Mittwoch, 1. Mai 2019

Kleine Pausen im großen Ganzen

Der Anstieg an den Märkten ist atemberaubend. Kleinere Korrekturen werden sofort zum Nachkaufen genutzt. Muss man sich jetzt also Sorgen wegen einer heftigeren Korrektur machen?

Ein Ereignis mit Seltenheitswert: Japans Kaisers dankt ab. Und weil die Thronfolge von Kaiser Akihito an Kronprinz Naruhito ordentlich gefeiert werden soll, geht in Japan in den kommenden zehn Tagen gar nichts mehr. Auch Anleger haben Pause, der Finanzmarkt hat zehn Tage geschlossen, Nikkei-Kurse gibt es erst wieder am 7. Mai.

Das ist schon eine Geduldsprobe, es läuft schließlich gut am japanischen Aktienmarkt. Wie an den anderen großen Börsen auch. Von den Tiefstständen im Dezember haben sich die Märkte insgesamt schnell erholt. Und die Dynamik ist außergewöhnlich. Es sieht nach einem neuen Bullenmarkt aus — trotz geopolitischer Sorgen, trotz schwächerer Konjunktur-daten, trotz USA-China-Streit, trotz Brexit.

Letztlich wurde von den Börsianern alles positiv interpretiert. „Gute Nachrichten sind gute Nachrichten, und schlechte Nachrichten sind noch viele bessere Nachrichten — denn dann kommen die Zentralbanken“, kommentiert David Wehner, Portfoliomanager bei Do Investment.

Gerade den Notenbankenaspekt und deren unterstützende Funktion kann man nicht oft genug hervorheben. Im Vergleich zum Vorjahr hat speziell die US-Notenbank Fed eine Wende um 180 Grad hingelegt: Liquidität ist weiterhin kein Problem an den Märkten. Zusammen mit technischen Faktoren hat dies dann letztlich zu der dynamischen Erholung an den Börsen weltweit geführt.

Zudem scheint die große Befürchtung vom Tisch, dass es zu einer globalen Rezession kommen könnte. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 erhoben sich zwar immer wieder einmal größere Wachstumssorgen, allerdings blieben diese regional begrenzt. Die Eurokrise in den Jahren 2011 und 2012 ist ein gutes Beispiel dafür. Ebenso die Sorgen um Chinas Wachstum in den zurückliegenden drei Jahren. Die Weltwirtschaft konnte dies aber jederzeit auffangen.

Und jetzt? Aktuell sorgt die amerikanische Zinsstrukturkurve für Sorgenfalten. Dieser Frühindikator liefert eigentlich eine Rezessionswarnung, weil ...
die Renditen kurz laufender Zinspapiere zuletzt immer wieder höher notierten als die von zehnjährigen Staatsanleihen. Diese sogenannte inverse Zinsstruktur spiegelt die Erwartung der Marktteilnehmer wider, dass die Notenbank die Leitzinsen aufgrund eines vielleicht möglichen Abschwungs tatsächlich wieder senkt.

Der Indikator ist historisch gesehen recht zuverlässig. Allerdings wird inzwischen angezweifelt, ob er immer noch gilt: Aufgrund der ungewöhnlichen Maßnahmen und starken Zinsmanipulationen der Zentralbanken in der jüngeren Vergangenheit hat die inverse Zinsstruktur ihre Funktion als Frühindikator vielleicht verloren. Ohnehin sollte man sich nicht auf einen einzigen Indikator als Signal-geber für Investments beschränken.

Wie geht es also weiter? „Grundsätzlich beeindruckt uns die relative Ruhe an den Kapitalmärkten“, sagt Portfoliomanager Wehner. „Die Volatilität von Zinsen, Risikoprämien, Währungen und Aktien ist historisch betrachtet sehr gering. Kurze Marktkorrekturen an den Aktienbörsen haben sofort wieder zu Käufen geführt.“

Kann man dem trauen? Oder ist es die viel beschworene Ruhe vor dem Sturm? Dass die Volatilität niedrig ist, wird oft als Signal für eine Korrektur angesehen. Doch auch hier gilt: Isoliert betrachtet reicht auch dieser Indikator nicht für das Ausrufen einer Trendwende. Also dranbleiben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen