich mit „Vorschlägen“ nicht zufrieden gebe, sondern „nachprüfbare Aktionen“ erwarte. Das klingt nach einem langen, zähen Prozess — und da ist die Wundertüte Donald Trump noch gar nicht berücksichtigt.

Ähnlich sieht es mit den Geldspritzen aus. Hier besteht die Hoffnung darin, dass Trump und die stärker gewordenen Demokraten eine gemeinsame Basis finden, um die mögliche Rezession abzuwenden. Dass beide Seiten ausgabefreudig sind, ist bekannt. „Werft die Druckerpressen an“, soll Trump neulich einmal gesagt haben, ohne dass klar war, ob er dies nun scherzhaft meinte oder nicht. Die Demokraten wiederum würden nur allzu gern mehr Geld im Bereich Krankenversicherung und Gesundheitswesen ausgeben. Warum also nicht einfach noch mehr Schulden machen? Die USA sind laut IWF ohnehin schon die einzige entwickelte Nation, die auf Sicht von fünf Jahren den Verschuldungsgrad in Relation zum Inlandsprodukt ausweitet.

Insgesamt sind das viele Unwägbarkeiten auf mittlere Sicht. Man sollte sich also nicht wundern, wenn es weiter bergab geht. Allerdings zeigt die Statistik, dass die US-Börse im Jahr vor einer US-Präsidentschaftswahl immer (!) zugelegt hat. Schlicht weil der Amtsinhaber und die Herausforderer sich Mühe geben, auf ökonomischer Seite zu punkten. Da 2020 in den USA gewählt wird, sind die Chancen für ein Comeback der Börsen gar nicht schlecht — irgendwann im Verlauf des kommenden Jahres.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen