Dienstag, 7. Mai 2019

Macht Trump die Rally kaputt?

Der Aufschwung war beeindruckend in diesem Jahr. Allerdings bremsen die neuesten Äußerungen des US-Präsidenten die Euphorie. Will er tatsächlich die China-Verhandlungen platzen lassen? 

Es ist schon spektakulär: Innerhalb von nur sieben Monaten hat der US-Leitindex S & P 500 um fast 20 Prozent nachgegeben, holte daraufhin alles wieder auf und übertraf zuletzt sogar die bisherigen Höchststände vom September 2018. Es sind dabei vor allem die Wachstumssektoren Technologie, Konsumwerte und Kommunikation, die den Aufschwung vorantreiben.

Woran liegt’s? Es sind vor allem die übergeordneten Themen, die für eine neue Sorglosigkeit an den Märkten in den zurückliegenden Monaten verantwortlich waren: keine Angst mehr vor einer Rezession, dazu vor allem die Trendwende der US-Zentralbank Fed zurück zur laxen Geldpolitik.

Allerdings könnte es mit der Sorglosigkeit vielleicht schon wieder vorbei sein. Bislang hatten die positiven Tendenzen beim Handelsabkommen zwischen den USA und China auch einen erheblichen Anteil am Börsenaufschwung. Doch dann twitterte US-Präsident Donald Trump, dass er die Strafzölle für China erhöhen will. Prompt brachen die Kurse ein. Die Verhandlungen mit China würden zwar fortgesetzt, sie verliefen aber „too slowly“, China wolle nachverhandeln.

Ganz offensichtlich wollte Trump noch einmal Druck aufbauen kurz vor dem Treffen der US-Unterhändler mit einer  großen chinesischen Delegation um Vize- Premier Liu He in Washington, parallel zum Druck dieser BÖRSE ONLINE. Ausgang ungewiss.

Dass vor allem die Makrothemen für die jüngste Börsenentwicklung verantwortlich sind, zeigt auch der Umstand, dass die Mikrothemen, also die Nachrichten auf der Unternehmens-ebene, eher durchwachsen waren und sind. So wurden die Gewinnschätzungen im Verlauf der Rally weiter abgesenkt, was wiede-rum dafür gesorgt hat, dass sich die Bewertungen — festgemacht am KGV — weiter ausgedehnt haben.

„Das aktuelle KGV des S & P 500 ist jedoch immer noch ...
niedriger als die Höchststände vom Januar 2018“, so David Bianco, Chef-Investor für amerikanische Aktien bei der Fondsgesellschaft DWS. Das KGV, basierend auf den Ergebnissen der vergangenen zwölf Monate, beträgt jetzt im Schnitt 18,0 gegenüber 21,2 im Januar 2018. Für Bianco ist die Bwertung damit angemessen. „Damit der S & P 500 vom aktuellen Niveau weiter zulegen kann, sind unserer Ansicht nach aber steigende Unternehmensgewinne erforderlich“, kommentiert der DWS-Mann.

Was durchaus möglich ist, da die bereits erwähnten übergeordneten Themen positiv sind und sich über kurz oder lang auch positiv auf die Mikrothemen auswirken sollten — sieht man einmal von der jetzt wieder undurchsichtigen Lage im -sino-amerikanischen Konflikt ab.

Die Frage ist nun: Macht Trump die Rally kaputt? Oder war alles nur taktisches Geplänkel? Vielleicht reicht auch die Notenbankpolitik, um die Märkte wieder zu stabilisieren? Die Fed hat den Leitzins zuletzt, wie erwartet, in der Bandbreite zwischen 2,25 und 2,5 Prozent belassen. Was die künftige Strategie angeht, verwendet man weiterhin den Begriff „Geduld“. Man bleibt also locker. Eine Veränderung der Zinspolitik mache man von der konjunkturellen Entwicklung abhängig. Alles wie gehabt also. Die Notenbank verweist zudem auf die gute wirtschaftliche Lage, den soliden Arbeitsmarkt und die relativ niedrige Inflation unter dem Inflationsziel von 2,0 Prozent. Das zumindest klingt nach Kontinuität.

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