Donnerstag, 19. Dezember 2019

Der Dreifacheffekt

Und alle Probleme lösen sich scheinbar in Wohlgefallen auf. Eine klare Ansage der EZB, ein eindeutiger Wahlsieger in Großbritannien und ein Deal zwischen China und den USA sorgen für Kursplus.

ist so weit: Nach langen Verhandlungen haben sich die USA und China auf ein Handelsabkommen geeinigt. Auf ein erstes zunächst, auf „Phase 1“, wie es die Kontrahenten nennen. Weitere Abkommen sollen im neuen Jahr folgen. So zumindest bestätigen das die Regierungen beider Länder. Was durchaus zu erwarten war, schließlich hatte US-Präsident Donald Trump bereits Ende Oktober einen Deal angekündigt, und die chinesische Seite hatte dies nicht dementiert.

Das erklärt vermutlich auch, dass es an den Aktienmärkten am Tag der Deal­ankündigung zu keinem der vielen erhofften sprichwörtlichen Kursfeuerwerke kam. An den Börsen war das Abkommen längst antizipiert worden, schließlich steigen die Kurse seit Anfang Oktober ohne nennenswerte Korrektur — frei nach der Börsenweisheit: „Buy the rumour, sell the news“. Auch am Vortag des Deals war es zu einem Kurssprung gekommen, als der Präsident (natürlich) per Twitter verkündete, dass ein „großer Deal sehr nahe“ sei.

Außerdem hatte Boris Johnsons Wahlsieg in Großbritannien bereits für steigende Kurse gesorgt, ebenso die erste Pressekonferenz der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde, die verkündete, dass es auch unter ihr bei der ultralockeren Geldpolitik bleiben werde. Konkret belässt der EZB-Rat also den Leitzins im Euroraum unverändert auf dem Rekordtief von null Prozent.

Das beschlossene Abkommen zwischen China und den USA überstrahlte ...

Dienstag, 3. Dezember 2019

Trump gibt’s, Trump nimmt’s


Die Jahresendrally läuft. Die Aktienkurse steigen weltweit. Und auch für das kommende Jahr sieht es gar nicht so schlecht aus, wie manche Börsenskeptiker vielleicht befürchten.

Das kann sich sehen lassen. Mit der Schlussglocke machte der DAX am letzten Handelstag des Novembers  den dritten Gewinnmonat in Folge perfekt. Um fast drei Prozent ging es in den zurückliegenden vier Wochen nach oben. Ein wichtiger Grund dafür ist die grundlegende Entspannung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit — trotz der zuletzt wieder aufgekommenen Zweifel. Die Ursache hierfür ist ein vom US-Kongress beschlossenes Gesetz, das die Demokratiebewegung in Hongkong stärken soll. Präsident Donald Trump hat es unterzeichnet, obwohl China von ihm ein Veto eingefordert hatte. Trump kündigte aber an, man wolle das Gesetz „differenziert betrachten“, es gehe darum, dass China und Hongkong „ihre Meinungsverschiedenheiten freundschaftlich regeln“.

Trump-Kritiker befürchten jetzt eventuell negative Auswirkungen auf die Handelsgespräche. Vermutlich zu Unrecht. Die in Hongkong erscheinende „South China Morning Post“ berichtet, dass man in Peking zwar verärgert sei, es aber Beobachtern zufolge unwahrscheinlich ist, dass die politische Führung Gegenmaßnahmen ergreift, die die laufenden Handelsgespräche untergraben. Vergeltungen gibt es trotzdem: Ab sofort dürften US-Kriegsschiffe nicht mehr in Hongkong Station machen, zudem seien Strafmaßnahmen gegen US-Organisationen wie Human Rights Watch geplant.

Nach lediglich durchwachsenen neuen Wirtschaftsdaten ist es ohnehin so, dass China ein starkes Interesse daran haben sollte, einen Deal mit den USA zu erreichen. So oder so leiden beide Volkswirtschaften unter den andauernden Zwistigkeiten. Chinas Exporte in die USA sind binnen Jahresfrist um 53 Milliarden Dollar gesunken – der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise. Und umgekehrt sind die Ausfuhren der USA nach China um 33 Milliarden Dollar geschrumpft. Ermutigend also, dass es inzwischen Indizien dafür gibt, dass sich in der Volksrepublik so langsam richtig was tut.

Der Staatsrat hat laut Nachrichtenagentur Xinhua angekündigt, dass ...