Dienstag, 28. Mai 2019

Eine Frage der Balance

Geduld ist gefragt an den Märkten. Solange der Streit zwischen China und den USA nicht mit einem Kompromiss endet, dürfte die Hängepartie an den Börsen anhalten.

Die Börsen hängen fest. Mal geht es ein wenig nach oben, dann wieder nach unten. Dieser unangenehme Zustand wird wohl noch eine Weile anhalten. Vermutlich so lange, bis sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping zu einem dann hoffentlich klärenden Gespräch treffen. Das Problem daran: Die Herren werden sich wohl erst beim G20-Treffen in Osaka zusammensetzen, und das findet am 28. und 29. Juni statt. Es ist also Geduld gefragt. Bis dahin — da muss man kein Prophet sein — werden tagesaktuelle Nachrichten, Tweets und Gerüchte für mal heftige, mal weniger heftige Bewegungen an den internationalen Marktplätzen sorgen. Wie gewohnt.

Trump wird sich aber spätestens beim Gipfel entscheiden müssen. Einerseits sieht er sich gern als „Tariff Man“, als eine Art Superheld, der mit Zöllen den vermeintlich ungerechten Welthandel in den Griff bekommt. Zeitgleich spielt er aber auch gerne den „Dow Man“. Steigende Notierungen an der Wall Street sind für ihn ein Beweis für gute Politik. Dass Trump das Auf und Ab an der Börse nahezu obsessiv verfolgt, ist kein Geheimnis.

Das Dumme ist nur, dass die jüngsten Aktionen von Tariff Man seinem Alter Ego, dem Dow Man, so richtig in die Quere gekommen sind. Sprich: fallende Aktienkurse. Eine Koexistenz der beiden Persönlichkeiten, wie sie durchaus möglich war, als der Handelsstreit nur so ein wenig am Köcheln war, ist bei einer richtig krassen Eskalation der Streitigkeiten schlicht nicht möglich. Trump wird sich also entscheiden müssen.

Auffällig ist derweil, dass die Korrektur der US-Börse seit den Zoll-Tweets des Präsidenten recht überschaubar geblieben ist. Nicht einmal fünf Prozent ...

Freitag, 24. Mai 2019

Weiter, immer weiter ...

Der Streit zwischen den USA und China bremst die Börse aus. Ebenso die Konjunktur. Eine Lösung ist aber im Interesse aller.

Die Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China hat zu einer gewissen Unsicherheit geführt — bei weltweit agierenden Unternehmen ebenso wie bei Anlegern und Investoren. Und diese Unsicherheit kann durchaus noch eine Weile andauern. Andererseits, und das ist die gute Nachricht, dürften beide Staaten aber weiter an einem Abkommen interessiert sein. Letztlich sollte sich die globale Erholung also fortsetzen, wenn auch etwas verzögert.

Dabei ist der anhaltende Zwist eigentlich paradox, waren doch beide Seiten nach den schwächeren ­Konjunkturaussich­ten und dem Börsenausverkauf Ende vergangenen Jahres durchaus bereit, zu einer Einigung zu kommen. Aber vielleicht bestärkten die zuletzt wieder verbesserte Wachstumsdynamik und die starken ­Aktienmärkte sowohl China als auch die USA darin, wieder auf Konfrontationskurs zu gehen.

So gab es sehr ermutigende Daten aus China: besseres Kreditwachstum, Immobilieninvestitionen und Importzahlen. Dazu kamen Verbesserungen im rest­lichen Asien und in Europa im Vergleich zu den sehr schwachen Daten von Ende 2018 und Anfang dieses Jahres.

Es ist jedenfalls so, wie es immer ist, wenn Dinge schieflaufen: Risikoanlagen werden verkauft. Und je riskanter, desto stärker der Verkauf. Das ist auch der Grund, warum ...

Mittwoch, 15. Mai 2019

Völlig vernagelt

Bisher gibt es bei den sino-amerikanischen Handelsgesprächen keinen Durchbruch. Beide Seiten sind stur, so scheint es. An den Börsen werden daher weiter Gewinne mitgenommen.

Verkaufslust ist gerade recht groß an den Börsen. Schuld daran hat, so die gängige Meinung, der Handelsstreit der USA mit China: Statt sich bald zu einigen, ist man wieder auf Konfrontationskurs. Ob nun US-Präsident Donald Trump den neuerlichen Zoff ausgelöst hat oder die chinesische Seite, ist da fast schon egal.

Allerdings — und das sollten gerade längerfristig orientierte Anleger im Hinterkopf behalten — hat die aktuelle Korrektur auch etwas Gesundes. Denn das bisherige Tempo der diesjährigen Börsenrally war zu hoch. Wäre es in diesem Stil weitergegangen, hätten sich die Märkte überhitzt, und so eine „Melt-up-Rally“ endet in der Regel böse, also mit einem Crash. Die jetzige Korrektur baut dem vor. Die Übertreibung wird „normal“ abgebaut. Das schmerzt zwar auch und dauert seine Zeit, aber schließlich ermöglicht eine Korrektur auch Gelegenheiten zum Nachkaufen. „Sellers are investor’s best friend“, heißt es so schön an der Wall Street.

Natürlich sind die möglichen Effekte eines weiter eskalierenden Handelsstreits eine Gefahr für die Konjunkturentwicklung. Die US-Bank Citigroup geht — im schlimmsten Fall! — von einem um 0,5 Prozentpunkte geringeren US-Wachstum aus, bei China wären es 1,6 Prozentpunkte weniger. Auch Europa käme nicht ungeschoren davon, die asiatischen Schwellenmärkte sowie Japan ebenfalls nicht.

Allerdings, und das muss man ebenfalls in Betracht ziehen, verfügt gerade die chinesische Seite über Mittel und Wege, das Ganze abzufedern: zum einen durch eine lockerere Geldpolitik und zum andern durch eine Abwertung der Landeswährung. Eine harte Landung der Konjunktur ...

Dienstag, 7. Mai 2019

Macht Trump die Rally kaputt?

Der Aufschwung war beeindruckend in diesem Jahr. Allerdings bremsen die neuesten Äußerungen des US-Präsidenten die Euphorie. Will er tatsächlich die China-Verhandlungen platzen lassen? 

Es ist schon spektakulär: Innerhalb von nur sieben Monaten hat der US-Leitindex S & P 500 um fast 20 Prozent nachgegeben, holte daraufhin alles wieder auf und übertraf zuletzt sogar die bisherigen Höchststände vom September 2018. Es sind dabei vor allem die Wachstumssektoren Technologie, Konsumwerte und Kommunikation, die den Aufschwung vorantreiben.

Woran liegt’s? Es sind vor allem die übergeordneten Themen, die für eine neue Sorglosigkeit an den Märkten in den zurückliegenden Monaten verantwortlich waren: keine Angst mehr vor einer Rezession, dazu vor allem die Trendwende der US-Zentralbank Fed zurück zur laxen Geldpolitik.

Allerdings könnte es mit der Sorglosigkeit vielleicht schon wieder vorbei sein. Bislang hatten die positiven Tendenzen beim Handelsabkommen zwischen den USA und China auch einen erheblichen Anteil am Börsenaufschwung. Doch dann twitterte US-Präsident Donald Trump, dass er die Strafzölle für China erhöhen will. Prompt brachen die Kurse ein. Die Verhandlungen mit China würden zwar fortgesetzt, sie verliefen aber „too slowly“, China wolle nachverhandeln.

Ganz offensichtlich wollte Trump noch einmal Druck aufbauen kurz vor dem Treffen der US-Unterhändler mit einer  großen chinesischen Delegation um Vize- Premier Liu He in Washington, parallel zum Druck dieser BÖRSE ONLINE. Ausgang ungewiss.

Dass vor allem die Makrothemen für die jüngste Börsenentwicklung verantwortlich sind, zeigt auch der Umstand, dass die Mikrothemen, also die Nachrichten auf der Unternehmens-ebene, eher durchwachsen waren und sind. So wurden die Gewinnschätzungen im Verlauf der Rally weiter abgesenkt, was wiede-rum dafür gesorgt hat, dass sich die Bewertungen — festgemacht am KGV — weiter ausgedehnt haben.

„Das aktuelle KGV des S & P 500 ist jedoch immer noch ...

Mittwoch, 1. Mai 2019

Kleine Pausen im großen Ganzen

Der Anstieg an den Märkten ist atemberaubend. Kleinere Korrekturen werden sofort zum Nachkaufen genutzt. Muss man sich jetzt also Sorgen wegen einer heftigeren Korrektur machen?

Ein Ereignis mit Seltenheitswert: Japans Kaisers dankt ab. Und weil die Thronfolge von Kaiser Akihito an Kronprinz Naruhito ordentlich gefeiert werden soll, geht in Japan in den kommenden zehn Tagen gar nichts mehr. Auch Anleger haben Pause, der Finanzmarkt hat zehn Tage geschlossen, Nikkei-Kurse gibt es erst wieder am 7. Mai.

Das ist schon eine Geduldsprobe, es läuft schließlich gut am japanischen Aktienmarkt. Wie an den anderen großen Börsen auch. Von den Tiefstständen im Dezember haben sich die Märkte insgesamt schnell erholt. Und die Dynamik ist außergewöhnlich. Es sieht nach einem neuen Bullenmarkt aus — trotz geopolitischer Sorgen, trotz schwächerer Konjunktur-daten, trotz USA-China-Streit, trotz Brexit.

Letztlich wurde von den Börsianern alles positiv interpretiert. „Gute Nachrichten sind gute Nachrichten, und schlechte Nachrichten sind noch viele bessere Nachrichten — denn dann kommen die Zentralbanken“, kommentiert David Wehner, Portfoliomanager bei Do Investment.

Gerade den Notenbankenaspekt und deren unterstützende Funktion kann man nicht oft genug hervorheben. Im Vergleich zum Vorjahr hat speziell die US-Notenbank Fed eine Wende um 180 Grad hingelegt: Liquidität ist weiterhin kein Problem an den Märkten. Zusammen mit technischen Faktoren hat dies dann letztlich zu der dynamischen Erholung an den Börsen weltweit geführt.

Zudem scheint die große Befürchtung vom Tisch, dass es zu einer globalen Rezession kommen könnte. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 erhoben sich zwar immer wieder einmal größere Wachstumssorgen, allerdings blieben diese regional begrenzt. Die Eurokrise in den Jahren 2011 und 2012 ist ein gutes Beispiel dafür. Ebenso die Sorgen um Chinas Wachstum in den zurückliegenden drei Jahren. Die Weltwirtschaft konnte dies aber jederzeit auffangen.

Und jetzt? Aktuell sorgt die amerikanische Zinsstrukturkurve für Sorgenfalten. Dieser Frühindikator liefert eigentlich eine Rezessionswarnung, weil ...