Donnerstag, 28. März 2019

Eine Frage der Interpretation

Das Börsenjahr ist bisher erfreulich. Diese Grundtendenz dürfte auch so bleiben, egal ob die Kurse in den kommenden Wochen wieder etwas stärker schwanken. Drei Aspekte machen Hoffnung.

Die Rally an den Börsen ist etwas ins Stocken geraten. Doch das kann Investoren eigentlich nur recht sein: Es gibt in den kommenden Tagen — vielleicht gar Wochen — gute Möglichkeiten, noch einmal nachzukaufen. Grund für die  stagnierenden Kurse sind die zuletzt wieder zunehmenden Konjunktursorgen. So geriet etwa der DAX unter Druck, weil der deutsche Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im März schwächer ausfiel als erwartet. Immerhin legte der Ifo-Index wieder etwas zu, nachdem er sechsmal in Folge gefallen war.

An der Wall Street wiederum rutschten die Kurse, weil der Kurswechsel der US-Notenbank in Sachen Zinserhöhungen derzeit ebenfalls als Indiz für eine nachlassende Konjunkturdynamik verstanden wird. So widersprüchlich ist eben Börse. In den Vorwochen war die Fed-Politik noch positiv interpretiert worden, weil dadurch die Geldschleusen weiterhin offener bleiben als noch im vergangenen Jahr vermutet und befürchtet. Jetzt, als die Fed erneut bestätigte, dass sie ihren Zinserhöhungszyklus abgeschlossen hat, ging es mit den Kursen aber erst mal abwärts. US-Notenbank-Chef Jerome Powell ließ wissen, dass die Fed „nicht mehr den Drang verspürt“, die Zinspolitik zu straffen, da sie den aktuellen Zinssatz nun als neutral betrachtet, also ohne expansiven oder restriktiven Effekt auf die Wirtschaft.

Dazu passt, dass Anleger am Markt für Anleihen am „langen Ende“ stärker investieren als am „kurzen“: Erstmals seit 2007 notiert die Rendite dreimonatiger US-Anleihen mit 2,46 Prozent höher als die Rendite von Papieren mit zehn Jahren Laufzeit, die 2,45 Prozent abwerfen. Diese sogenannte inverse Zinsstruktur spiegelt die Erwartung der Marktteilnehmer wider, dass die Notenbank die Zinsen aufgrund eines vielleicht möglichen Abschwungs wieder senkt.

Was gilt jetzt also? War man ...

Dienstag, 19. März 2019

Neu justiert

Früher hat der Brexit die Börse ausgebremst. Jetzt ist das nicht mehr der Fall. Der Fokus der Anleger hat sich verschoben.

Es ist und bleibt ein Ärgernis: Das Gerangel um den Brexit, den Ausstieg Großbritanniens aus der EU, findet einfach kein Ende. Eine Abstimmung folgt auf die andere, am Status quo ändert sich dennoch nichts: Stillstand. Kein Durchbruch, weder in die eine noch in die andere Richtung. Auch diese Woche wird wieder abgestimmt. Was vermutlich damit enden wird, dass Premierministerin Theresa May erneut eine Niederlage einstecken muss.

Wenn der ausgehandelte Brexit-Vertrag im Unterhaus also erneut durchfiele, müsste der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag eigentlich einen Aufschub beschließen, um einen harten Brexit zu vermeiden. Und damit stünde schon der nächste Ärger ins Haus. Einem Aufschub würden voraussichtlich nicht alle verbleibenden EU-Staaten zustimmen. So wird schon darüber gemunkelt, dass Italien sich querstellen könnte.

Das einzig Gute am Trauerspiel: An den Märkten spielt das Gezänk kaum noch eine Rolle. Weltweit steigen die Aktienkurse. Auch am Devisenmarkt hat sich die Lage beruhigt. Parallel zu den Brexit-Konfusionen hat das britische Pfund in den zurückliegenden Wochen seine Talfahrt beendet und wertet sogar auf. Dies kann man durchaus als Wette darauf deuten, dass der Brexit überhaupt nicht mehr kommt und auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird.

An den Märkten werden derweil ganz andere Themen gespielt. Vor allem ...

Dienstag, 12. März 2019

Wenn der Fed-Chef Ruhe gibt

Kurzfristig wackelig, langfristig aussichtsreich. Für Aktienanleger könnten sich jetzt gute Kaufgelegenheiten ergeben.

Nachdem die Aktienmärkte gut ins neue Jahr gestartet sind, sieht es jetzt doch nach einer Pause im Aufwärtstrend aus: Das Momentum hat stark nachgelassen. In den kommenden Tagen könnten die Kurse daher wieder etwas mehr schwanken als in den zurückliegenden zehn Wochen. An der Grundtendenz ändert diese — kurzfristig — leicht negative Erwartungshaltung indes nichts. Bis Ende des Jahres sollten die Kurse höher stehen als jetzt. Wie immer ist alles eben eine Frage des zeitlichen Horizonts. Für Investoren, die auf Sicht von etlichen Monaten und Jahren anlegen, könnten sich daher jetzt gute Gelegenheiten zum Nachkaufen bieten. Trader dagegen könnten den einen oder anderen Short-Versuch starten.

Argumente für unruhigere Zeiten gibt es einige. So etwa den verwirrenden neuesten Arbeitsmarktbericht aus den USA. So gab es im Februar wohl nur 20 000 neue Jobs statt der erwarteten 180 000. Eine dramatische Divergenz, die sich schwer erklären lässt. Fehlt es an qualifizierten Arbeitskräften? Legt die Konjunktur eine Vollbremsung hin? Oder sind die Daten statistisch verzerrt? An eindeutigen Interpretationen fehlt es. Genau so etwas schmeckt Börsianern gar nicht und bremst in der Regel die Kauflust. Ein weiterer Faktor, der für Unsicherheit sorgt, sind die gesenkten Erwartungen der Unternehmen im Rohstoffbereich, was deren künftiges Geschäft angeht. Auch dies könnte auf eine generell nachlassende konjunkturelle Dynamik hindeuten.

Dennoch dürfte diese Unsicherheit nur kurzfristiger Natur sein. Gründe hierfür gibt es ebenfalls etliche. Zum einen steht in den USA im kommenden Jahr die Präsidentschaftswahl an. Und Amtsinhaber Donald Trump weiß, dass er wohl nur dann wiedergewählt wird, wenn die Konjunktur läuft — und die Börsenkurse klettern. Entsprechend legt er sich ins Zeug, was den Handelsdeal mit der Volksrepublik China angeht, nimmt er doch an, dass durch ein positives Ergebnis an der Wall Street eine Rally startet. Der Nachrichtendienst „Bloomberg“ berichtet, laut internen Quellen sei Trump geradezu davon „besessen“, die Börse ...