Donnerstag, 21. Februar 2019

Ein Geschenk der Götter

Die Rally an den Märkten hält an, obwohl die neusten Daten zur Entwicklung der Konjunktur eher unerfreulich sind. Anscheinend blickt man schon weiter in die Zukunft und setzt auf eine lockere Geldpolitik.

Seit Heiligabend, als die Aktienmärkte so tief notierten wie lange nicht, ist es sehr schnell und massiv nach oben gegangen. Der breite, 500 Aktien starke Index von S &P beispielsweise legte um gut 18 Prozent zu. Das ist ein kleiner Schock für alle, die diese Rally verpasst haben. Und gleichzeitig wirft sie die Frage auf: Sollte man als Anleger nach einer derart starken Aufwärtsbewegung hier und jetzt vernünftigerweise noch einsteigen?

Das Momentum ist stark derzeit, was den Schluss zulässt, dass sich fundamentale Aspekte dramatisch verbessert haben. Weil es in der Natur der Anleger liegt, in der Regel zu langsam auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren, zieht sich diese jüngste Aufwärtsbewegung derart lange hin. Sie wird so lange anhalten, bis die neuen Aspekte eingepreist sind. Und bis auch die letzten Anleger zugegriffen haben, wenn also eine Art Herdentrieb zu einer finalen und übertriebenen Kursbewegung führt.

Der neue Aspekt, der zu der aktuellen Rally geführt hat, ist vermutlich die Wende in der Politik der US-Notenbank Fed. Dort haben nach den "Falken" jetzt anscheinend die "Tauben" das Sagen, um in der Sprache der Wall Street zu bleiben. Man geht jetzt davon aus, dass es eine Art Sicherheitsnetz der Fed gibt, manche sprechen auch in Anspielung auf Fed-Chef Jerome Powell von einem "Powell-Put", also einer Art Option, die einen Kursrutsch absichert. Dies ist deswegen eklatant, weil Powell im Gegensatz zu seinen Vorgängern bis dato als knallharter Verfechter einer strengen Geldpolitik galt.

Powell hat eine Kehrtwende um 180 Grad hingelegt. Das ist dramatisch. Richtig dramatisch. Gut zu sehen ist das auch an den extrem gefallenen Fed Funds Futures, einem Indikator, der wiedergibt, wie die Wahrscheinlichkeit neuer Zinserhöhungen in den USA eingeschätzt wird.

Um es kurz zu machen: Auch wenn die Kurse gerade an der US-Börse stark gestiegen sind, wäre es vermutlich ein Fehler, als längerfristig agierender Anleger ...

Mittwoch, 13. Februar 2019

Atmosphärische Störungen

Trotz schlechter Konjunkturdaten und negativer Prognosen sollte 2019 ein gutes Börsenjahr werden. Kurzfristige Kurswackler wären dann gute Gelegenheiten für Investitionen.

Auch wenn es zunächst etwas seltsam klingt, so kann man als Anleger doch zur gleichen Zeit sowohl positiv als auch negativ für die Börse gestimmt sein. Den Unterschied macht der Faktor Zeit. Aktuell etwa sieht es danach aus, als ob 2019 ein gutes Börsenjahr wird. Basis dafür sind der spektakuläre Ausverkauf und das Stimmungstief an den Märkten rund um Weihnachten sowie der ähnlich spektakuläre Umschwung im Januar.

Zweifel sind allerdings angebracht, wenn es um einen etwas kürzeren Anlagehorizont geht — aktuell etwa um die kommenden drei, vier Monate. Denn die vielen Indikatoren, die inzwischen weltweit ein langsameres Wirtschaftswachstum oder gar eine Rezession signalisieren, könnten durchaus auch an den Börsen für Druck und Verkaufslust sorgen.

Gerade um die Konjunktur in europäischen Gefilden muss man sich Sorgen machen. Die Industrieproduktion in Deutschland beispielsweise gab inzwischen vier Monate in Folge nach und veranlasste sogar das angesehene Wirtschaftsmagazin „The Economist“ zu einem Artikel mit der Überschrift „It is Time to Worry About Germany’s Economy — A Sputtering -Engine“. Und wenn der Motor der Wachstumsmaschine stottert, dann kommt auch der ganze Euroraum nicht voran: In Brüssel rechnet man für die Währungsunion in diesem Jahr nur noch mit einem enttäuschenden Wachstum von 1,3 statt wie bisher erwartet 1,9 Prozent.

Einen Grund für die gesenkte Prognose liefert natürlich der Brexit. Abgesehen davon, dass Großbritannien unter einem ungeordneten Abschied aus der EU am meisten leiden dürfte, wären auch die beiden größten Volkswirtschaften im Euroraum, Deutschland und Frankreich, stark betroffen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle geht in einer neuen Studie beispielsweise davon aus, dass allein in Deutschland in einem solchen Fall gut und gern 100 000 Arbeitsplätze in Gefahr sind.

Auch ein inzwischen sehr wahrscheinliches Handelsabkommen zwischen der Volksrepublik China und den USA könnte Europa an empfindlicher Stelle treffen. Wenn China tatsächlich wie angekündigt künftig mehr Güter aus den USA importiert, dann wird man das an anderer Stelle „einsparen“. Um ein Beispiel zu nennen, könnten also mehr Aufträge für Boeing zulasten von Airbus gehen.

Insgesamt also viele belastende Faktoren. Und dennoch sieht es langfristig für Börsianer gar nicht so schlecht aus. So ...