Dienstag, 30. Juli 2019

Jetzt liegt’s an der Fed

Die Europäische Zentralbank hat sich in der zurückliegenden Woche noch geziert – anders die US-Notenbank Fed. Sie wird die Leitzinsen senken: um wie viel, ist allerdings noch unsicher.

Es geht Schlag auf Schlag. Vergangene Woche war es an der Europäischen Zentralbank EZB, in der laufenden Woche ist es die US-Notenbank Fed, die über die Richtung der Geldpolitik entscheidet. Vermutlich wird es hier anders ausgehen: EZB-Chef Mario Draghi hat sich bekanntlich entschlossen, vorerst keine weiteren Maßnahmen einzuleiten, die für noch mehr Liquidität sorgen, dagegen gilt eine Zinssenkung der Federal Reserve als so gut wie sicher.

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Fed-Präsident Jerome Powell den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte vermindern wird, „als Absicherung gegen eine Abkühlung der US-Konjunktur“, so die Commerzbank-Volkswirte Christoph Balz und Bernd Weidensteiner in einer Analyse. Eigentlich wäre sogar ein Schritt um 0,5 Punkte möglich. Dies könne man am Markt aber „als Signal auffassen, dass die Fed-Verantwortlichen sich ernsthafte Sorgen machen und womöglich etwas wissen, was der Markt nicht weiß“.

So oder so kann man aber davon ausgehen, dass der 31. Juli, der Tag der Sitzung des Federal Open Market Committee, den Startpunkt für einen neuen Zinssenkungszyklus markiert. Nicht nur Aussagen von Powell deuten darauf hin, nein, das ganze Komitee scheint dahinterzustehen: Äußerungen etwa von Fed-Vizepräsident Richard Clarida und vom New Yorker Fed-Präsidenten John Williams zielen klar in dieselbe Richtung.

Es ist zwar so, dass die US-Wirtschaft nach wie vor erstaunlich robust ist — gut zu sehen an den Daten zum Arbeitsmarkt, den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion sowie an der mit 2,1 Prozent recht hohen Kerninflationsrate. Allerdings scheint die Fed ihre Entscheidungen ...

Dienstag, 23. Juli 2019

Locker bleiben

Die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt werden in den kommenden Tagen über die Richtung der Geldpolitik beraten. Die Börse könnte neue Impulse gut gebrauchen.

Jetzt gilt’s! Diese Woche tagt die Europäische Zentralbank (EZB). Die Erwartungen der Börsianer sind durchaus hoch, nachdem Notenbankchef Mario Draghi vor gut einem Monat laut über eine weitere Lockerung der Geldpolitik nachgedacht hatte. Das Problem ist nur, dass er sich zeitlich nicht festlegen wollte. Entscheidende Kriterien für ihn: die Inflationserwartungen und der Zustand der Konjunktur. Gibt es hier keine signifikante Erholung, wird er wohl zur Tat schreiten. Doch wird er es jetzt schon tun?

Die Meinungen dazu sind geteilt. Wobei auffällt, dass zuletzt immer mehr Ökonomen und Großanleger davon ausgingen, dass Draghi eher früher als später agieren wird. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters rechnen 60 Prozent der Anleger damit, dass die EZB schon diesen Monat den Einlagenzinssatz um 0,1 Prozentpunkte senkt — die Commerzbank geht sogar von 0,2 Punkten aus. Aktuell liegt dieser Zinssatz, den Banken bezahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, bei minus 0,4 Prozent. Bleibt die Frage, wie der Markt auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik reagieren wird. Und wie viel an Erwartungen schon eingepreist ist. Aktien könnten auf diese Weise jedenfalls neuen Auftrieb bekommen.

Gründe für eine Lockerung gibt es genug: Die Industrieaufträge in Deutschland beispielsweise sind zuletzt doch deutlich zurückgegangen. Ob und wie ...

Mittwoch, 10. Juli 2019

Mi­ni­mal­ziel erreicht

Die Börsen haben neuen Schwung. Vor allem wegen der - vorläufigen - Beruhigung im Handelskonflikt der USA mit China. Aber auch, weil die Notenbanken die Märkte weiter mit Geld versorgen.

Wochenlang hatte man als Anleger gespannt auf den G-20-Gipfel in Osaka gewartet. Jetzt ist er rum. Doch was bleibt? Letztlich ist dabei nur wenig herausgekommen. Zwar haben sich Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump grundsätzlich geeinigt, die Handelsgespräche fortzusetzen, wirklich konkret sind sie dabei aber nicht geworden. Immerhin: Ein Minimalziel wurde also erreicht.

Die Fondsgesellschaft DWS wirft nun die interessante Frage auf, welche Indikatoren man denn beachten soll, um die nach wie vor anhaltenden Spannungen zwischen den beiden Großmächten besser zu verstehen. Fündig geworden sind sie beim Wechselkurs des koreanischen Won zum US-Dollar. Das mag zunächst irritieren, macht aber durchaus Sinn. Südkorea ist auch dank seiner Exportstärke "seit Langem vergleichsweise stark globalen Wachstumstrends ausgesetzt". Anzeichen für ein schwächeres Wachstum im nahen China als Folge der Handelsspannungen mit den USA könnten daher Koreas Volkswirtschaft hart treffen -und damit eben auch die Landeswährung Won.

Seit der Wahl von Trump im Jahr 2016 hat der Won recht gut als Frühindikator für die Trends an den Aktienmärkten funktioniert, "insbesondere für die relative Wertentwicklung chinesischer Aktien im Vergleich zu globalen Aktien", so die DWS. Einfach zusammengefasst: je schwächer der Won, desto schwieriger die Beziehungen der USA zu China, desto schwächer die Börsen.

Seit der Einigung von Osaka jedenfalls ist es andersherum: Der Won hat deutlich an Wert gewonnen, noch deutlicher, als die Zuwächse an den Aktienmärkten waren. Das ist eigentlich ein positives Signal. Doch ein Indikator allein genügt bekanntlich nicht, um einigermaßen sinnvolle Prognosen anzustellen.

Im Moment sieht das an den Aktienmärkten dennoch gar nicht so schlecht aus. Gerade was New York angeht. Weil eine US-Rezession ...

Mittwoch, 3. Juli 2019

Hand drauf

Amerikaner und Chinesen haben einen Konsens gefunden. Es wird wieder verhandelt, um doch noch ein bilaterales Handelsabkommen abzuschließen. Effekt: Die Börsen steigen deutlich.

Man scheint sich doch noch zu einigen. Peking und Washington haben beim G-20-Wochenende, das am Samstag im japanischen Osaka zu Ende ging, wohl eine Art Burgfrieden geschlossen: Beide Seiten wollen -zumindest zunächst -nicht weiter die Zollsätze erhöhen. Auch die Lieferblockade gegenüber dem chinesischen Telekomausrüster Huawei wird seitens der USA gelockert.

Letztlich soll nun doch weiterverhandelt werden, mit dem Ziel eines bilateralen Handelsabschlusses. "Das Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping ist ausgezeichnet gewesen", sagte US-Präsident Donald Trump. Er gehe davon aus, dass China und die USA wieder auf Kurs seien. Trump sagte, die Gespräche seien "sogar besser als erwartet" verlaufen. Man werde mit China "dort weitermachen, wo wir aufgehört haben". Zuletzt waren die Gespräche im Mai abgebrochen worden.

Bilaterale Abschlüsse scheinen ohnehin das nun bevorzugte Mittel auch anderer Staaten und Staatenbünde zu sein. So haben die EU und die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur gerade eines abgesegnet, ähnlich dem Abkommen der EU mit Japan. An den Märkten wurde dies alles jedenfalls so goutiert, wie man es als Optimist durchaus erwarten konnte: Die Trump'schen Aussagen aus Osaka hievten die Kurse an der Wall Street nach oben. Und nicht nur dort, auch in Asien und Europa stiegen die Kurse deutlich - der DAX schaffte sogar ein neues Jahreshoch. Gleichzeitig kletterten der US-Dollar sowie der Ölpreis, während der Goldpreis deutlich fiel.

Bleibt die Frage, ob die Kursavancen von Dauer sind. Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts, glaubt nicht an eine nachhaltige Wende im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt. "Es spricht viel dafür, dass die USA den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas hemmen wollen, weil sie in China eine Konkurrenz für ihre geopolitische Vormachtstellung sehen." Fuest rechnet deshalb mit einer Fortsetzung des Zollstreits.

Allerdings, so Stratege Mark Haefele von der Schweizer Bank UBS, hätten beide Seiten auch großes Interesse, eine Spirale ...