Mittwoch, 30. Januar 2019

Gelungener Neustart

Der Börsen-Januar endet deutlich im Plus. Vor allem weil die US-Notenbank in diesem Jahr flexibler agieren will. Ein konjunktureller Abschwung scheint jedenfalls so schnell nicht in Sicht.

Die Börsen laufen wieder besser. Auch wegen der US-Notenbank Fed. Zum Jahreswechsel vollzog sie einen signifikanten Strategieschwenk und bleibt jetzt bewusst „hinter der Kurve“. Anders gesagt: Die Fed will in diesem Jahr „lieber zu spät als zu früh“ agieren, will vorsichtig und flexibel bleiben. 2019 wird es also wohl keine zwei Zinserhöhungsschritte geben — so wie man es im Vorjahr noch angenommen hatte.

Die Fed hat damit auf die jüngeren Wirtschaftsentwicklungen reagiert: Zum einen ist die US-Inflation trotz des dynamischen Arbeitsmarkts und eines gewissen Lohndrucks moderat. Zum anderen haben die Risiken für die Konjunktur zugenommen: vor allem das langsamere Wachstum gerade in China und in Europa und dazu die viel zitierten politischen Probleme auf dem Globus — von Brexit bis Handelsbeschränkungen.

So oder so ist aber klar: Die USA befinden sich in der Spätphase des laufenden Konjunkturzyklus. Und da ist es für Anleger nie leicht. Die Fed hat mit dem Strategiewechsel nun allerdings für etwas Entspannung gesorgt. Dies beeinflusst auch die Frage, ob und wann die nächste Rezession kommt. Vermutlich wird der nächste Abschwung aber weniger heftig ausfallen als jener der Vergangenheit. Das liegt an besagter flexibleren Haltung der Notenbanken — neben der Fed betrifft das auch die EZB und die Bank of Japan — und auch daran, dass die Wirtschaftszyklen der führenden Volkswirtschaften in den zurückliegenden Jahrzehnten insgesamt stabiler geworden sind.

Herausgefunden haben das die Geldverwalter von JP Morgan Asset Management in einer Untersuchung der elf US-Rezessionen der Nachkriegszeit. Ergebnis: Man kann künftig mit weniger heftigen Abschwüngen rechnen, aber auch mit weniger starken Aufschwüngen. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Der nächste Abschwung könnte später eintreten, als bislang von den meisten erwartet ...

Mittwoch, 23. Januar 2019

Trau, schau, wem

Der gute Start ins Börsenjahr hat viele überrascht. Dabei sind die Indikatoren gar nicht schlecht, wenn man sie denn richtig interpretiert. Trotz Brexit, trotz China, trotz Querelen in den USA.

Das Wichtigste gleich vorweg: Die Handelsgespräche zwischen China und den USA scheinen inzwischen besser zu laufen. Seit vergangener Woche verhandelt eine amerikanische Delegation in Peking. Und anscheinend hat die chinesische Seite einen Schritt nach vorn gemacht und verspricht, deutlich mehr aus den Vereinigten Staaten zu importieren. Das Volumen des Angebots könne für Entspannung im Konflikt sorgen, heißt es aus Peking. Allerdings sind Punkte wie der Technologietransfer oder der Import von landwirtschaftlichen Produkten nach China noch strittig. Einigen sich beide Wirtschaftsmächte, könnte sich die Erholung an den globalen Börsen fortsetzen.

Mit dieser Perspektive sind die Märkte gut ins Jahr gestartet. Aufwärts ging es vor allem an den Schwellenländerbörsen, aber auch Wall Street und etliche europäische Börsen haben sich bislang erfreulich entwickelt. Vielleicht ist es so, dass spiegelverkehrt zu den viel zu optimistischen Erwartungen an die Börsen im vergangenen Jahr der Blick auf 2019 viel zu negativ ist.

Abseits vom politischen Geschehen sind die Indikatoren auch gar nicht so schlecht. Wieder etwas positiver entwickelte sich hierzulande zuletzt etwa der ZEW-Index, der die mittelfristigen Erwartungen von 400 Analysten und institutionellen Anlegern bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung widerspiegelt. „Es ist bemerkenswert, dass sich die Konjunkturerwartungen für Deutschland angesichts der zahlreichen weltweiten Risiken nicht weiter verschlechtert haben“, kommentiert ZEW-Präsident Achim Wambach. Vieles sei wohl schon in den Vormonaten vorweggenommen worden.

Die neuen Daten aus China sind ebenfalls passabel, obwohl so manche Schlagzeile anderes suggeriert ...

Mittwoch, 16. Januar 2019

Gute Gelegenheiten

Auch wenn die Risikofaktoren nicht weniger geworden sind, so sind die Chancen an der Börse auch wegen des radikalen Ausverkaufs im vergangenen Quartal erheblich besser geworden.

Wie schnell sich die Dinge ändern. Zwischen Oktober und Jahresende sah es noch richtig mau aus. Ein kräftiger Abschwung, vielleicht eine Rezession schienen im Verlauf des Jahres 2019 angesichts der vielen politischen und konjunkturellen Probleme durchaus möglich. Außerdem waren einige Branchen regelrecht überhitzt gewesen, und in manchen Ländern, etwa in China, schien die Kreditvergabe aus dem Ruder gelaufen zu sein. Alles ordentliche Exzesse, die eben irgendwann korrigiert werden mussten.

Die Börse war im Schlussquartal 2018 entsprechend schwach und rutschte ab. Die gute Nachricht dabei: Das in diesem Jahr wohl schwächer ausfallende Wirtschaftswachstum dürften die niedrigeren Kurse inzwischen widerspiegeln. Und noch besser: Tatsächlich war der Kursrutsch so schnell und heftig, dass auf dem aktuellem Niveau vermutlich sogar eine — milde — Rezession in den Kursen enthalten ist. Und das, obwohl die Gefahr einer Rezession laut der neuesten Indikatorlage sogar wieder gefallen ist.

Allerdings sind die Risikofaktoren damit nicht vom Tisch. Und die sind nicht weniger geworden. Die Schlagwörter sind bekannt: Es geht um den chinesisch-amerikanischen Handelsstreit, den Zoff zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Kongress (Government Shutdown), dazu die amerikanische Zinspolitik. Es geht um den Brexit, Italien, Bankenprobleme im Euroraum, strukturelle Krisen im Automobilbau und generell die nachlassende Gewinndynamik der Firmen.

Weil Aktien im großen Ganzen aber jetzt deutlich billiger sind, haben ...

Donnerstag, 10. Januar 2019

Den Mutigen gehört die Welt

Mit aller Vorsicht – es sieht nach einer Bodenbildung an den Börsen aus. Vermutlich auch, weil die US-Notenbank flexibler scheint als gedacht. Jetzt muss nur noch die Politik mitspielen.

War das jetzt schon genug Panik in den zurückliegenden Wochen? Genug Panik, um alle nervösen Anleger aus dem Markt zu kegeln? Zeitweise jedenfalls ging es ordentlich berg­­ab, und die Stimmung an den Börsen war teils miserabel. Beispielsweise im Technologiesektor. Je angesagter in den zurückliegenden Monaten und Jahren die Aktie, desto stärker fiel meist das Minus aus — Ausnahmen bestätigen dabei die Regel. Die Luft aus jenen Sektoren, deren Wertentwicklung schon etwas Blasenartiges hatte, ist damit entwichen — zumindest teilweise.

Doch reicht dieser eine lange Kursrutsch als Konsolidierung aus und wird zur Basis wieder steigender Notierungen? Oder kommt da noch mehr, ein weiterer Rutsch, irgendwann demnächst, wenn die Kurse sich etwas mehr stabilisiert haben?

Möglich sind beide Szenarien. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass die Rezessionsgefahr in der Welt weiterhin gering ist, dann könnte dieser Bärenmarkt schneller vorbei sein, als manche sich dies vorstellen mögen. Vielleicht läuft es ähnlich ab wie ...

Mittwoch, 2. Januar 2019

Mit Schmackes ins neue Jahr

So heftig wie aktuell ging es in einem Börsen-Dezember selten abwärts. Doch sind das jetzt wirklich schon Einstiegskurse? Der US-Präsident findet: ja. Es gibt aber auch Gegenargumente.

Der Übergang ins neue Jahr war spektakulär: Zunächst markierte der Dow Jones mit einem Minus von 650 Punkten den größten Verlust aller Zeiten an einem letzten Handelstag vor Weihnachten. Am ersten Börsentag danach — als Europas Märkte noch geschlossen waren — ging es dann wieder aufwärts: Der US-Leit-index stieg um fast 1090 Zähler. Dies wiederum war nach Punkten der größte Anstieg aller Zeiten.

Doch wie war es dazu gekommen? Vor-angegangen waren anscheinend einige Telefonate des amerikanischen Finanzministers Steven Mnuchin mit den Chefs mehrerer US-Großbanken. Und damit nicht genug: Vor der Wiedereröffnung der Börsen hatte sogar US-Präsident Donald Trump seinen Landsleuten geraten, den Kursrutsch der zurückliegenden Wochen zu nutzen. „Ich denke, es ist eine großartige Gelegenheit, um jetzt Aktien zu kaufen. Wirklich eine großartige Gelegenheit“, sagte der Präsident wortwörtlich vor Reportern. Er habe „großes Vertrauen“ in Amerikas Unternehmen.

Interessanterweise ist es nicht das erste Mal, dass ein amerikanisches Staatsoberhaupt zum Aktienkauf rät. Barack Obama hat dies auch getan, im März 2009, kurz bevor die Märkte tatsächlich wieder nach oben drehten. Auch Ronald Reagan und Richard Nixon äußerten sich ähnlich zur Börse, um zwei weitere Beispiele zu nennen. Keiner tat dies jedoch so häufig wie Trump, der sich 2018 insgesamt 35-mal via Twitter in Sachen Börse zu Wort meldete.

Sicherlich war es aber nicht der Präsident allein, der für die wieder steigenden Notierungen gesorgt hat. Zum einen war eine Gegenreaktion nach den verheerenden Dezember-Wochen schlicht überfällig. Zum anderen kam es auch deswegen zur Kursrally, weil der US-Kongress eine Senkung der Körperschaftsteuer beschlossen hat. Gut für die amerikanischen Unternehmen, jedoch schlecht für den ohnehin arg strapazierten US-Staatshaushalt. Ob die jüngsten guten Börsentage der Beginn einer Trendwende nach oben sind, bleibt jedoch fraglich. Die Exzesse der vorangegangenen Monate und Jahre scheinen noch nicht ausgeglichen — auch wenn der US-Aktienmarkt den schlechtesten Dezember seit 1931 erlebt hat. Und das, obwohl das Jahresende traditionell eine der stärksten Phasen am Aktienmarkt ist.

Es gibt also Gründe, skeptisch zu sein. Die Weltkonjunktur schwächt sich ab, und die US-Notenbank Fed hebt den Leitzins kontinuierlich an, was die Kredite verteuert. Manch einer findet sogar, die Fed habe in ihren Anstrengungen übertrieben, was die „Normalisierung“ des Geldmarkts angeht. Dazu kommen dann noch die Konflike zwischen China und den USA sowie der endlose Brexit-Ärger.

So wie sich die Kurse entwickeln, spricht vieles dafür, dass Anleger es mit einem Bärenmarkt ...