Donnerstag, 10. Januar 2019

Den Mutigen gehört die Welt

Mit aller Vorsicht – es sieht nach einer Bodenbildung an den Börsen aus. Vermutlich auch, weil die US-Notenbank flexibler scheint als gedacht. Jetzt muss nur noch die Politik mitspielen.

War das jetzt schon genug Panik in den zurückliegenden Wochen? Genug Panik, um alle nervösen Anleger aus dem Markt zu kegeln? Zeitweise jedenfalls ging es ordentlich berg­­ab, und die Stimmung an den Börsen war teils miserabel. Beispielsweise im Technologiesektor. Je angesagter in den zurückliegenden Monaten und Jahren die Aktie, desto stärker fiel meist das Minus aus — Ausnahmen bestätigen dabei die Regel. Die Luft aus jenen Sektoren, deren Wertentwicklung schon etwas Blasenartiges hatte, ist damit entwichen — zumindest teilweise.

Doch reicht dieser eine lange Kursrutsch als Konsolidierung aus und wird zur Basis wieder steigender Notierungen? Oder kommt da noch mehr, ein weiterer Rutsch, irgendwann demnächst, wenn die Kurse sich etwas mehr stabilisiert haben?

Möglich sind beide Szenarien. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass die Rezessionsgefahr in der Welt weiterhin gering ist, dann könnte dieser Bärenmarkt schneller vorbei sein, als manche sich dies vorstellen mögen. Vielleicht läuft es ähnlich ab wie ...
1987, als die Börse im Herbst durch einen veritablen Crash absackte, aber schon wenige Monate danach neue Rekordstände schaffte. Lang ist es her. Aber es ist ein gutes Beispiel für einen Bärenmarkt an der Börse, ohne dass parallel dazu die Realwirtschaft in eine Rezession abgerutscht ist. Im Gegenteil: Die Konjunktur war extrem stark, ebenso das Gewinnwachstum der Unternehmen. Und zur Erinnerung: Nach dem 1987er-Crash ging es zwei Jahre schön stetig nach oben.

Das für 2019 mögliche positive Szenario hängt vor allem zusammen mit den inzwischen veränderten Erwartungen, was die Zinsentwicklung in den USA angeht. Der oberste Notenbanker Jerome Powell hat gerade erklärt, dass die Wirtschaft weiter wachse, sein Haus bei den Zins­entscheidungen die Konjunktur genau im Auge behalten werde und dass man in Sachen Geldpolitik „nicht festgelegt“ sei. Bemerkenswerte Aussagen. Wer hätte der amerikanischen Notenbank Fed so viel Flexibilität zugetraut? Bisher war die Angst enorm, dass die Notenbanker einen immensen Fehler machen und in eine schwächer werdende Konjunktur hinein die geldpolitischen Zügel zu sehr straffen.

Dass in Sachen Zinserhöhungen aber nun tatsächlich nichts mehr in Stein gemeißelt ist, zeigen auch die sogenannten Fed Funds Futures, also Derivate auf die US-Leitzinsen. Diese sinken und sinken. Konkret: Der Markt geht inzwischen davon aus, dass es dieses Jahr zu gar keiner US-Zinserhöhung mehr kommt! Das ist eine extreme Kehrtwende. An den Börsen weltweit wurde positiv darauf reagiert. Die Kurse legten auf breiter Front zu. Insgesamt sieht das jetzt doch alles wieder besser aus.

Der Brexit — oder vielmehr die Abstimmung darüber im britischen Parlament am 15. Januar — ist natürlich noch ein Hindernis, das den zarten Aufschwung wieder bremsen könnte. Ebenso die Verhandlungen zwischen den USA und China um den Freihandel. Allerdings dürfte auch dem US-Präsidenten Donald Trump klar sein, dass er hier etwas Konkretes wird vorweisen müssen, um im kommenden Jahr eine realistische Chance auf eine Wiederwahl zu haben. Und auch die Demokraten im amerikanischen Parlament werden im Jahr vor der Wahl nicht nur auf Konfrontation gehen können, sondern werden ebenfalls lösungsorientiert arbeiten müssen, um als Alternative für das höchste politische Amt wahrgenommen zu werden.

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