Dienstag, 19. November 2019

Eskalation versus Deeskalation


Die Jahresendrally läuft. Viele der bisherigen Unsicherheitsfaktoren wiegen inzwischen weniger schwer, allen voran der Handelskonflikt. Allerdings sind Sorgen wegen der Lage in Hongkong angebracht .

Es gibt Zeiten, da sind die Gründe — oder besser: die Begründungen — für das Auf und Ab an den Börsen recht monothematisch. So auch in den zurückliegenden Wochen und Monaten. Hauptthema war und ist der Handelsstreit der USA mit China. Stehen die Zeichen auf Entspannung, steigen die Kurse, sieht es nach Eskalation aus, sinken sie. Verlässlich das Ganze. Und mit ziemlicher Sicherheit dürfte der Dauerbrenner Handelskonflikt auch noch in den kommenden Monaten für Kurssprünge weltweit sorgen. Mal rauf, mal runter. Wie gewohnt.

Aktuell zeigt die Tendenz wieder nach oben. Das lag an Larry Kudlow, dem Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump. Kudlow ließ nämlich wissen, dass eine Vereinbarung mit China näher rücke. Es würden „sehr konstruktive Diskussionen“ mit Peking geführt. Man benötige nur noch „wenige Federstriche“ bis zu einem ersten Abkommen. „Die Stimmung ist ziemlich gut“, so der Trump-Berater und ehemalige TV-Moderator.

Allerdings sprach Kudlow von einem ersten Abkommen, von „Phase 1.“ Aus den besagten Federstrichen wird also noch kein komplettes Handelsabkommen resultieren. Es wird weitere Verträge geben, von Phase 2 und 3 ist die Rede. Und man kann fast sicher sein, dass dies auch künftig wieder zu Streit führen wird, zu Eskalationen gefolgt von Deeskalationen und zu Kurssprüngen, mal rauf, mal runter. China bestätigte derweil die amerikanische Sichtweise: Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Sonntag von einem „konstruktiven“ Telefonat.

Weit weniger Einfluss auf die Börse, als man vielleicht annehmen könnte, haben bisher die Proteste in Hongkong. Dort wird die Lage immer verfahrener, und es sieht auf absehbare Zeit nicht nach einer Beruhigung aus. Die politischen Machthaber demonstrieren Härte, die Studenten weichen nicht zurück. Ernsthafte Vermittlungsversuche gab es bisher nicht, auch nicht von außen. Vermutlich würde sich Peking eine Einmischung in „innere Angelegenheiten“ auch verbitten. Gut möglich, dass sich das chinesische Militär darauf vorbereitet, im autonom verwalteten Hongkong einzugreifen: Am Wochenende zeigten sich erstmals seit Ausbruch des Konflikts chinesische Soldaten auf den Straßen der Metropole.

An den Märkten spielt dies indes (noch) fast keine Rolle. Zwar schwächelt der Hongkonger Hangseng-Index, der chinesische CSI-300-Index notiert dagegen in der Nähe seines Jahreshochs. Einen Teil trug die chinesische Zentralbank dazu bei, die zum ersten Mal seit 2015 den Leitzins senkte. Fast alle asiatischen Börsen tendierten in der Folge freundlich. Und im Rest der Welt geht es ohnehin nach oben: Der DAX ...

Dienstag, 12. November 2019

Am Gängelband der Politik

Es läuft wieder an den Märkten. Doch das ist kein Grund für Sorglosigkeit. Gerade die politischen Probleme dürften auch künftig immer wieder für Rücksetzer sorgen. Trotzdem bleiben wir insgesamt positiv.

Das waren richtig starke Börsentage. Der DAX liegt knapp unter seinem Allzeithoch, an der Wall Street wurden bereits neue Rekordstände erreicht. Wichtigster Treiber der Rally dürfte die erhöhte Notenbankliquidität sein, sowohl im Euroraum als auch in den USA. Dazu kommt, dass die Bilanzsaison bisher besser ausfällt als zuvor erwartet. Zwar haben die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im zurückliegenden Quartal im Schnitt um etwa zwei Prozent nachgelassen, allerdings waren die Analysten von einem weit stärkeren Rückgang ausgegangen.

Derzeit haben bereits mehr als 80 Prozent der amerikanischen Unternehmen ihr neues Zahlenwerk vorgestellt — viel kommt da also nicht mehr. Daher könnte es jetzt durchaus auch zu einer Korrektur kommen, je nachdem, wie die aktuell anstehenden Konjunkturdaten ausfallen. Aus den USA beispielsweise kommen neue Daten zur Inflation und zu den so wichtigen Einzelhandelsumsätzen. Und aus China gibt es Zahlen zur Entwicklung der Industrieproduktion.

So oder so: Die Jahresendrally sollte man trotz einer jetzt möglichen Korrektur nicht abschreiben. Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, wird vor dem Kongress aussagen, was durchaus für starke Impulse sorgen kann. Und auch US-Präsident Donald Trump hält eine von den US-Medien mit Spannung erwartete Rede. Trump ist im Wahlkampfmodus und wird sich in seiner Ansprache wohl auf wirtschaftliche Themen konzentrieren.

Mittelfristig wird man als Anleger aber wohl immer wieder mit ordentlichen Korrekturen rechnen müssen. Denn gerade die politischen Risiken werden immer wieder hochkochen. Etwa das Thema Handelsstreit. Hier geht es hin und her — wie bei Trump nicht anders zu erwarten. Denn nur 24 Stunden nach der von China und den USA verkündeten grundsätzlichen Übereinkunft schürte der US-Präsident wieder Zweifel. Er habe der schrittweisen Rücknahme der verhängten Zölle noch nicht zugestimmt.

Dabei wäre ein echter Durchbruch hier wichtig. Das politische Risiko würde deutlich sinken. Ebenso, wenn ein harter Brexit vermieden wird. Oder wenn sich in Krisenländern wie Spanien endlich stabile politische Verhältnisse einstellen. „Das allein würde einen Anstieg ...

Dienstag, 5. November 2019

Märkte im Kampfmodus

Es geht ordentlich aufwärts mit den Kursen. Weil die Notenbanken weiterhin viel Geld drucken. Und weil sich China und die USA im Handelsstreit wohl endlich zu einigen scheinen.

Es hat tatsächlich geklappt. Schon am Wochenanfang kletterte der DAX wieder über die 13 000-Punkte-Marke. Zuletzt befand sich der deutsche Leitindex im Juni 2018 auf diesem Niveau. Schon in der Vorwoche hatte der deutsche — wie auch alle anderen wichtigen Aktienmärkte — von der Zinssenkung der Fed profitiert. So erreichten der Dow Jones, der S & P 500 wie auch der Nasdaq Composite jeweils ein neues Allzeithoch.

Eben auch dank der US-Notenbank, die den Leitzins seit Juli zum dritten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte reduzierte. Die Bandbreite liegt damit jetzt zwischen 1,5 und 1,75 Prozent. Die Aktion der Fed ist indes wohl eher eine Vorsichtsmaßnahme als der Not geschuldet. Die ökonomischen Rahmenbedingungen sind gar nicht so schlecht. Sie haben sich zwar insgesamt etwas eingetrübt, doch die BIP-Daten für das dritte Quartal wie auch die Arbeitsmarktdaten für Oktober lagen über den Erwartungen. 128 000 neue Jobs gab es im zurückliegenden Monat. Zudem wurden die September-Zahlen von 136 000 auf 180 000 deutlich nach oben revidiert. Zusammen mit der intakten Konsumneigung sowie gewachsenen Exporten ergibt sich ein moderat positives Bild für die US-Wirtschaft.

Die dortige Zentralbank geht daher von anhaltendem Wirtschaftswachstum aus, „aber es bestehen bei dieser Prognose weiter Unsicherheiten“, sagte Fed-Chef Jerome Powell mit Blick auf das global schwächere Wachstum. Der Inflationsdruck sei derzeit gering. Der gegenwärtige Zins werde „wahrscheinlich angemessen bleiben“, solange es keine unerwartete und drastische Veränderung der Wirtschaftsentwicklung gebe.

Besser scheint es auch in Fernost zu laufen. So überraschten ...