Dienstag, 29. Oktober 2019

Die Jahresendrally kann kommen

Der Oktober endet mit einem ordentlichen Kursplus. Was wohl dran liegt, dass die Lage besser ist als die Stimmung. Außerdem zeichnen sich in Bezug auf wichtige Unsicherheitsfaktoren Lösungen ab.

Eine Ära geht zu Ende: Zum 1. November endet die Amtszeit des bisherigen EZB-Chefs Mario Draghi. Nachfolgerin wird Christine Lagarde, die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). An der Politik der Europäischen Zentralbank wird sich aber grundlegend nichts ändern. Lagarde wird sicherlich bei der ultralockeren Geldpolitik bleiben. Der schwelende Handelskonflikt, die Probleme in der Eurozone, der Brexit sowie die aktuellen konjunkturellen Sorgen liefern dafür schließlich genügend schlagkräftige Argumente.

An den Börsen geht es derweil weiter bergauf. Die Kurse klettern buchstäblich die „Wall of Worry“ hinauf, die Wand der Angst. Es ist wohl recht einfach: Die Lage ist nicht so dramatisch, wie die Stimmung pessimistisch ist. Man sieht das auch gut an der gerade laufenden Berichtssaison. Von den gut 170 Unternehmen des amerikanischen Leitindex S & P 500, die bisher ihre Gewinn- und Umsatzzahlen veröffentlichten, haben über 80 Prozent die Erwartungen übertroffen. Hauptgrund: Die Analysten hatten im Vorfeld ihre Prognosen zurückgeschraubt, so dass die Latte für positive Überraschungen jetzt entsprechend niedrig hängt.

Hinzu kommt die laxe Politik der EZB und der amerikanischen Notenbank Fed. „In politisch schwierigen Börsenzeiten stabilisiert das ‚lower for longer‘ ohne Zweifel die Aktienmärkte via Liquiditätshausse“, kommentiert Robert Halver, Börsenexperte der Baader Bank.

Und so kommt es eben, dass der DAX seit Ende September um gut vier Prozent ....

Dienstag, 15. Oktober 2019

„Jetzt ist es ein Liebesfest“

Im Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint sich eine Lösung anzubahnen. Der US-Präsident gibt sich fast euphorisch. Das sollte den stagnierenden Märkten helfen.

Es kommt tatsächlich Bewegung in die Sache: In dem schon seit gut einem Jahr andauernden Handelskonflikt mit China hat US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende eine Einigung verkündet. Ein Teilabkommen soll unterzeichnet werden. Es sei „Phase 1“ eines umfassenden Handelsvertrags, in dem es zunächst um Themen wie Finanzdienstleistungen, Währungsfragen, Agrarprodukte sowie um den Schutz geistigen Eigentums geht.

Vorausgegangen war ein Treffen mit dem chinesischen Vize-Ministerpräsidenten und Chefunterhändler in Sachen Handelskonflikt Liu He in Washington. Ein Anfang scheint also gemacht, weitere Streitpunkte sollen dann in einer zweiten und womöglich dritten Phase geklärt werden. An den Börsen wurde die Nachricht zunächst positiv aufgenommen, auch wenn China in einer ersten Reaktion etwas zurückhaltender reagierte und von „substanziellen Fortschritten“ sprach. Die Kurse in den USA, Europa und Asien machten jedenfalls einen Sprung, gaben dann aber wieder etwas nach, weil es eben bislang nur eine „mündliche“ Vereinbarung ist. Trump kündigte jedoch an, dass das Abkommen vermutlich beim Treffen mit Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping auf dem Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Chile am 16. und 17. November unterzeichnet werden soll.

Trump jedenfalls ist guter Dinge und verkauft sich als Sieger: „Es gab viele Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China, und jetzt ist es ein Liebesfest“, sagte er. „Das ist eine gute Sache. Das ist gut für China, es ist gut für uns, aber es ist auch gut für die Welt.“ Gut ist es auch für ihn selbst. Denn einen Erfolg hat Trump dringend nötig. Die täglich neuen Details zur Ukraine-Affäre setzen ihn mächtig unter Druck. Und da auch die konjunkturellen Alarmzeichen zunehmen, muss der Präsident in seiner Paradedisziplin andere Erfolge vorweisen — das sind nun eben einmal die Ökonomie und die Börse, über die er sich definiert.

Ein Ende des Konflikts mit China dürfte viele amerikanische Unternehmen beruhigen. ...

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Warten auf die großen Deals

Die Börsen stagnieren und könnten weiter fallen. Es sei denn, es kommt zu einigen grundlegenden Entscheidungen.

Die Märkte hängen erst einmal fest, die Korrektur hat etwas größere Ausmaße angenommen. Der Grund ist recht simpel: Es fehlt an fundamentalen Triebfedern, die den Indizes über ihre starken Widerstände hinweghelfen könnten — der DAX kommt bislang nicht nachhaltig über 12 400/12 500 Punkte hinaus, und der Dow Jones prallt immer wieder von der 27 000er-Marke ab. Zwar ist die Bewertung an den Börsen nicht übermäßig teuer, aber eben auch nicht besonders billig. Dazu kommt, dass die Prognosen für die Unternehmensgewinne zuletzt recht moderat ausfielen, Indikatoren wie der ISM--Einkaufsmanagerindex doch deutlich nachließen, andere wie der Arbeitsmarktbericht Licht und Schatten zeigten und damit auch nicht für bessere Laune sorgen konnten. Dennoch — und das ist wichtig — sieht es auch weiterhin und trotz der schlechteren Daten nicht nach einer anstehenden Rezession aus. 

Es ist also gar nicht so abwegig, dass die Märkte in den folgenden Handelstagen noch etwas weiter nachlassen, bevor sie einen Boden finden. Es sei denn, es passiert Entscheidendes in den eher politischen Problemfeldern dieses Jahres. Denn da ist richtig was los.

Da wäre der Handelskonflikt. Zum Ende der Woche reist Chinas Vizeministerpräsident Liu He nach Washington, um mit Finanzminister Steven Mnuchin und dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer erneut über eine Einigung zu beraten. Vielleicht kommt dabei etwas heraus. US-Präsident Donald Trump ließ jedenfalls wissen, dass die Handelsgespräche nun eine wichtige Phase erreicht hätten und die Möglichkeit für einen Deal mit China bestünde. Eine baldige Einigung dürfte im Sinne von Trump sein. 2020 ist Wahljahr. Mit einer schwächelnden Wirtschaft dürfte ihm die Wiederwahl kaum gelingen.

Was eher gegen eine schnelle Lösung spricht, ist der Fall Huawei. Trotz der anstehenden Handelsgespräche steht der chinesische Technologiekonzern immer noch auf der Sanktionsliste der Amerikaner, die zudem Indien und andere Länder vor den Gefahren warnen, die von Huawei ausgehen. Zum Ärger der Chinesen.

Auch in Sachen Brexit scheint sich etwas zu tun. ...