Mittwoch, 21. August 2019

Bunter Krisencocktail

Ein ganzer Reigen aus negativen Nachrichten belastet derzeit die Börsen. Seit Neuestem sorgen auch die Unruhen in Hongkong für Unsicherheit. Und natürlich weiterhin Donald Trump.

Es geht hin und her. Die Stimmung an den Aktienmärkten ist hoch nervös. Gründe dafür gibt es viele. Unter anderem sind es auch die Ereignisse an den Rentenmärkten. Dort sind nämlich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen unter das Renditeniveau der zweijährigen Papiere gefallen. Inverse Zinskurve heißt das im Volkswirte-Jargon. Und diese Inversion deutet darauf hin, dass Anleger in Zukunft deutlich niedrigere Zinssätze respektive Inflationsraten erwarten — was typischerweise dann der Fall ist, wenn die Konjunktur schwächelt und eine Rezession im Anmarsch ist.

Angesichts solcher Aussichten neigt dann mancher gleich zur Panik. Denn: „Es gibt Statistiken, die zeigen, dass in den USA eine Inversion der Zinskurve in den vergangenen 70 Jahren immer der Vorbote einer Rezession war“, schreibt Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar in seiner sehr treffenden Kolumne „Ist der liebe Gott eine Zinsstruktur?“.

Allerdings, und das ist der große Unterschied zu den zurückliegenden 70 Jahren, haben die Notenbanken in den vergangenen Jahren mit ihren Anleihekaufprogrammen dazu beigetragen, die Renditen langlaufender Papiere nach unten zu drücken. Die Aussagekraft des Indikators wird dadurch geschmälert, vielleicht sogar ganz ausgehebelt. „Halten wir also fest, dass die Zinskurve ein Signal unter vielen ist, wie es auch andere volkswirtschaftliche Indikatoren sind, die wir alltäglich in den Nachrichten hören“, so Masarwah weiter. Eine Meinung, der wir uns gern anschließen.

Neben zahlenbasierten Indikatoren — wie eben der Zinskurve — sind es derzeit ...

Dienstag, 13. August 2019

Ruhe nach dem Sturm

Der Sommer bleibt schwierig für Aktienanleger. Die USA und China tragen beide ihren Teil dazu bei. Trotzdem kommt man an Aktien kaum vorbei. Auch weil die Zinsen niedrig bleiben.

Die Märkte haben sich wieder etwas beruhigt nach den zuletzt recht turbulenten Tagen mit US-Zinssenkung, neuer Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit und den immer massiver werdenden Protesten in Hongkong. Trotzdem wird man sich auf die neuen Gegebenheiten wohl erst noch einstellen müssen.

Denn gerade das Unverständnis zwischen den USA und China hat sich wohl vertieft. „China scheint den breiten politischen Konsens in der US-Politik zwischen Republikanern und Demokraten über Pekings zutiefst unausgewogene und unfaire Verwendung von Handelsregeln und seinen Mangel an Respekt vor geistigem Eigentum unterschätzt zu haben“, sagt etwa Benjamin Melman, Chef-Investor beim Geldverwalter Edmond de Rothschild. Es sei aber auch umgekehrt so, dass die USA anscheinend nicht einkalkuliert haben, dass einige ihrer Forderungen als Angriff auf die chinesische Souveränität angesehen würden.

Die schlechte Nachricht dabei: Es wurden bereits einige potenziell gefährliche Eskalationsstufen zwischen den USA und der Volksrepublik erreicht. Die gute Nachricht: Keines der beiden Länder hat letztlich ...

Dienstag, 6. August 2019

Aggression und Reaktion

Das Thema Handelsstreit beherrscht wieder die Börsenentwicklung. Dass China ganz offensichtlich sogar jetzt den Yuan abwertet, ist dabei die jüngste Form der Eskalation.

Eine richtig heftige Woche war das! Die US-Notenbank Fed senkte den Zinssatz um 25 Basispunkte — was an den Märkten durchaus positiv aufgenommen wurde, die Aktienkurse stiegen zunächst. Doch danach war es wieder einmal an US-Präsident Donald Trump, den Lauf an den Börsen zu verändern.

Der schwang in seiner gewohnten Art die rhetorische Keule, indem er — natürlich per Tweet — zusätzliche Strafzölle auf chinesische Waren ankündigte. Umgehend stürzten die Kurse wieder ab, deutlicher als sie zuvor gestiegen waren. Damit war und ist das alte Thema Handelskonflikt wieder ein wichtiger Faktor an den Aktienmärkten.

Denn die Retourkutsche aus Peking kam prompt: Die Notenbank, die People’s Bank of China, scheint nämlich auf neuem Kurs und hat die Stützung der Landeswährung offensichtlich aufgegeben. Anfang der Woche rutschte der Yuan auf den tiefsten Stand seit elfeinhalb Jahren. Erstmals seit 2008 kostet ein Dollar wieder mehr als sieben Yuan. Effekt: Durch die Abwertung werden chinesische Exporte in den Dollarraum billiger. Die Strafzölle der USA werden somit zu einem guten Teil kompensiert und verfehlen ihre Wirkung. Und damit nicht genug: Zusätzlich wurden Chinas Unternehmen von Peking angewiesen, keine Agrarprodukte aus den USA mehr zu importieren.

Trumps Handeln ist vermutlich wieder politisch motiviert. Ein Blick auf die Wahlumfragen zeigt, dass sein harsches Vorgehen in Sachen China bei vielen Wählern ...